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Hinter den Kulissen mit Marietta Slomka

Nach der gelungenen Mediathek-App stellt das ZDF als weitere digitale Innovation "heute journal plus" vor. Im Netz und über Smart-TVs können Zuschauer die Nachrichtensendung ganz normal, also linear anschauen - aber zwischendurch auf Zusatzinhalte wie Videos oder Infografiken wechseln, auf der Facebook-Seite des heute-journal einen Kommentar hinterlassen und sich von den Moderatoren erklären lassen, wie gute Interviews zustande kommen. Das ZDF sagt, der Mehraufwand werde mit Bordmitteln gestemmt.

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Fünf Symbole hat das ZDF links oben auf den Bildschirm beim Format heute journal plus gepappt, die aufblinken, wenn es weitere Inhalte zu einem gerade laufenden Beitrag gibt: Videos, Links, Media, Social und Editorial. Videos – diese Rubrik ist selbsterklärend: Hier sind Beiträge abrufbar, die nicht in der Nachrichtensendung selber untergebracht werden konnten. Zum Beispiel ein kurzer Film über die neue Zusatzfarbe der SPD, Purpur. Oder eine Rede vom Parteitag der SPD in voller Länge. In einem kleinen Fenster am Rand des Schirms bleibt die lineare Sendung derweil eingefroren und läuft erst auf Knopfdruck weiter.

Das Symbol Links verweist auf Textbeiträge von ZDF-Onlineseiten oder auch von anderen Anbietern wie der Financial Times Deutschland. Den Verlegern sind textlastige Beiträge von Öffentlich-Rechtlichen bekanntermaßen ein Dorn im Auge. In diesem Fall öffnet sich nach Aufruf ein Kasten mit dem kompletten Beitrag (es wird nicht auf die jeweilige Website verlinkt!), der auf Bedarf wieder geschlossen werden kann. Unter Media verbergen sich vor allem Infografiken. Aktuelle Beispiele: Die fiktiven "Bewerbungsmappen" der SPD-Kanzlerkandidaten, die Wahlergebnisse der SPD im Verlaufschart, witzige Randaspekte aus vergangenen Wetten, dass…? Sendungen zum Abschied von Thomas Gottschalk. In diesen Extrainhalten steckt vermutlich der meiste Aufwand – und hier liegt auch tatsächlich großes Potenzial, Web und TV näher zueinander zu bringen.

Unter Social bietet das ZDF den Sprung auf eine Facebook-Seite, auf der Nutzer kommentare hinterlassen können. Bislang wurde dieser Link aber noch nicht oft verwendet – in der Sendung vom 5. Dezember konnten Zuschauer über die Wahl in Russland diskutieren. Das Editorial schließlich bietet den ZDF-Journalisten die Möglichkeit, die Kulissen des heute-journals auszuleuchten oder einen Kommentar aufzusprechen, der nicht ganz so staatstragend daherkommt wie der der ARD-Kollegen in den Tagesthemen.

Zwei Beispiele: Marietta Slomka erläuterte zur Sendung vom 5. Dezember in gut sechs Minuten, wie sie sich auf Interviews vorbereitet. "Ich bin der kleine Springteufel, der aus der Kiste kommt und bohrend nachfragt", erzählte sie da durchaus unterhaltsam. Im Hintergrund ihres Büros kleben Cartoons und Zeitungsauschnitte an der Wand, im Papierkorb türmt sich das Altpapier. "Politiker – die wollen Botschaften verbreiten", erklärte sie in diesem Art "Making of" des heute-journal. Das ist natürlich nichts Neues für Medienprofis. Für den interessierten Zuschauer könnten diese Ausführungen allerdings nette Beiware sein. Muss man nicht gesehen haben, dümmer wird man davon aber auch nicht.

Der zweite Editorial-Beitrag vom 5. Dezember stammte von Korrespondent Udo van Kampen, der im Schneideraum einen Kommentar zur Euro-Politik von Merkel und Sarkozy aufsprach. "Also, wenn ich die beiden da so sehe, reibe ich mir die Augen", sagte der Journalist und bemühte sich um einen Plauderton. Auch wenn das etwas bemüht wirkte, und die abschließend gemurmelte Anweisung an den Mann vom Schnitt im Hintergrund gestellt war – versuchen kann man´s ja mal auf diese Weise. es wird ´eh viel zu wenig experimentiert im Fernsehen.

Und das ist wohl auch das erste Fazit des Versuchs heute journal plus. Ob die Zuschauer wirklich zusätzliche Informationen, die es in die Hauptsendung nicht schaffen, sehen wollen, wird sich zeigen. Auch Bonusmaterial auf DVDs wird meistens nur von Fans geschaut. Aber: Das Format zeigt als eines der ersten, was mit dem Hybrid-Format HbbTV, das die Verbindung von TV und Netz ermöglicht, journalistisch zu leisten ist. Die Eigenwerbung für die ZDF-Moderatoren ist nett, für den Bedarf an Zusatzinhalten wird eher entscheidend sein, wie zwingend nötig sie sind und ob es gelingen kann, eine wirkliche Nachfrage beim Nutzer zu wecken. Zunächst ist heute journal plus ein Showcase, aber: Sobald Smart-TVs von den Zuschauern nicht nur gekauft, sondern auch tatsächlich mit ihren Funktionen genutzt werden, könnte sich das öffentlich-rechtliche TV hier mit sinnvoll eingesetzter digitaler Kompetenz profilieren. 

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