„Er hat die Generation Gottschalk erreicht“

Ein quotenstarker Abgang: Am Samstag moderierte Thomas Gottschalk zum letzten Mal "Wetten, dass..?". Der Moderator wirkte sehr gelöst und locker: "Es war, als wär der Backstage-Blick, den das ZDF schon von 19.25 Uhr an für seine Zuschauer freigegeben hatte, bis zum Ende um 23.17 Uhr durchgehalten worden", schreibt Faz.net. FR-Online empfand den Abschied als zu "staatstragend", Welt Online hingegen feiert das Ende der "Promi-Promo-Posse". MEEDIA dokumentiert die Pressestimmen.

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Faz.net:
"Denn selbstverständlich lebte der Abschied von den persönlichen Schwachheiten der Protagonisten. Es war, als wär der Backstage-Blick, den das ZDF schon von 19.25 Uhr an für seine Zuschauer freigegeben hatte, bis zum Ende um 23.17 Uhr durchgehalten worden. Gottschalk verzichtete erstmals seit einem Jahrzehnt auf seine Kärtchen, die ihm sagen, mit wem er da gerade spricht und wie die Wette aussieht. (…)
Für Michelle Hunziker war es ohnehin ein bitteres Finale. Sie scheiterte an allen Fronten. Ein auswendig gelerntes Gedicht mit simplen Reimen brachte sie nicht zu Ende. Eine Torte verteilte sie so ungeschickt, dass Nowitzki darum bat, das selbst in die Hand nehmen zu dürfen. Bei ihr war an diesem Abend alles zu: zu laut, zu hysterisch, zu stark geschminkt, zu aufgesetzt das Lachen, kurz: zu unecht. In dieser Verfassung dürfte sie keine Chance auf die Fortsetzung der Karriere im Samstagabendprogramm des ZDF haben."
FR-Online.de:
"Kurz gesagt: Es war eine Institution, dieses ‚Wetten dass..?‘ mit Thomas Gottschalk. Vielleicht wird es künftig, egal wer den Laden jetzt übernimmt, nur noch eine Fernsehshow sein. (…) Und trotzdem wäre es schön gewesen, wenn der Abschied von dieser Institution etwas weniger staatstragend ausgefallen wäre. Wenn Gottschalk sich zum Schluss einfach von all seinen Gästen noch einmal hätte feiern lassen. Mit Luftschlangen, Konfetti, Blasmusik. Wenn der Intendant aus der ersten Reihe aufgestanden wäre und ihm die Hand geschüttelt hätte. Wenn der Moderator seine Frau auf die Bühne geholt und sich bedankt hätte, dass sie den Unsinn all die Jahre mitgemacht hat. Und wenn noch einmal die ‚Wetten dass..?‘-Musik gelaufen wäre."
Tagesspiegel.de:
"Bei 46 Prozent Marktanteil hatte jeder beinahe Zweite dieses Ziel im Sinn – Gottschalk und seiner Lebenszeit, die er mit dem Moderator dieser ZDF-Show verbracht hat, adieu zu sagen. Es war der besondere Moment, nicht die durchschnittliche Performance der Sendung, die solche Quoten produzierte. (…)Und weil der Moment zum Momentum wurde, ist noch ein Abschied zu registrieren. Thomas Gottschalk ist ein allseits beliebter Showkönig, er hat, zerlegt man den Gesamtwert in seine Einzelteile, nicht nur ein großes, sondern ein All-inclusive- Publikum erreicht, die ‚Generation Gottschalk‘.Man hätte es sich vielleicht etwas üppiger gewünscht. Einfach ein bisschen mehr Lametta, so wie früher. 24 Jahre hat Deutschland mit Thomas Gottschalks ‚Wetten, dass ..?‘ verbracht. Millionen wurden groß mit dieser Show und mit diesem Moderator. Und erwachsen. Oder alt." 
Welt-Online.de:
"’Wetten, dass ..?‘ entsprach schon lange nicht mehr einem modernen TV-Format. Und doch: Es war eine Show für die Familie. Ein bisschen heile Welt. Auch darum hätte dieser Abschied richtig rauschen müssen.
Es gibt bei den meisten Menschen so etwas wie ein Urbedürfnis, zum Schluss noch einmal so richtig traurig, so richtig ergriffen zu sein. Doch ganz am Schluss der Sendung, als Gottschalk ein bisschen mit den Tränen rang, siegte bei ihm die Beherrschung. Eigentlich wäre es viel schöner gewesen, wenn er sich nicht so sehr beherrscht hätte."
