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Der Spiegel emanzipiert sich von Apple

Der Spiegel rüstet seine Digital-Ausgaben auf und wird deutlich unabhängiger von Apples App Store. Das alte E-Paper im PDF-Format wurde durch eine neue HTML5-Version des gedruckten Spiegel ersetzt. Das Besondere: Diese Version funktioniert unabhängig vom App-Store oder dem Android Market auf allen digitalen Endgeräten, also auch auf PCs. Aber auch die iPad App des Spiegel wurde überarbeitet. Sie erlaubt nun das Laden der Heft-Inhalte im Hintergrund.

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Technisch ist die HTML5-Version des Print-Spiegels sehr gut gemacht. Nachdem man sich beim Spiegel-E-Paper eingeloggt hat, erscheint nicht wie sonst üblich das PDF, sondern das Cover der aktuellen Spiegel-Ausgabe vor schwarzem Hintergrund. Darunter gibt es eine Galerie früherer Hefte. Klickt man auf “Jetzt lesen”, öffnet sich der digitale Spiegel, genau so wie in einer App. Man sieht die Seiten in einem magazinartigen Layout, mit allen Fotos aus der Print-Ausgabe, man kann ein Inhaltsverzeichnis einblenden, Artikel speichern oder ausdrucken und mit einem Mausklick Bilder vergrößern oder Galerien und Multimedia-Gedöns aufrufen.

Look and Feel dieser HTML5-Version entspricht fast zu 100 Prozent der bekannten Spiegel-App. Allerdings setzt die HTML5-Version eine permanente Online-Verbindung voraus. Die Artikel und Fotos werden jeweils direkt aus dem Internet geladen. Bei der App werden die gesamten Heft-Inhalte auf einen Rutsch aufs Tablet geladen und stehen dann auch offline zur Verfügung. Beides hat Vor- und Nachteile. Bei der App-Version kann man auch offline den Spiegel digital lesen, bei der neuen HTML5-Version kann man direkt einsteigen, muss einzelne Inhalte aber immer wieder “nachladen”.

Die neue digitale HTML5-Ausgabe funktioniert Plattform übergreifend. Man kann sie auf dem PC, einem Mac, dem Smartphone oder einem x-beliebigen Tablet lesen. Freunde des alten PDF dürfen per Mausklick zumindest übergangsweise auch zu dieser Variante zurückkehren – einen Grund dafür gibt es freilich nicht, da die neue Version den alten PDFs haushoch überlegen ist.

Eine digitale Spiegel-Ausgabe kostet vier Euro, es gibt ein Test-Abo, das 9,90 Euro für fünf Ausgaben kostet, und im Jahresabo kostet eine digitale Spiegel-Ausgabe 3,80 Euro. In Apples App-Store ist ein Digi-Spiegel mit 3,99 Euro einen Cent billiger weil Apple es nicht erlaubt, die Preise dort frei festzusetzen. Mit 4 Euro sind die Digital-Spiegel exakt so teuer wie die gedruckte Version am Kiosk. Abonnenten des Print-Spiegel werden unsinnigerweise mit 50 Cent pro Ausgabe zusätzlich zur Kasse gebeten, wenn sie das Heft auch digital lesen wollen. Aber auch das war schon vorher so.

Die Zugangs-Daten nennt man beim Spiegel nun – analog zu Apples App Store – Spiegel ID. Mit diesen Zugangsdaten kann man auch diverse Newsletter verwalten, eine Lieferunterbrechung beantragen usw. Zahlen darf man für die neuen Digital-Produkte mit Kreditkarte oder Paypal. Im Zuge der Digital-Offensive wurde auch die iPad App des Spiegel leicht überarbeitet. Die angepriesenen Layout-Veränderungen muss man allerdings mit der Lupe suchen. Optisch ist die Spiegel App ganz die alte geblieben – was aber auch nicht schadet. Die wichtigste Änderung betrifft die unsichtbare Technik: Die Spiegel App lädt nun im Hintergrund. Man kann, während die Ausgabe aufs iPad geladen wird, jetzt also etwas anderes machen – etwa nur noch kurz die Mails checken. Das ist in der Tat eine Änderung, die nötig war.

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