ARD: Intendanten planen „TagesWebSchau“

Die ARD will sich verstärkt um jüngere Zielgruppen bemühen und plant deshalb eine "TagesWebSchau", die auf dem Digitalkanal Eins extra laufen und ins Internet gestellt werden soll. Allerdings müssten erst noch "letzte Fragen der Finanzierung" geklärt werden, sagte Radio-Bremen-Intendant Jan Metzger am Mittwoch, als die ARD-Intendanten die Ergebnisse ihres jüngsten Treffens in Bremen präsentierten. Ein weiteres Resultat der zweitägigen Konferenz: Beckmanns Talkshow wird nicht auf Montag zurückverlegt.

Anzeige

Die "TagesWebSchau" – so die offizielle Schreibweise – soll jeden Tag mit zwei bis drei Minuten Länge die klassische "Tagesschau" ergänzen. Laut RB-Intendant Metzger soll das neue Format das Tagesgeschehen widerspiegeln, aber auch Ereignisse aus der Internetwelt aufgreifen. Über einen interaktiven Player können die künftigen Nutzer auch Zusatzinhalte abrufen. Jede ARD-Anstalt erhält die Möglichkeit, eigene regionale Inhalte einzubauen. Die Redaktion soll bei RB angesiedelt werden, die Grafik beim Hessischen Rundfunk und die Schlussabnahme bei ARD-Aktuell in Hamburg. Die neue Sendung soll nicht nur über Eins extra und im Internet zu sehen sein, sondern auch über Mobilfunkgeräte.
Sobald die letzten Finanzierungsfragen geklärt sind, soll das neue Format zunächst sechs Monate lang auf Sendung gehen – "nicht vor April", wie Metzger sagte. Über die nötige Geldsumme wollte er sich nicht weiter äußern. Er sagte nur: "Für die ARD sind das sehr kleine Beträge."
Anders als vom Spiegel ins Gespräch gebracht, bleibt Beckmanns Talkshow auf dem erst kürzlich belegten Sendeplatz am Donnerstagabend. ARD-Programmdirekter Volker Herres räumte ein, dass Beckmann am wenigsten von der letzten Programmschema-Reform profitiert habe und sich in einem „harten Konkurrenzumfeld“ behaupten müsse. Für eine neuerliche Reform sahen die ARD-Intendanten in Bremen aber keinen Grund. Alle Talkshows müssten sich erst noch „ein Stückchen neu justieren“, sagte Herres. Bisher gebe es da „noch ein bisschen trial and error“.
Die ARD-Vorsitzende und WDR-Intendantin Monika Piel kündigte an, im neuen Jahr das Informationsprofil des Ersten weiter zu schärfen. Die Redaktionen der politischen Magazine sollen eine neue Staffel mit 30-minütigen Reportagen auflegen, jeweils um 21.45 Uhr unter der Dachmarke „Exclusiv im Ersten“. Neben dem „Brennpunkt“ sollen verstärkt aktuelle Sondersendungen ins Programm kommen. Fiktionale Themen sollen häufiger durch Dokumentationen oder Gesprächssendungen begleitet werden. 
Die Dokumentationen am Montag um 22.45 Uhr zu gesellschaftspolitisch relevanten Themen laufen künftig unter dem Label „Die Story im Ersten“. Historische Stoffe werden anschließend (um 23:30 Uhr) mindestens zwölf Mal im Jahr unter dem Titel „Geschichte im Ersten“ präsentiert.
Die Vorsitzenden der Rundfunk- und Verwaltungsräte der ARD-Anstalten tagten ebenfalls in Bremen und begrüßten ausdrücklich die Entscheidung der Intendanten, den Geschäftsführer der ARD-Spielfilmtochter Degeto, Hans-Wolfgang Jurgan, abzuberufen. ARD-Chefin Piel bekräftigte, dass Jurgan seine Pflicht verletzt habe, den Aufsichtsrat umgehend über Etat-Überziehungen zu informieren.  Jetzt werde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit den Strukturen der Degeto und einer Optimierung des Berichtswesens befassen werde.
Programmdirektor Herres, zugleich nebenamtlicher zweiter Degeto-Geschäftsführer, verteidigte die Filmeinkaufsfirma gegen den Vorwurf, sie würde immer nur sehr seichte Stoffe präsentieren. Ein Kurswechsel sei nicht nötig, wohl aber eine Neujustierung. Gemeinsam mit der in Bremen neu gewählten Degeto-Aufsichtsratsvorsitzenden Dagmar Reim (RBB-Intendantin) strebe er an, dass auch Komödien künftig höchsten Qualitätsansprüchen genügen müssten.

Die Intendanten und Gremienvorsitzenden appellierten in Bremen an das ZDF, noch einmal seinen Ausstieg aus der Info-Kooperation am Vormittag zu überdenken. Bisher teilen sich ARD und ZDF im wöchentlichen Wechsel die Produktion der Nachrichtensendungen. Das Zweite will aber künftig statt der "Tagesschau" eigene News senden. Dadurch entstünden deutliche Mehrkosten, kritisierte Piel. Sie äußerte die Hoffnung, dass sich die „sehr kostengünstige, gut funktionierende Kooperation“ doch noch fortsetzen lasse. Wie die ARD auf eine endgültige Trennung reagieren würde, soll erst nach der nächsten ZDF-Fernsehratssitzung Mitte Dezember entschieden werden.
Die Vorsitzenden der Rundfunk- und Verwaltungsräte machten in Bremen drei „Optimierungsvorschläge“ für die Sportberichterstattung, wie die Gremienkonferenzvorsitzende Ruth Hieronymi (WDR) mitteilte. Demnach sollte das sogenannte Sportschau-Telegramm wieder eingeführt werden. Während der Bundesliga-Pausen sollte die Sportschau im Ersten nicht verkürzt werden, sondern verstärkt über andere Sportarten und Hintergrundthemen berichten. Über weniger populäre Sportarten sollte die ARD „ausführlich oder sogar live“ im Internet berichten.
Piel kündigte eine Überprüfung dieser Vorschläge an. Sie machte aber auch deutlich, dass die ARD zwar Senderechte, aber nicht zugleich Internetrechte für Sportveranstaltungen besitze.
Herres äußerte sich erfreut darüber, dass der Vertrag mit dem Fußballexperten Mehmet Scholl verlängert werden soll. Der Ex-Fußballer sei „hoch kompetent, frisch, witzig, originell“ und solle das Programm bis zum Ende der Weltmeisterschaft 2014 begleiten.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige