„Wetten, dass..?“-Finale ohne Samuel Koch

Dieser Moment veränderte alles: Am 4. Dezember - fast genau vor einem Jahr - verletzte sich Samuel Koch bei "Wetten, dass..?" lebensgefährlich. Thomas Gottschalk brach die Sendung ab und nichts in den kommenden zwölf "Wetten, dass..?"-Monaten war noch so wie vorher. Als direkte Folge des Unfalls präsentiert Gottschalk am morgigen Samstag seine letzte Show. Allen Spekulationen, ob auch Koch zu den Gästen gehören würde, erteilte das Zweite gegenüber MEEDIA nun eine Absage.

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Das Drama passierte am Samstag, 4. Dezember 2010. Um kurz nach halb neun hüpfte der Kandidat Samuel Koch mit Sprungstelzen über fahrende Autos. Beim vierten Versuch prallte er in der Luft mit dem Kopf gegen einen Audi A6 und stürzte anschließend auf seinen Oberkörper. Sofort war klar: Koch hat sich schwer verletzt. Das ZDF reagierte vorbildlich, wendete die Kameras ab und unterbrach die Sendung.

Wenig später schaltet das Zweite zu Gottschalk zurück in die Halle. Er erklärte, dass er und alle Gäste unter Schock nach dem Zwischenfall stünden und nicht so tun könnten, als sei nichts geschehen. Der Moderator brach die Sendung ab und verwies auf das spätere "heute-journal", in dem das Publikum über den Gesundheitszustand des Kandidaten aufgeklärt werden sollte.
Nur dank einer Notoperation konnte Koch überleben. Lange Zeit sah es so aus, als ob er möglicherweise für den Rest seines Lebens an das Bett gefesselt sein könnte. Aber nach langen Monaten im Schweizer Rehabilitationszentrum Nottwil hat sich der Zustand des Verunglückten in winzigen Schritten verbessert. Mit Hilfe eines speziellen Rollstuhl konnte er Mitte November im Unterkirnach (Schwarzwald-Baar-Kreis) sogar die Schirmherrschaft für den Inklusionsbetrieb Fohrenhof übernehmen.

Kochs Unfall war die größte Tragödie in der Geschichte des Show-Dinos, aber zugleich auch einer der wohl stärksten TV-Momente in der Karriere von Thomas Gottschalk. So konsequent er die Sendung abbrach, so schlüssig war auch sein Entschluss, aus "Wetten, dass..?" auszusteigen.

Für den Showmaster eröffnete der Unfall, so schrecklich er war, neue Perspektiven. So fand er durch die Tragödie die Kraft, sich aus seiner scheinbaren "Wetten, dass..?"-Starre zu lösen und den Entschluss zu fassen, die Sendung zu verlassen. Mit seiner kommenden ARD-Sendung, die montags bis donnerstags ausgestrahlt werden soll, wagt er noch einmal etwas völlig Neues. Nebenbei bemerkt: Der angekündigte Abschied setzte bei Gottschalk verloren gegangene Fähigkeiten wieder frei. So lieferte er im Sommer in Mallorca die wohl beste Sendung seit vielen Jahren ab.

Welche neuen Perspektiven das Ende für seine Partnerin Michelle Hunziker eröffnet, bleibt abzuwarten. Ihr Vertrag beim ZDF läuft aus. Ob die potentiellen Gottschalk-Nachfolger Wert auf eine Zusammenarbeit mit der fröhlichen Schweizerin legen, ist unklar. Umso überraschender verkündete sie heute via Bild, dass sie möglicherweise schon bald wieder mit Gottschalk zusammenarbeiten würde.

Dass die beiden dann wieder gemeinsam "Wetten, dass..?" machen, sollte man eher ausschließen. Denn nach der quälend langen Suche nach einem Nachfolger inklusive unzähliger Absagen von Kerkeling, Engelke, Schöneberger, Pflaume, Pilawa und vielen anderen B- und C-Promis, bekommt der einst makellose Ruf des Show-Dinos immer mehr Kratzer und Dellen.
Am heutigen Freitag legte der ZDF-Unterhaltungschef Manfred Teubner noch einmal Wert auf die Feststellung, dass man definitiv an der Sendung festhalten werde und das sie spätestens im Sommer 2012 auf den Bildschirm zurückkehre. Für das Moderatoren-Problem haben die Mainzer allerdings noch keine Lösung. 

Der einzige TV-Profi, dem man seine Absage nicht ganz abnehmen will, ist Johannes B. Kerner. Und so halten sich vor der morgigen – vorerst letzten – Sendung standhaft die Gerüchte, dass der 46-Jährige bald schon US-Stars auf Gottschalks alter Couch befragen wird. Immerhin müssen sich J-Lo & Co. nicht umstellen. Kritische Fragen sind auch von Kerner nicht zu erwarten. Sollte er jedoch das Rennen machen, müssen die Hollywood-Stars womöglich Gutfried-Würstchen statt Goldbären während der Sendung naschen.

Neben der Nachfolge-Frage wird es auch spannend sein zu beobachten, wie die Quote der letzten Sendung ausfällt. Als sich Gottschalk 1992 zum ersten Mal verabschiedete, sahen noch 19,25 Millionen Zuschauer zu. Das entsprach damals einem Marktanteil von 60,1 Prozent.

Als sich Samuel Koch vor fast genau einem Jahr verletzte, lag die Quote bei 8,13 Millionen. Alles über zehn Millionen wäre für das ZDF wohl ein überragender Wert und möglicherweise für lange Zeit die letzte Chance, eine solche Menge an Zuschauern, außer bei Spielen der Fußball-Nationalmannschaft, vor den Fernseher zu locken. Die Zeit der ganz großen Show-Events könnte beim ZDF also vorbei sein. Der Anfang vom Ende war dann der 4. Dezember 2010.

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