Reporterpreis: Die Zeit räumt ab

Zeit-Journalist Wolfgang Uchatius ist am Montagabend mit dem Reporterpreis ausgezeichnet worden. In seiner Reportage "Die Riester-Bombe" beschrieb Uchatius, wie er eine Altersrente abschloss und dabei den Bau einer Streubombe finanzierte. An die Zeit gingen drei weitere Auszeichnungen. Cordt Schnibben, Spiegel-Ressortchef und Spiritus Rector des ReporterForum, das den Preis vergibt, stellte eine bemerkenswerte Forderung an seine Zunft: "Wir dürfen die Krise nicht den Wirtschaftsjournalisten überlassen."

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Uchatius (hier geht es zu seinem prämierten Stück) ist womöglich der Prototypus des Wirtschaftskrisen-Reporters, den sich Schnibben vorstellt. Zwar hat Uchatius auch im Wirtschaftsressort der Zeit gearbeitet, als Reporter darf er seit einigen Jahren aber quer durch die Ressorts schreiben. Doch Schnibben sieht dennoch Defizite in der Disziplin des allgemeinverständlich schreibenden und investigativ arbeitenden Wirtschaftsreporters in Deutschland. Mit Blick auf den Autor des Wirtschaftsbuches "The Big Short", das in den USA für Furore sorgte, fragte er: "Wo ist der deutsche Michael Lewis?" Es fehlten Analysen, Reportagen und vor allem Essays über die Krise. Bisher werde zu viel "von Wirtschaftsjournalisten zu Wirtschaftsjournalisten" geschrieben. Das ReporterForum wurde 2007 von Schnibben, Ariel Hauptmeier (Geo) und Stephan Lebert (Zeit) initiiert. Das Forum verstehe sich als "Bürgerinitiative für bessere Zeitschriften und Zeitungen", sagte Schnibben.

Weitere Preise gingen an: Ariane Bemmer vom Tagesspiegel (Beste Lokalreportage), Ulrike Demmer vom Spiegel (Beste politische Reportage), Marian Blasberg vom Zeit-Magazin (Bestes Interview), den freien Journalisten Uwe H. Martin (Beste Web-Reportage), Zeit-Autor Konstantin Richter (Beste Kulturreportage), Eugen Sorg vom Schweizer Magazin (Bester Essay) sowie die freien Journalisten Nadine Ahr und Jonathan Stock für Reportagen in der Zeit und in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, die sich den Preis in der Kategorie Beste Freie Reporter teilten.   

Sonderpreise für die besten Sprüche des Abends gingen an Cordt Schnibben ("Aus Neid und Hass sind bei mir immer die besten Texte entstanden") und Jörg Thadeusz, der sich bei Ulrike Posche vom Stern bedankte, die in einem Stück Karl-Theodor zu Guttenberg "leichtfüßig umtänzelt" habe – "den Politiker, der durch die Begegnung mit Giovanni di Lorenzo sein Augenlicht wiedererlangt hat."

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