Ströbele vs. Blogger: eine Medien-Posse

Das hätte sich der Grünen Politiker Hans Christian Ströbele vielleicht besser überlegen sollen, bevor er mit seiner Frau Urlaub im nordbadischen Städtchen Weinheim macht und damit in das Einzugsgebiet des umtriebigen Heddesheim-Bloggers Hardy Prothmann gerät. Prothmanns spezielle Art, Provinz-Geschichten hochzukochen und Ströbeles Naturell machten aus einem harmlosen Zwischenfall mit Fischfutterkugeln eine Medienaffäre en miniature über die jetzt sogar das Fernsehen berichtet.

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Zunächst der Sachverhalt: Der Grünen Politiker Hans Christian Ströbele machte mit seiner Frau Urlaub in Weinheim. Im dortigen Badesee schwamm Frau Ströbele ein paar Runden. Aber die Ströbeles befanden sich nicht im kostenpflichtigen, ausgewiesenen Schwimm-Bereich des Sees. Sie waren, im Duktus des Heddesheim-Blogs, “Schwarz-Schwimmer”. Nun traf es sich, dass ausgerechnet dort, wo Frau Ströbele “schwarz schwamm”, eine Gruppe Kinder des ortsansässigen Angelvereins mit so genannten “Futterschleudern” Fischfutterkugeln in den See schossen, um Fische anzulocken.

Im weiteren Verlauf der “Fischfutter-Affäre” wurde Frau Ströbele von einer solchen Kugel (in Anglersprech offenbar “Boilies” genannt) am Kopf getroffen. Hans Christian Ströbele identifizierte das Gerät nach eigenen Angaben bei Facebook als “Zwille”. Er kommt halt aus der Hauptstadt. Ströbele konfiszierte die Tatwaffe gleich vor Ort. Am nächsten Tag wurde Strafanzeige gegen den Schützen gestellt. Die zuständige Staatsanwaltschaft Mannheim stellte die Ermittlungen aber lieber schnell ein. Erstens weil der Schütze minderjährig war, zweitens, weil keine Absicht, bzw. kein Vorsatz erkennbar gewesen sei. Vielleicht wollte man auch einen monatelangen “Fischfutter-Prozess” samt Ü-Wagen, Foto-Shooting der Fischfutter-Jungs in Bravo und Zeugenvernehmung in Berlin sowie diversen widersprüchlichen Gutachten von Fisch- und Fischfutter-Experten vermeiden. Diese Kachelmann-Sache ist ja noch gar nicht so lange her.

Während die Mannheimer Staatsanwaltschaft sich hier also fein raushält, regte sich Herr Ströbele über die Berichterstattung des Heddesheim-Blogs auf. Dort wurde nämlich geschrieben, er, Ströbele, habe einen 13-jährigen Heddesheimer angezeigt. Dabei war das doch seine Frau gewesen! Ströbele engagierte einen einschlägig bekannten Berliner Medienanwalt und der schickte dem Heddesheim-Blogger und selbst ernannten Retter des Lokal-Journalismus, Hardy Prothmann (“Ich bin die Zukunft des Lokal-Journalismus"), eine Unterlassungserklärung mit Streitwert 10.000 Euro und saftigen Anwaltskosten ins Haus.

Prothmann ist ein engagierter aber auch reizbarer Zeitgenosse und machte die Sache natürlich sofort mit einer ganzen Reihe von Artikeln und Dokumentationen in seinem Blog öffentlich. Fehlt nur noch der Fischfutter-Liveticker. Hans Christian Ströbele, der sich bei Facebook zur “Affäre” geäußert hat (“Ich kannte solche Kugeln nicht. Sie war schwer und fest und fühlte sich an wie ein massives Plastikgeschoß (sic!).”)  muss sich dort nun als “Spießer” titulieren lassen und am heutigen Mittwoch berichtet das NDR-Medienmagazin Zapp über die “Fischfutter-Affäre”. Wenn Ströbele die Sache ab jetzt geschickter anstellt, ist vielleicht noch ein Dossier-Interview in der Zeit drin. Nicht nur Fische brauchen Futter, auch die Medien.

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