Guttenberg-Interview Exegese als Stilform

Euro-Krise? Who cares!? Gutti is back! Das Interview mit Karl-Theodor zu Guttenberg in der Zeit schlug medial in dieser Woche erwartungsgemäß hohe Wellen und wollte medientheoretisch, politisch und satirisch gebührend aufgearbeitet werden. Mit am lustigsten gelang dies der Satire-Webzeitung “Der Postillon”. Ansonsten im Angebot diese Woche: Ein Schaubild, das uns verrät, welchen TV-Sender wir gerade schauen und ein besinnliches Bashing der neuen Media-Markt Weihnachtswerbung.

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Unter die beliebte Rubrik “Früher war alles besser” kann man jetzt getrost auch die Werbung von Media Markt einsortieren. Zuerst war da der offensichtliche Unfug mit dem herbei fantasierten “Ende des Preis-Irrsinns”. Jetzt versucht uns die Elektro-Handelskette weiszumachen, dass “Weihnachten unter dem Baum entschieden wird” und gibt eine ominöse “WeihnachtsPreisgarantie”. Wie sieht die aus: Falls Media Markt, und nur Media Markt, nach Weihnachten den Preis reduziert, bekommt man zuviel gezahltes Geld bis 7. Januar 2012 zurück. Wer setzt noch gleich den Preis bei Media Markt fest? Ach ja, der Media Markt. Will uns da etwa jemand für blöd verkaufen? So gesehen wundert es einen nicht, dass der gute, alte “Ich bin doch nicht blöd!”-Spruch ausgemustert wurde.

Karl-Theodor zu Guttenberg elektrisiert die Medien. Ob mit oder ohne Brille. Unser kleiner Online-Dienst ist da keine Ausnahme. Die Medienkolumne Altpapier hat völlig zu Recht die Guttenberg-Interview Exegese in den Rang einer originären journalistischen Stilform erhoben. Ein bisschen unfair ist aber, dass hier und da an Zeit-Chef Giovanni di Lorenzo rumgemeckert wird, weil der dem Baron eine Plattform für seine Plattitüden geboten habe usw. Mal im Ernst, liebe Kollegen: Jeder, aber wirklich jeder Chefredakteur bei Sinnen hätte das Gutti-Interview genommen. Nicht zuletzt deshalb, weil man sich so herrlich darüber aufregen kann. Und di Lorenzo hat ihn durchaus subtil und geschickt befragt. Statt ihn anzupöbeln hat er zu Guttenberg sich in aller Ruhe und Ausführlichkeit selbst demontieren lassen.

Statt Kollegenschelte betreiben lieber noch einen gepflegten Gutti-Witz machen. Wie Der Postillon. Das ist eine Satire-Website, die von Stefan Sichermann (der auch fürs Bildblog schreibt) fast im Alleingang betrieben wird. Der Postillon titelte: “Eurokrise macht Pause, damit deutsche Medien über Guttenberg-Comeback spekulieren können”. Die Artikel dort sind immer wieder witzig und das ganze Angebot ist ein schönes Beispiel dafür, wie kleine Medien im Internet abseits des Mainstream existieren können.

Sie ist ja schon bisweilen ganz schön verwirrend, diese neue Medienwelt. Eine kleine Hilfestellung bietet das Schaubild “Woran erkennt man, welchen Fernsehkanal man sieht?” aus dem Graphitti-Blog. “Werden Menschen lächerlich gemacht?” Ja! “Ist die Optik altbacken?” Ja = Sat.1. Nein = RTL. “Sind Textlaufbänder im Bild?” Ja! “Geht es um U-Boote oder Riesenbaustellen?” Ja= n24 oder n-tv. Wirklich lustig. Und so wahr.

Schönes Wochenende!

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