Guttenberg-Interview: Di Lorenzo antwortet

Giovanni di Lorenzo nimmt Stellung: Der Zeit-Chefredakteur sah sich nach der Veröffentlichung seines Interview-Bandes mit Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zunehmend in der Kritik. Nicht nur die Wochenzeitung selbst stand unter dem Vorwurf, sich vor eine Kampagne spannen zu lassen. Nach Informationen des Medienkolumnisten Kai-Hinrich Renner musste sich di Lorenzo auch intern kritischen Fragen seiner Redakteure stellen.

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Giovanni di Lorenzo erklärt gleich zu Beginn seines Artikels, dass selten eine Geschichte der Zeit ein so großes Echo gefunden hat wie das Interview mit Karl-Theodor zu Guttenberg. Unter der Überschrift “Warum dieses Interview?” nimmt der Chefredakteur Stellung zur Kritik vieler Leser und argumentiert, warum er sich nicht hätte instrumentalisieren lassen.

So hätte die Zeit lange Zeit versucht, ein Interview mit zu Guttenberg zu bekommen. Bis dann schließlich der Verleger Manuel Herder auf di Lorenzo zukam. di Lorenzos Forderungen: keine inhaltliche Beschränkung bei den politischen Themen sowie ein Vorabdruck in der Zeit.

Was dann passierte, hatte der Moderator der NDR-Sendung “3nach9” wohl kaum erwartet. Sowohl innerhalb der Redaktion als auch von Seiten der Leserschaft der Zeit hagelte es Kritik. Di Lorenzos Antwort: “Im Prinzip versucht natürlich jeder, der sich einem Interview stellt, einen Nutzen aus dem Gespräch zu ziehen. Mit Sicherheit ist das auch die Absicht von Karl-Theodor zu Guttenberg gewesen. Dagegen hat ein Journalist nur ein einziges, aber wirkungsvolles Mittel: journalistische Distanz, die kritische Frage. (…) Die Antworten müssen dann weder dem Interviewer noch den Lesern gefallen, ein Interview ist eine journalistische Form, kein politisches Bekenntnis.”

Wie Kai-Hinrich Renner in seiner Medienkolumne im Hamburger Abendblatt berichtet, hat die Veröffentlichung des Vorabdrucks in der Zeit nicht die Gemüter der Leser erregt. Der zentrale Vorwurf: die Zeit habe sich für eine Kampagne Guttenbergs missbrauchen lassen. Zum Zeitpunkt der Redaktionskonferenz habe sich der Chefredakteur für seine NDR-Talkshow vorbereitet und deswegen eine Veranstaltung zu dem Thema zu einem späteren Zeitpunkt einberaumt.
Wie Renner berichtet, sei die Gespräche konstruktiv verlaufen. Man sei darin übereingekommen, dass das Aufmachermotiv, dasselbe Bild wie auf dem Cover von zu Guttenbergs Buch, die falsche Wahl gewesen sei.

Für die Leser scheint die Diskussion noch nicht beendet. Auf Zeit Online wird unter dem Artikel di Lorenzos weiterhin heftig diskutiert. Die Stimmen reichen von Kritik an der Zeit über Anmerkungen, man solle zu Guttenberg nicht dem Boulevard bis zur Zustimmung. Bis dato sind beinahe 500 Kommentare unter dem Artikel eingelaufen.

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