Sueddeutsche.de:
"Es war ein bisschen wie immer: glamourös und familiär, lustig und langatmig zugleich. Dabei war die Aufregung davor so groß gewesen wie nie. Im ganzen Land zerbrach man sich die Köpfe darüber, wer die TV-Sendung moderieren soll, deren Quoten noch dazu in den vergangen Jahren tendenziell gesunken waren. Das Publikum in Friedrichshafen hatte Tränen in den Augen und schwenkte verzweifelt Plakate. Das ZDF‘>Spiegel-Online:
"Noch einmal brachte Gottschalk vor einem Millionenpublikum seine Fähigkeit zur Meisterschaft, bei Gesprächen mit Gästen grundsätzlich mehr über sich zu erzählen als über sie. Um zu verdeutlichen, wie sehr Günther Jauch inzwischen mit dem RTL-Quiz "Wer wird Millionär" verwachsen sei, bemühte Gottschalk als Analogie sich selbst: "’Wetten, dass..?‘ – das bin ich." Genau darin liegt auch das Problem bei der Suche nach einem Nachfolger. Jauchs in der Sendung abgegebenes Versprechen, bis Sonntagabend über die Moderation von "Wetten, das..?" nachzudenken, war da nicht mehr als ein Werbeblock für seinen heutigen Jahresrückblick bei RTL. (…) Thomas Gottschalk muss das alles nicht mehr kümmern. Ab Montag arbeitet er mit seiner neuen Redaktion in Berlin an der Vorabendsendung, die im Januar im Ersten startet."
RP-Online:
"Mit Gottschalks Abschied geht ein Entertainer, der die Herzen der Zuschauer zu bewegen wusste. Keine flapsigen, frechen Bemerkungen gegenüber den Stars dieser Welt mehr, keine jovialen Schenkelklopfer auf dem Sofa, kein fröhliches, spontanes Geknutsche überraschter Gäste. Eindrücke die in Erinnerung bleiben werden und die Gottschalk an seinem letzten Abend bei ‚Wetten, dass..?‘ nur einmal mehr unterstrichen hat. Der Abschied fällt schwer – nicht nur dem Publikum."
taz.de:
"Überhaupt war die letzte Sendung so normal und darin durchaus gut und wie immer in all ihrer Überflüssigkeit seltsam stimmig. Mit überflüssiger Prominenz, mal stulleren (Gottschalks Abendgarderobe den jeweiligen Sendungen zuordnen), mal besseren Wetten (WC-Marken am Geräusch der Klospülung erkennen), und in die Jahre gekommenen Lifeacts (Meat Loaf sang ein Medley und tritt nächste Saison mit dem Kurorchester Bad Orb auf). Fernsehunterhaltung am Samstagabend, irgendwie aus der Zeit gefallen, aber immer noch da."
Stern.de:
"Plötzlich steckt man mittendrin in der Gefühlsduselei. Doch, Moment mal, so war das nicht geplant. Rührselig werden, bloß weil Thomas Gottschalk zum letzten Mal bei "Wetten, dass ..?" ins Rennen geht – ist doch lächerlich. Man hat schließlich auch ganz gut ohne ihn gelebt. Und wenn einem ausnahmsweise an einem Samstagabend der ewigblonde Showmaster ins TV-Bild lief, weil das eben beim Zappen durchaus passieren kann, so war das in der Regel mindestens so aufregend wie die Outfits von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Man hatte dann und wann das Gefühl, und zuletzt immer öfter, sich an ihm, dem Dauergutgelaunten, satt gesehen zu haben."
Stefan-Niggemeier.de:
"Die letzte Gottschalk-Ausgabe von ‚Wetten dass?‘ war bezeichnend für das Problem, das die Sendung seit längerem hat: Es ist nichts in ihr passiert. (…)
Thomas Gottschalk, der populärste Moderator des deutschen Fernsehens beendet eine von zehn Millionen Menschen gesehene Traditions-Show, die er und die ihn geprägt hat, und alles, was der Produktion einfällt zu seinem Abschied sind ein paar alte Ausschnitte und am Ende Laserstrahlen und die Worte ‚Danke Thomas‘ als Leuchtschrift. Man muss es Arbeitsverweigerung nennen."

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