ProSiebens Gegenmodell zum RTL-Trash

Für ProSieben war der Donnerstagabend ein historischer Abend - und gleichzeitig eine Bestätigung des eingeschlagenen Weges. So haben die großartigen Quoten der ersten Ausgabe von "The Voice of Germany" gezeigt, dass man auch Erfolg mit einem Casting-Format haben kann, ohne auf Menschenverachtung und Trash zu setzen. Für den Sender ist das ein weiteres Puzzleteil in einer Strategie, die dem oft niveaulosen RTL-Erfolgsmodell Qualität entgegen setzt.

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"The Voice of Germany", die Castingshow, die im Gegensatz zu Formaten wie "DSDS" oder "Das Supertalent" tatsächlich mal wieder eine pure Talentsuche ist, setzt den ProSieben-Weg der vergangenen Monate und Jahre nahtlos fort. Für Freunde guten Fernsehens war es eine Wohltat, zu sehen, dass eine solche Show ohne herabwürdigende Sprüche oder Menschen, die eher vor sich geschützt werden müssten, als ins Fernsehen geholt zu werden, auskommt.

Aber wie gesagt: "The Voice" ist nur das neueste Puzzleteil des ProSieben-Modells. Spätestens seit Stefan Raab erwachsen geworden ist und mit seinen zahlreichen Events und nicht zuletzt mit "Schlag den Raab" gezeigt hat, dass Qualität und Quote sich nicht ausschließen, wird das ProSieben-Programm immer Trash-freier. Reihen wie "Popstars" und "Germany’s next Topmodel" waren, bzw. sind sicher nicht die niveauvollsten TV-Sendungen, boten aber ebenfalls schon eine etwas höhere Klasse als "DSDS" & Co. Spätestens als Stefan Raab gemeinsam mit der ARD das Lena-Casting "Unser Star für Oslo" erfand, war klar, dass ProSieben Hoffnung ins Casting-Genre zurück gebracht hatte.

In diesem Jahr kam dann u.a. noch die unterhaltsame Joko&Klaas-Spielshow "17 Meter" hinzu, die gerade wegen ihrer Harmlosigkeit so viel Spaß macht. Die zahlreichen US-Serien von "Fringe" bis "Grey’s Anatomy" und Hollywood-Filme sorgen ebenfalls nicht gerade dafür, dass der Zuschauer ProSieben mit Trash in Verbindung setzt.

Natürlich haben die ProSieben-Verantwortlichen keinen Heiligenschein. Formate wie "Das Model und der Freak", das "Sommermädchen" oder die unverständliche Wiederauflage der "Alm" passen nicht mehr zum aktuellen Anspruch des Senders. Der überschaubare Erfolg der Programme zeigt aber auch, dass die ProSieben-Zuschauer solche Sendungen womöglich gar nicht mehr dort erwarten. Zudem machen sie im Vergleich zu RTL, wo Scripted-Reality-Schrott und herabwürdigende Kuppel-Soaps bzw. Castingshows seriösere Formate wie "Wer wird Millionär?", "Rach – Der Restauranttester" oder die eigenproduzierten Serien oftmals überstrahlen, nur einen kleinen Teil im Ablauf aus.

Der Erfolg scheint ProSieben zudem Recht zu geben: In den beiden ersten Monaten der TV-Saison 2011/12, September und Oktober, erzielte man zusammengerechnet einen solch guten Marktanteil im jungen Publikum wie seit drei Jahren nicht mehr. Während RTL und Sat.1 unter dem Vorjahr lagen. Auch im November befindet sich ProSieben derzeit über der 12%-Marke, das wäre der dritte Monat in Folge – ein Ereignis, das es seit dem Frühjahr 2010 nicht mehr gab.

Und: Durch die vom Konzern beschlossene Aufteilung des vom gesamten Look eher zu ProSieben passenden Formats "The Voice of Germany" auf zwei Sender bekommt Sat.1, der Sender also, der mit Formaten wie "Schwer verliebt" eher dem RTL-Modell folgt, auch noch ein bisschen vom positiven Image ab.

Dem Publikum – und der Branche – ist es zu wünschen, dass der ProSieben-Weg erfolgreich bleibt – und das der eine oder andere Sender sich ein Beispiel nimmt und ebenfalls auf zu viel Trash verzichtet. Denn so ließen sich womöglich sogar wieder Zuschauer für das Fernsehen begeistern, die das Medium längst aufgegeben haben.

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