„ARD/ZDF eine weitgehend spaßfreie Zone“

Kein Erfolgsdruck: Thomas Gottschalk sieht seinem Wechsel als Moderator von "Wetten, dass..?" zu seinem neuen Arbeitgeber ARD gelassen entgegen. "Die halbe Stunde, die ich jetzt von Montag bis Donnerstag abliefern werde, schreckt mich überhaupt nicht", sagt der 61-Jährige im Interview mit dem Männermagazin GQ. "Das belastet mich weniger als die Erwartungshaltung, siebenmal im Jahr die Supershow mit der Riesenquote einfahren zu müssen." Dabei übt er auch Kritik am öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

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Gottschalk spricht im Interview mit Christopher Keil über seinen Neuanfang im Ersten. Er müsse niemanden mehr etwas beweisen, das sei das Schöne an seiner derzeitigen Lage. "Ich glaube aber, dass ich noch mal was Neues hinkriegen kann, und freue mich, dass es bei der ARD Leute gibt, die mir das auch zutrauen." Ihm sei dabei egal, dass sein Gehalt im Vergleich zu seinem vorherigen Vertrag "in etwa gleich" bleibe.

Ihm bereite es keine Angst, dass er mit 61 Jahren noch einmal von Null mit einer Sendung zur Vorabendzeit starte. "Klar kenne ich das Gelabere vom ‚richtigen Zeitpunkt‘. Den habe ich nach Meinung vieler Kritiker schon vor 10 Jahren verpasst, manche sagen vor 20. Dann wäre ich jetzt eine Legende, die in Malibu todtraurig auf den Pazifik glotzen würde. Und wenn ich sehe, was im deutschen Fernsehen so alles vor sich hin dilettiert, macht mir das eher Mut, noch mal anzugreifen", sagt Gottschalk und führt als Beispiel Clint Eastwood an. Der 70-Jährige Schauspieler habe sich im hohen Alter als Regisseur neu erfunden.

Gottschalk sieht sich als "Desperado" in der so genannten "Todeszone", die Stunde vor 20 Uhr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. "Ich muss den Optimismus haben, an etwas zu glauben, die Energie, es leisten zu können, und dabei den Spaß haben, der mir die Leichtigkeit garantiert. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist zurzeit eine weitgehend spaßfreie Zone. Und es warten natürlich genügend Leute darauf, auch mir den Spaß zu verderben. Aber ich glaube zu wissen, was ich dem Publikum schuldig bin."

Auch wenn er mit der Sendung unter der kritischen Marktanteilsgrenze von 10 Prozent liegen sollte, werde er sich so lange in Geduld üben wie die ARD. Dennoch gibt er sich im Interview zuversichtlich: "Ich habe aber aus meinen Fehlern gelernt und werde mir das Ding nicht von irgendwelchen Bloggern, Medienjournalisten oder Onlinepraktikanten miesmachen lassen. Dieser Chor der Nörgler begleitet mich jetzt schon zu lang, als dass er mir Bange macht."

Das Interview ist in der am kommenden Donnerstag erscheinenden GQ-Ausgabe abgedruckt und enthält eine Fotostrecke mit Gottschalk, die in seiner eigenen Suite im Bayerischen Hof in München entstanden ist und von seiner Frau Thea eingerichtet wurde.

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