Toscani sucht Europas Next Top-Fotograf

Castingshows sind die Wiederholung der Wiederholung der Wiederholung: Auf drei Sendern wird nach Sängern gecastet, in zwei TV-Shows sucht die Jury das nächste Topmodel. Ausgerechnet auf Arte haucht Oliviero Toscani, seines Zeichens Enfant terrible der Fotografie und Benettons langjähriger Hausfotograf, dem angegrauten Castingsegment neues Leben ein. In “Photo for Life” sucht der Meister seines Fachs Europas nächstes großes Fototalent. Mit viel Witz, viel Provokation und eine guten Portion Ernsthaftigkeit.

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Oliviero Toscani kann nicht anders: Er muss provozieren, die Grenzen des guten Geschmacks neu ausloten. In den Neunzigern schockierte er für Benetton mit Bildern von Aidskranken, erst vor Kurzem brachte er mit einem Jahreskalender, der zwölf detaillierten Aufnahmen der weiblichen Genitalien, die Werbewelt in Aufruhr. Jetzt bringt er für den Kultursender Arte fünf europäische Nachwuchsfotografen an ihre Grenzen.

In “Photo for Life” wird der Zuschauer Zeuge einer ungewöhnlichen Meisterklasse. Fünf junge Fotografietalente – darunter zwei Franzosen, drei Deutsche und ein Österreicher – durchlaufen eine besonders Bootcamp. Die fünf Finalisten – der sechste warf schon nach dem ersten Tag hin – stellen sich eine Woche einer Disziplin der Fotografie: Akt, Reportage, Werbefoto, Modefoto und Porträt. Das läuft einem strikten Plan ab: Morgens brieft der Meister seine Schüler, nachmittags sollen die das Gelernte in die Tat umsetzen.

Gleich in der ersten Sendung mussten sich die Talente nackten Tatsachen stellen. So karg, wie das Model bekleidet war, so puritistisch war auch die Ausrüstung: eine Kamera, zwei Lampen und 15 Minuten Zeit. Toscani reduziert mit voller Absicht. “Die heutige Generation kann keine Fotos machen. Durch die neuen Technologien geht ihnen jegliche Kreativität verloren”, erklärt der Schock-Fotograf gleich zu Beginn der Sendung.

Was macht die Sendung so ungewöhnlich? Arte verzichtet darauf, aus dem Meer der Bewerbung Dilletanten einzuladen und ihre Arbeit in aller Öffentlichtkeit bloßzustellen. Hier soll niemand zu Schaden kommen, aber trotzdem hart rangenommen werden. Toscani beherrscht das Prinzip “Zuckerbrot und Peitsche” perfekt und versüßt seine Kritiktiraden immer wieder mit einer Prise Lob. Davon könnte sich so mancher TV-Juror einmal einen Abzug machen.

“Photo For Life” ist noch bis zum Freitag jeden Abend um 19.30 Uhr auf Arte zu sehen.

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