Bigpoint will zur Vertriebsmacht werden

Bigpoint, eines der erfolgreichsten deutschen Internet-Unternehmen, öffnet Anfang kommenden Jahres Büros in Frankreich, Spanien und Großbritannien. Bigpoint-Gründer Heiko Hubertz will in diesen Ländern den Vertrieb und das Marketing für Browserspiele ausbauen. Das Unternehmen will zunehmend auch Spiele anderer Anbieter vertreiben und dadurch zum Spiele-Publisher werden. Ein ambitioniertes eigenes Spiel kommt Ende 2012: Eine Umsetzung der Fantasy-Serie Game of Thrones in Kooperation mit dem US-Sender HBO.

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Bei Game of Thrones handele es sich um ein Investment in Millionenhöhe, sagte Hubertz am Dienstag in einem Gespräch mit Fach- und Publikumsmedien, darunter auch MEEDIA. Game of Thrones ist eine in den USA sehr erfolgreiche Fantasy-Reihe, die auf den Büchern Das Lied von Eis und Feuer basiert. Das kostenlose ("free to play") Browserspiel soll eine Mischung aus Strategie, Rollenspiel und Action bieten, kündigte Bigpoint-Gründer Hubertz an. Das Gaming-Unternehmen verspricht sich von der Umsetzung der Serie ein gutes Geschäft, denn Fantasy-Plots eignen sich hervorragend für komplexe Spiele – und natürlich den Verkauf virtueller Güter, mit dem Bigpoint seine Umsätze erzielt. Weitere Browserspiele, die Bigpoint bereits auf Basis von Filmen und Serien auf den Markt gebracht hat, sind Battlestar Galactica und Die Mumie. Mit Game of Thrones will Hubertz zuerst Fans der Serie und der Bücher begeistern, sowie an zweiter Stelle Gaming-Fans. Mit dem US-Sender HBO habe Bigpoint ein "partnerschaftliches Modell" entwickelt, sagte Hubertz, wollte sich aber zur konkreten Ausgestaltung der Umsatzverteilung nicht äußern.

Hubertz, der etwa 30 Prozent an Bigpoint hält – die anderen Anteile gehören seit kurzem den Finanzinvestoren TA Associates und Summit Partners, will das Unternehmen zu einem zentralen Publisher von Browsergames machen. Das Ziel sei erreicht, wenn folgendes gelte: "Sie müssen über Bigpoint gehen, wenn ein Spiel angeboten werden soll." Nicht zwingend als exklusive Plattform, aber als eine, um die man nicht herumkomme. Es sei entsprechend gar nicht nötig, dass Bigpoint alle angebotenen Spiele selber entwickle. Bisher werden bei Bigpoint allerdings gut 90 Prozent der Umsätze mit eigenen Browserspielen erwirtschaftet. Die internationale Expansion soll diese Quote senken. In jedem neuen Büro sollen zunächst fünf bis zehn Mitarbeiter eingestellt werden. Insgesamt beschäftigt Bigpoint etwa 800 Mitarbeiter. Hubert strebt bekanntermaßen an, die Mitarbeiterzahl auf 1.000 zu erhöhen und einen Firmenwert von 1 Milliarde Dollar zu erreichen.  

Wachstum verspricht sich Hubertz von Spielen, die mit eigenen Tablet-Versionen aufwarten. Als Beispiel nannte er das Rennspiel Toon Racer. Das Ziel müsse letztlich sein, dem Spieler zu ermöglichen, ein Spiel auf allen ihm zur Verfügung stehenden Plattformen nutzen zu können – in der Fachsprache ist von Crossplatform-Gaming die Rede. Für Game of Thrones hat Bigpoint ebenfalls eine Mobile-Lizenz erworben. Bigpoint solle auch eine "Mobile Company" werden, sagte Hubertz. Derzeit würde der Großteil der Erlöse allerdings noch im stationären Internet erzielt. Doch Mobile ist offenbar die Zukunft – auch wenn es um das Bezahlen für digitale Inhalte geht. Hubertz prognostizierte, in ein paar Jahren werde der Bezahlprozess zur Nebensache, wenn er vor allem mobil abgewickelt werde, dabei einfach, sicher und schnell funktioniere.

Hubertz hat sich bereits früh mit Bezahlsystemen beschäftigt und in mehrere Entwicklungen investiert. Bigpoint bietet seinen Nutzern für Einkäufe in Spielen die unterschiedlichsten Bezahlsysteme an. Gaming gehöre zu den Branchen, die es geschafft hätten, signifikante Umsätze im Internet zu generieren. Und Gaming beweise auch: "Die Nutzer sind bereit, für zusätzlichen Content zusätzliches Geld auszugeben." Gerade hatte ein Gerücht die Runde gemacht, dass sich ein spezieller "Virtual Item" in einem Browserspiel zum Preis von 1.000 Dollar gleich 2.000 mal verkauft habe. Dies war allerdings eine Ente, die durch ein Missverständnis entstanden sei.    

Dem Gaming-Unternehmens Zynga, das in Kürze an die Börse geht, wünscht Hubertz viel Erfolg. Denn: Wenn der Börsengang nicht funktioniere, würde das der ganzen Branche schaden. Zynga, die mit Spielen wie Farmville erfolgreich sind, die über Facebook als Plattform laufen, müsse sich aus seiner Sicht dennoch weiter diversifizieren und neue Nutzergruppen abseits von Facebook erschließen. Über seine eigenen Ambitionen an die Börse zu gehen sagte Hubertz: "Die Option eines Börsengangs finde ich sehr charmant". Doch geplant sei ein solcher bisher nicht.

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