Der Niedergang des „Dr. House“

Eine große Erfolgsstory geht zu Ende. Die RTL-Serie "Dr. House", die in der TV-Saison 2007/08 noch die beliebteste Sendung der 14- bis 49-Jährigen war - vor "Wetten, dass..?" und "DSDS" - erreicht mittlerweile nichtmal mehr die RTL-Normalwerte. Am Dienstag landete sie mit unschönen Zahlen von 1,92 Mio. und 15,2% zum achten Mal in Folge unter dem RTL-12-Monats-Durchschnitt. Hat der exzentrische Arzt seinen Reiz verloren? Und was bedeutet der Niedergang der Serie für den RTL-Dienstag?

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Als RTL die Serie am 9. Mai 2006 startete, hatte man noch nicht sehr viel Vertrauen in sie. "Dr. House" lief erstmal um 22.15 Uhr – und im Sommer sogar mit Erstausstrahlungen direkt gegen die Fußball-WM. Doch die ersten Quoten sahen super aus und so verschob der Sender sie ab dem 11. Juli schon auf den noch heute bekannten 21.15-Uhr-Sendeplatz. Nachdem es auch dort anfangs regelmäßig Marktanteile von mehr als 20% gab, stiegen die Zahlen ab der zweiten Staffel auf ungeahnte Höhen.

Am 13. März 2007 knackte "Dr. House" bei den 14- bis 49-Jährigen zum ersten Mal die 30%-Marke, am 17. April sahen erstmals mehr als 4 Mio. Zielgruppen-Angehörige zu. Am 9. Oktober des selben Jahres wurde sogar die 35%-Hürde genommen und am 20. November erreichte die Serie auf dem Zenit ihres Erfolges 4,58 Mio. 14- bis 49-Jährige – den bis heute gültigen Rekord, den 2011 selbst ein Megahit wie "Das Supertalent" nicht übertrifft.

Auch mit der vierten Staffel im Herbst und Winter 2008 wurde die 4-Mio.-Marke noch des Öfteren übertroffen, mit 30,5% wird der Durchschnitts-Marktanteil der dritten Rekordstaffel (30,9%) bestätigt.

Doch diese vierte Staffel markierte auch den Wendepunkt der Erfolgsgeschichte. Da wegen des damaligen Autorenstreiks in Hollywood nur 16 Folgen produziert wurden, setzte RTL notgedrungen deutlich mehr Wiederholungen ein, um das Loch der fehlenden Erstausstrahlungen zu stopfen. Ein Fehler, den der Sender im Zuge dessen machte: Die folgende fünfte Staffel wurde in drei Teilen gesendet: von März bis April 2009, von September bis November 2009 und im März 2010. Dazwischen gab es immer wieder Reruns, die Fans wurden verwirrt und am Ende der Staffel waren nur noch 2,97 Mio. 14- bis 49-Jährige übrig.

Als einziger Grund für den Quoten-Niedergang reicht diese Zuschauer-Verwirrung aber nicht aus. Denn auch die sechste Staffel war 2010 mit durchschnittlich 21,2% noch ein Erfolg – wenn auch kein so großer mehr, wie einige Jahre zuvor. Der endgültige Absturz ist erst seit diesem Herbst zu beobachten. Nach weiteren 20%-Marktanteilen im Frühjahr schlidderte der zweite Teil der siebten Staffel immer weiter unter diese Marke und verfehlte nun schon zum achten Mal in Folge den RTL-12-Monats-Durchschnitt von aktuell 18,6%. Mit den 1,92 Mio. 14- bis 49-Jährigen (15,2%) vom Dienstag hat sich die Zuschauerzahl in dieser Zielgruppe in nur drei Jahren halbiert. Und: Nur während der Fußball-WM 2006 sahen schonmal weniger Leute "Dr. House".

Offenbar hat sich die zu Beginn weltweit gefeierte Serie abgenutzt. Der exzentrische Charakter des Dr. House hat viel von seinem Reiz verloren, kann nicht mehr so schocken wie noch vor einigen Jahren. Die Stories wiederholen sich. Kein Wunder also, dass in den USA, wo die Quoten ebenfalls nach unten zeigen, über ein Aus der Serie nach der aktuellen achten Staffel spekuliert wird. Doch egal, ob die Serie endet oder nicht, RTL muss sich für seinen ehemals unangreifbaren Serien-Dienstag etwas einfallen lassen. "CSI: Miami" läuft zwar noch etwas besser als "Dr. House", aber um 22.15 Uhr kommt "White Collar" überhaupt nicht in Fahrt. RTLs Problem: Deutschland-taugliche Mainstream-Erfolgsserien, die mehrere Millionen 14- bis 49-Jährige begeistern, sind in den USA nicht wirklich in Sicht. So dürfte der US-Serien-Dienstag in den kommenden ein bis zwei Jahren mit völlig anderen Genres bestückt werden. Das Ende einer Ära.

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