James Murdoch verlässt Sun und Times

James Murdoch packt seine Sachen: Der Sohn von Rupert Murdoch wirft seine Posten als Aufsichtsratsmitglied bei der Sun und der Times hin. Er bleibt allerdings im Vorstand der Muttergesellschaft News International Group. Die Nachricht kommt passend in dieser Woche, schließlich haben reihenweise Zeugen vor dem Leveson-Untersuchungsausschuss in Medienethik im Schatten des Abhörskandals ausgesagt, unter anderem der Schauspieler Hugh Grant und die Eltern der entführten Maddy McCann.

Anzeige

James Murdoch packt seine Sachen: Der Sohn von Rupert Murdoch wirft seine Posten als Aufsichtsratsmitglied bei der Sun und der Times hin. Er bleibt allerdings im Vorstand der Muttergesellschaft News International Group. Die Nachricht kommt passend in dieser Woche, schließlich haben reihenweise Zeugen vor dem Leveson-Untersuchungsausschuss in Medienethik im Schatten des Abhör-Skandals ausgesagt, unter anderem der Schauspieler Hugh Grant und die Eltern der ermordeten Milley Dowley.
Wer sich die britischen Nachrichten-Websites anschaut, versteht, dass James Murdoch nicht mehr lange in England bleibt. Seit Montag sagen Opfer des Abhör-Skandals und unethischen Methoden seitens der Presse schon vor dem Untersuchungsausschuss unter Vorsitz des Lord Justice Leveson aus. Darunter der Star-Auftritt von Hugh Grant, der die Mail on Sunday beschuldigte, ebenfalls seine Handy-Mailbox abgehört zu haben. Die Zeitung reagierte mit einer robusten Verteidigung in den eigenen Seiten und bezichtigte Grant, „Hass auf die Medien“ zu versprühen.
Dann kam der Komiker Steve Coogan, der erzählte, wie er von einem Reporter der News of the World angerufen wurde. Dieser hatte Informationen über eine Affäre und wollte mit Coogan verhandeln. Wenn er einige Details zugebe, dann würde die Zeitung die pikanteren Details nicht drucken. Wie sich herausstellte, wurde auch diese Konversation aufgenommen – und alles gedruckt. Coogan, der unter anderem auch Reporter dabei erwischte, wie sie durch seine Mülleimer wühlten, bezeichnete Boulevardjournalisten als „Mafia“.
Und die ehemalige Assistentin des Supermodels Elle Macpherson, Mary-Ellen Field, sagte aus, wie ihr Leben von der Presse ruiniert worden sei. Macpherson beschuldigte Field, sie habe Informationen an die Presse gegeben, weil sie angeblich trinken würde. Das australische Model drohte ihrer Landsmännin mit der Kündigung, wenn sie nicht in eine harte Entzugsklinik ginge. Obwohl Field weder trank noch rauchte, erklärte sie sich einverstanden – und wurde hinterher trotzdem gefeuert. Und natürlich hatte Field nie Informationen an die Presse gegeben – die Handys der Frauen wurden abgehört.
Gestern sagten Kate und Gerry McCann aus, deren junge Tochter Madeleine in 2007 bei einem Urlaub in Portugal verschwand. Die News of the World druckte Auszüge aus dem privaten Tagebuch der Mutter, die offenbar von der portugiesischen Polizei an das Blatt gelangten. Der letzte Chefredakteur der News of the World, Colin Myler, hatte das Elternpaar zudem per Telefon beschimpft, ein Interview mit dem Wochenblatt Hello! zu machen und zwang die Eltern quasi, auch seiner Zeitung ein Interview zu geben. „Wenn man so einen Anruf bekommt fühlt man sich fast schon schuldig“, so Kate.
Mit Ethik in der Presse hat das alles nichts zu tun, und da den Murdochs mit der Sun und News of the World die beiden größten Boulevardtitel gehören (bzw. gehörten, nachdem die News of the World im Juli eingestellt wurde), gehen diese Anschuldigen direkt in die Richtung der Mediendynastie.
Der Medienausschuss des Unterhauses, das James Murdoch zweimal in diesem Zusammenhang verhört hatte, wird vermutlich zu dem Schluss kommen, dass James von seinen Zeitungsmanagern schlecht informiert wurde und nicht aktiv an Korruption beteiligt war. Ob ihm das nützen wird, ist nicht sicher. Auch wenn er in New York direkt in der Zentrale von News Corp. agieren wird, hat die Mehrheit der Aktionäre des Konzerns kein Vertrauen mehr in ihn. Aber dank des Stimmrechtes bei News Corp., wonach die Murdoch-Familie mit nur 12 % der Anteile 40 % der Stimmrechte hält, wird James wohl auch weiterhin einen sicheren Job bei Papa haben.
Der Job von Lord Justice Leveson, aus all diesen Aussagen später Empfehlungen für die Regierung in Bezug auf Presseregulierung zu kristallisieren, wird da schon schwieriger. Und Levesons Untersuchungen haben gerade erst richtig begonnen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige