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IVW: Münchner Zeitungen zählen gemeinsam

Die Onlineportale der Süddeutschen Zeitung und der Münchner Abendzeitung wollen ihre IVW-Zahlen zusammenrechnen. Page Impressions, Visits und Unique User werden demnach künftig gemeinsam gezählt. Eine differenzierte Ausweisung je nach Seite soll aber weiter möglich sein und offen kommuniziert werden. Stefan Plöchinger, Chefredakteur von sueddeutsche.de, fordert auch von anderen Newsportalen mehr Transparenz: "Fast alle bedienen sich aller möglichen Tricks."

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Gegenüber MEEDIA sagte Plöchinger: "Auch unser Markterfolg hängt sicher nicht davon ab, dass wir die Zahlen der beiden Portale zusammenrechnen. Aber es gibt inhaltlich gute und rationale Gründe, die Angebote stärker zu verzahnen." Das Angebot der Seiten ergänze sich gegenseitig, es handele sich um eine "Win-Win-Situation". Abendzeitung-Chef Arno Makowsky sieht einen Vorteil besonders darin, dass das Online-Angebot einem "größeren Leserkreis" bekannt gemacht werde. Noch stärker als bisher wollen Süddeutsche und Abendzeitung Online-Artikel gegenseitig auf ihren Seiten angekündigen und verlinken.

Plöchinger verbindet die Kooperation mit einem Appell: "Wir bitten die Wettbewerber um ähnliche Klarheit wie bei uns mit der AZ, also welcher Titel im jeweiligen Netzwerk wie viel zu den Gesamtzahlen beiträgt." Was Plöchinger meint, ist die Aufschlüsselung der sogenannten Local-Liste bei der IVW. Er verweist beispielsweise auf die Angebote von Focus Online und Welt Online. In den Zahlen von Focus Online sind laut Local-Liste u.a. die Zugriffe auf die Seiten von Jameda.de, Max.de, Amica.de und Finanzen100.de enthalten. Im weniger zugriffsstarken Sommer flossen die Zahlen von Elitepartner.de in die Abrechnung des Newsportals ein. Welt Online addiert u.a. die Zugriffe auf die Onlineportale von Rolling Stone und Musikexpress. Mit der Folge, dass diese Angebote in der IVW Online-Statistik als Einzelangebote nicht auftauchen. SZ-Mann Plöchinger: "Wir freuen uns sehr auf den Tag, an dem alle Anbieter ehrliche Zahlen veröffentlichen."

Weitere bekannte Beispiele: N24 Online weist auch die Zugriffe auf das Netzwerk wer-weiss-was mit aus. Konkurrent n-tv.de hat die Telebörse mit aufgenommen. Die IVW will ihre Online-Ausweisung auch wegen solcher Huckepack-Lösungen im kommenden Jahr differenzieren. Dann sollen zumindest nach Page Impressions die Zugriffszahlen auf Unterseiten, die in das Dachangebot "eingemeindet" werden, transparent dargestellt werden. MEEDIA berichtete über diese geplante Reform bei der IVW.

Das Nachrichtenangebot von Sueddeutsche.de kam im Oktober auf 33,8 Millionen Visits. Im Vorjahreszeitraum wurden knapp 28 Millionen Visits registriert. Die Abendzeitung erreichte im Oktober bescheidene 1,8 Millionen Visits und verschlechterte sich damit sogar gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Finanziell noch entscheidender als die IVW-Kooperation von Süddeutscher und Abendzeitung dürfte die Zusammenarbeit "auf technischer Ebene" zwischen den Verlagen sein. Auf dieser Grundlage dürfte es vor allem für die AZ möglich sein, Kosten einzusparen. Der Verlag der Abendzeitung hat seit Jahren Flaute in der Kasse, über einen Verkauf ist lange spekuliert worden. Vor etwa zwei Jahren wurde erstmals eine größere Kooperation zwischen dem Süddeutschen Verlag und der AZ vereinbart. Hintergrund: Der Verleger der Abendzeitung München, Johannes Friedmann, ist auch Mitgesellschafter der Süddeutschen.

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