Bauer startet Tablet-Offensive

Klingt paradox, soll aber funktionieren: Auf der heutigen Bilanz-Pressekonferenz präsentierte Bauer seine Bilanz für 2010 und seine neue Strategie für 2012. Die Zahlen waren solide, die Pläne für das kommende Jahr sollen jedoch weit mehr sein. Denn neben einem klaren Bekenntnis zu gedruckten Medien, "Bauer ist Print", gilt vor allem vollen Kraft aufs Digitalgeschäft. Mit Zukäufen, einer iPad-Offensive und neuer digitaler Manpower wollen die Hamburger jetzt aktiv in den Medienwandel eingreifen.

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Klingt paradox, soll aber funktionieren: Auf der heutigen Bilanz-Pressekonferenz präsentierte Bauer seine Bilanz für 2010 und seine neue Strategie für 2012. Die Zahlen waren solide, die Pläne für das kommende Jahr sollen jedoch weit mehr sein. Denn neben einem klaren Bekenntnis zu gedruckten Medien, "Bauer ist Print", gilt vor allem vollen Kraft aufs Digitalgeschäft. Mit Zukäufen, einer iPad-Offensive und neuer digitaler Manpower wollen die Hamburger jetzt aktiv in den Medienwandel eingreifen.

Im Vergleich zu vielen anderen deutschen Verlagen hielt sich Bauer bislang mit seinen Online-Investitionen zurück. Oberste Maxime war immer, dass sich ein Web-Engagement auch rechnen muss. Mittlerweile haben die Werbeeinnahmen allerdings ein Niveau erreicht, dass man auch mit contentgetriebenen Angeboten im Netz anständige Renditen erzielen kann. Zudem zwingen die wegbrechenden Print-Umsätze den Verlag geradezu eine stärkere Digital-Ausrichtung auf. So sollen allein 2011 sollen die Vertriebserlöse für Zeitschriften weltweit um 90 Millionen Euro sinken. Insgesamt erwartet Bauer 2011 weltweit ein Umsatzminus von 120 Millionen Euro. Das sind immerhin sechs Prozent des Umsatzes 2,13 Milliarden Euro.

Wie bereits Springer bläst nun auch Bauer zur digitalen Offensive. Alle wichtigen Titel sollen im kommenden Jahr als Tablet-optimierte Version auch auf iPads & Co. zu lesen sein. Dabei setzten die Hamburger nicht auf Apple, sondern beispielsweise auch auf den Kindle Fire.

Neben den Tablet-Aktivitäten sollen die weiteren Mobil-Angebote ausgebaut und noch besser monetarisiert werden. So ist beispielsweise geplant, bei der TV-Movie-App, mit 550.000 Unique Requests im Oktober eine der erfolgreichsten deutschen iPhone-Apps, schon bald eine Bezahlschranke einzubauen. Wie die konkret aussehen soll, wollte der verantwortliche Geschäftsführer, Andreas Schoo, jedoch noch nicht verraten.

In den nächsten Monaten sollen bei der Digital-Offensive jedoch weniger die Renditen im Vordergrund stehen, sondern vielmehr die Investitionen. So sind die Hamburger nicht nur bereit, interessante Geschäftsmodelle, Web-Portale und Technik-Dienstleister zu kaufen, sondern wollen auch kräftig Experten einstellen, um so das interne Know-How zu erhöhen.

Eine Schlüsselrolle in der geplanten Strategie nimmt dabei die clevere Vernetzung der internationalen Verlagsaktivitäten ein. So sollen erfolgreiche Geschäftsmodelle aus einem Land auf möglichst viele andere Märkte übertragen werden. Die einzelnen regionalen Töchter sollen zudem enger zusammenarbeiten. Als Beispiel nannte Schoo das Wiener Annoncen-Portal Bazar.at. Das Kleinanzeigen-Blatt hat sich im Netz gerade erst neu aufgestellt. Dabei wurde die Seite von Bauer-Experten in Polen entwickelt und programmiert. Die Produktmanager sitzen jedoch weiterhin in Wien.

Entwickelt sich die Seite so erfolgreich weiter wie bisher, soll das Konzept auch in Polen und Deutschland ausgerollt werden.

Alleine dieses Beispiel zeigt, dass das Digital-Geschäft von Bauer viel internationaler ist als das der einheimischen Konkurrenz. So liegen die Umsätze, die die Hamburger mit ihren deutschen Web-Aktivitäten erzielen, zur Zeit gerade einmal bei rund 20 Millionen Euro. Die globalen Einnahmen bei den Web- und Mobil-Aktivitäten lagen 2009 bei rund 41 Millionen und 2010 bei ca. 52,1 Millionen. Für das aktuelle Jahr rechnen die Hamburger mit 60,1 Millionen Euro. Damit ist Bauer aber noch weit von den Werten einer Axel Springer AG entfernt.

Tatsächlich liegen die Online-Umsätze zudem noch weit hinter den Radio-Einnahmen, die sich bei den Hamburgern – im Vergleich zu vielen anderen Medienhäusern – immer stärker zu einem echten Umsatztreiber entwickeln. 2009 erwirtschaftete der Hörfunk 166,5 Millionen Euro. Im aktuellen Jahr werden es bereits rund 190 Millionen Euro sein.

Eine klare Abfuhr erteilte Bauer der Strategie anderer Medienhäuser wie Holtzbrinck oder Bertelsmann, eigene Start-up-Fonds aufzusetzen und sich an jungen Web-Unternehmen zu beteiligen. "Das sind Kapitalanlagen", erklärte Schoo. "Da bringen wir unser Geld lieber zur Bank. Bei unserer Digital-Offensive geht es darum, nachhaltig in die Zukunft der Bauer Media-Group zu investieren".

Der schnelle Euro, der sich mit den Verkauf eines erfolgversprechenden Start-ups machen lässt, interessiert die Hamburger nicht. Stattdessen geht es vielmehr um den Aufbau einer funktionieren Web- und Mobil-Sparte. Damit es schon bald nicht mehr "Bauer ist Print", sondern "Bauer ist Print und Digital" heißt.

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