GVU: Werbeboykott für kino.to und Co.

Raubkopierern an den Kragen: Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) will Filmpiraten den Geldhahn zudrehen. Sie fordert von der Werbewirtschaft, keine Anzeigen mehr auf den Webseiten von „digitalen Hehlern“ zu schalten. Wer sich nicht daran halte, müsse gegebenenfalls strafrechtlich verfolgt werden, sagte GVU-Geschäftsführer Matthias Leonardy. Nutzern illegaler Videoportale solle ein Warnhinweis eingeblendet werden, wenn sie auf die Webseiten surfen.

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Dass ein solches Verfahren effektiv wäre, legen der GVU zufolge Ergebnisse der Studie zur digitalen Content-Nutzung 2011 nahe. Danach glauben 57 Prozent der Gesamtbevölkerung, dass Nutzer illegaler Angebote nach Erhalt eines Warnhinweises solche Angebote nicht mehr nutzen würden. Unter denjenigen, die am illegalen Filesharing teilnehmen, seien es sogar 81 Prozent.
Die Besucher von den Streaming-Seiten fernzuhalten, sei wichtig, sagte GVU-Chef Leonardy. "Diese parasitären Geschäftsmodelle verdienen mit jedem Nutzer Geld durch Werbeeinnahmen. Je mehr Nutzer eine Seite anlocken kann, desto mehr Seitenzugriffe können die Verantwortlichen dieser Syndikate vermarkten."
Ihre Portale finanzieren die Filesharer über Werbung. GVU-Chef Leonardy sagte auf einer Veranstaltung in Berlin, es sei „unerträglich, dass wertvolle Medieninhalte der Kreativwirtschaft als ‚Lockmittel’ missbraucht“ werden, indem ihre Attraktivität ausgebeutet werde, um dubiose Online-Dienste zu vermarkten. Zudem sei es „ein Unding, dass dabei zum Teil namhafte Anbieter durch Bewerbung ihrer Produkte und Dienste als Financiers solcher Kriminellen wirken“. Es müsse auch im Interesse der Werbetreibenden sein, dies zu unterbinden. Dazu fordert Leonardy, Mechanismen zu implementieren, die eine Platzierung von Werbemitteln auf den Seiten der Filesharer unmöglich machen.
In ihrem Jahresbericht 2010 stellt die GVU außerdem eine Konsolidierung und Professionalisierung unter den Streaming-Portalsystemen fest: Die Gesamtzahl der aktiven illegalen Streaming-Portale sei seit 2008 gesunken (insgesamt 19 aktive Portale Ende 2010). Das auf diesen Seiten befindliche Angebot an Links, die auf die einzelnen Raubkopien verweisen, ist jedoch von Jahr zu Jahr angewachsen. Gegenüber Ende 2009 hat sich Ende 2010 die Anzahl der Filmlinks sogar vervierfacht und betrug 515.164 solcher elektronischer Verweise.
Eine Anfang September 2011 vorgenommene Erhebung der GVU zeigt eine Zunahme bei den aktiven Streaming-Portalen auf 26 Seiten. Allein seit der Abschaltung von kino.to am 8. Juni gingen mindestens 14 neue Streaming-Portale online. Drei dieser Portale wurden bereits Anfang September wieder abgeschaltet, vier weitere am 6. November. Anfang September lag die Zahl der Links zu Filmen auf den untersuchten aktiven Streaming-Portalen insgesamt bei 648.679 elektronischen Verweisen. Durchschnittlich beherbergten diese Seiten 2.165 Links weniger als Ende 2010.
Während vor allem die jüngeren illegalen Streaming-Portale häufig nur ein kleines Linkangebot und wenig Besucher verzeichnen, legten insbesondere drei Seiten seit Juli 2011 in beiden Bereichen kräftig zu. Von diesen waren zwei bereits vor dem 8. Juni 2011 aktiv. Eines konnte am 6. November vom Netz genommen werden. Das Angebot des anderen, seit Dezember 2008 aktiven Portals, wächst aktuell nach eigenen Angaben mit täglich bis zu 1.500 Filmlinks weiterhin erheblich. Zusätzlich bietet die Seite auch Zugang zu TV-Serien sowie zu einer umfangreichen Sammlung pornografischer Inhalte. Nach Berechnungen des Serverdienstes Alexa, der die Popularität von Webseiten bewertet, rangiert diese illegale Seite aktuell auf Platz 60 der in Deutschland am häufigsten besuchten Internetseiten (14. Juni 2011: Platz 160; 29. August 2011: Platz 82). In Österreich liegt diese Seite sogar auf Platz 57. Damit ist dieses illegale Streaming-Portalsystem derzeit am populärsten.
"Das Kräftemessen zwischen etablierten Kräften, die sich auf Urheberrechte stützen, und jenen, die diese Rechte einfach ignorieren oder aushebeln wollen, ist derzeit in vollem Gang", sagte Nikolaus Kraft, Vertreter des österreichischen Vereins für Anti-Piraterie der Film- und Videobranche (VAP).

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