Berliner Zeitung: Aufstand gegen DWS-Koop

Verärgerte Journalisten: Die Redaktion der Berliner Zeitung hat sich auf einer Vollversammlung über eine Kooperation des Blatts mit der Fondsgesellschaft DWS Investment beschwert. Sie sieht „diese Unternehmen (...) nicht als geeignete Partner einer sich unabhängig und machtkritisch verstehenden Tageszeitung an“, heißt es in einer Stellungnahme. Hintergrund ist eine gekaufte Beilage der Deutsche-Bank-Tochter, welche die Mitarbeiter als „camouflierte PR-Aktion von Finanzmarktakteuren“ bezeichnet.

Anzeige

Resultat dieser Kooperation ist eine von der DWS finanzierte Beilage vom Wochenende 19. und 20. November. Sie erschien mit dem Titel „Gut investieren“ in den Dumont-Zeitungen Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung, Kölner Stadtanzeiger und Kölnische Rundschau. Darin schreiben Redakteure des gemeinsamen Wirtschaftsressorts von Berliner Zeitung und Frankfurter Rundschau über nachhaltige Investitionen.
Zudem ist ein „Dumont-DWS-Preis für verantwortliches Wirtschaften“ ausgelobt und von Chefredaktion und DWS-Vorstand bereits vergeben worden: an den Autobauer BMW. Dazu gab es eine Berichterstattung ebenfalls am Samstag, 19. November, im Wirtschaftsteil beider Zeitungen.
An dem Thema selbst ist laut der Redaktion der Berliner Zeitung nichts auszusetzen. „Wohl aber an der Kooperation, die uns als Zeitungen in den Verdacht einer konzertierten PR-Aktion für Unternehmen mit ramponiertem Ruf bringt.“ Weiter schreiben die Redakteure, es handle „sich um eine journalistisch camouflierte PR-Aktion von Finanzmarktakteuren mit zweifelhaftem Wirken“. Sie sehen darin einen klaren Verstoß gegen das Redaktionsstatut sowie gegen den Pressekodex.
Dafür sprächen auch die Texte in der Beilage: Sie beschäftigten sich „zum Teil zwar durchaus kritisch mit der Deutschen Bank und der DWS“, so die Redakteure. Sie würden deren bisheriges Engagement etwa für Firmen, „die geächtete Waffen wie Streubomben herstellen, oder ihre Rolle als ‚Hungermacher’ (Foodwatch) in den ärmsten Ländern der Welt“ ebenfalls erwähnen. Aber gerade dadurch werde die Kooperation "offensichtlich absurd".
Der Chefredakteur der Berliner Zeitung, Uwe Vorkötter, sagte zur Nachrichtenagentur dapd, die Vorwürfe seien "abstrus und haltlos". Es habe bei der Erstellung der Beilage keinen Einfluss der DWS gegeben.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige