Geo Epoche: iPad-App? Nein danke!

Gruner + Jahrs Geo Gruppe ist im Verlag nach wie vor eine Bank. Die Auflage des grünen Hauptheftes steht zwar “unter Druck”, wie Geo-Papst Peter-Matthias Gaede einräumt, aber dafür laufen einige der Nebenhefte umso besser. Die hochpreisigen Geschichts und Wissenshefte Geo Epoche und Geo Kompakt verzeichnen steigende Auflagen gegen Trend, machen dicke Gewinne und denken im übrigen gar nicht daran, digitale Ausgaben für iPad und Co. zu produzieren.

Anzeige

Viel zu teuer wäre das und bringen würde es am Ende gar nichts, sagte Geo-Epoche-Chefredakteur Michael Schaper zu MEEDIA auf einem Geo-Presse-Event. Auf absehbare Zeit, wird es darum keine Digital-Ausgaben der überaus erfolgreichen Geschichts-Hefte in den App-Stores dieser Welt zu laden geben. Dabei wäre ein Magazin wie Geo Epoche auf den ersten Blick wie geschaffen für eine App: Die Thematik ist zeitlos, die aufwändig recherchierten und geschriebenen Texte sind ohnehin vorhanden und die Leserschaft akzeptiert einen hohen Verkaufspreis (9 Euro ohne, 15,90 Euro mit DVD).

Aber das, so ist Schaper überzeugt, wäre eine Milchmädchenrechnung. Eine App für Geo Epoche oder Geo Kompakt würde Erwartungshaltungen wecken, die viel zu teuer umzusetzen sind. Wollte man beispielsweise die aufwändig produzierten Info-Grafiken für eine Geo-Kompakt-Ausgabe zum Thema Urknall multimedial sinnvoll aufbereiten, würde das immense Mehrkosten bedeuten, ohne dass man dafür einen höheren Preis nehmen könnte. Der Heftpreis bei Kompakt ist mit 8,50 Euro nämlich auch so schon ganz schön happig.

Soll Geld ausgegeben werden, steckt es Schaper, der neben Epoche und Kompakt auch noch Geo Wissen und die kunstgeschichtliche Reihe Geo Epoche Edition verantwortet, lieber in eine neue Heftreihe. Eine neue Heftreihe aus dem Wissens- und Geschichtssektor soll es tatsächlich geben, aber erst im nächsten Jahr und zu welchen Thema – das wird noch nicht verraten. Die Auflage von Geo Epoche liegt laut IVW derzeit bei 261.148 verkauften Exemplaren (IVW 3/2011). Der Anteil weicher sonstiger Verkäufe ist mit 5.736 Exemplaren extrem gering, der harte Einzelverkauf mit knapp 216.000 verkauften Exemplaren sehr hoch.

Das liegt daran, dass auch die alten Epoche (und Kompakt- und Wissen-Hefte) noch lange an Bahnhof-Kiosken ausliegen. Mithin sind die monothematischen Hefte die ideale Reise- und Sammlerlektüre. Mittlerweile werden sogar drei alte Epoche-Ausgaben von G+J gebündelt als “Sammler-Edition” zu 25 Euro verkauft. Die Geo-Leute kamen auf die Idee, als sie merkten, dass bei eBay und Amazon einzelne alte Hefte von Wiederverkäufern zum Teil für an die 50 Euro das Stück angeboten wurden. Die Geo- Hefte zu Geschichts-und Wissen-Themen sind eine lupenreine Print-Erfolgsstory.

Andere Geo-Reihen setzen nicht so konsequent auf Print-only wie die Gesichts- und Wissenstitel. Die multimedial aufgemotzte App vom Geo Special New York hat sich zum stattlichen Preis von 7,99 Euro über 8.000 mal verkauft und sogar einen (bescheidenen) Gewinn erwirtschaftet. Jetzt wird daran gebastelt, die New-York App aufs iPhone zu portieren und eine englischsprachige Version rauszubringen. Außerdem gibt es ein kostenloses Update für die New York App mit einigen neuen Stücken und u.a. Christmas Shopping Tipps, die den App-Verkauf vor Weihnachten nochmal ankurbeln sollen. Eine neue Ausgabe ist ebenfalls in der Mache. Thema diesmal: Istanbul.

Auch die erfolgreiche Geo-Reihe für die Jüngsten, Geo Mini, ist auf den App-Geschmack gekommen. Geo-Mini-Chefredakteur Martin Verg kündigte an, dass bald eine erste Geo Mini App im App Store aufschlagen wird. Die erste Geo Mini App zum Thema Safari wird nicht direkt an eine Print-Ausgabe angelehnt sein, wie das beim Geo Special New York der Fall ist. Vielmehr hat man aus verschiedenen Geo-Mini-Ausgaben diverse Inhalte zum Thema Safari zusammengestellt und zu einer Art Lern-Spiel-Welt ausgebaut. Wann genau die App zu haben sein wird und zu welchem Preis ist noch unklar. Allzu billig dürfte sie in bewährter Geo-Manier freilich nicht werden.

Und was ist mit dem Hauptheft? Hier ist die Auflage “unter Druck”, wie Chefredakteur und Geo-Übervater Peter-Matthias Gaede beim Pressetermin sagte. In der Tat ist die Geo-Auflage in den vergangenen fünf Jahren um 28 Prozent gefallen, die Anzeigenumsätze haben sich mit der Zeit halbiert. Mit knapp 309.000 verkauften Heften (IVW 3/2011) zu einem Heftpreis von stattlichen 6,30 Euro (wird  mit Ausgabe 1/2012 sogar auf 6,60 Euro erhöht) ist das grüne Magazin freilich immer noch hochprofitabel. Die grünen Bäume wachsen aber nicht mehr in den Himmel. Gaede versucht gegenzusteuern, indem wieder Hand ans Heft gelegt wird. Im neuen Jahr gönnt sich Geo einen behutsamen Relaunch. Das Titelthema wird auf dem Cover optisch noch größer präsentiert, der charakteristische grüne Rahmen wird ein bisschen schmaler. Im Heft-Einstieg wird es mehr kleinere, einseitige Elemente geben, die Geo-typische Themen auf den Punkt gebracht erzählen. Zuversicht sei eine der Säulen, die Geo ausmachen, erzählt Gaede. Bei allem Negativen in der Welt wolle Geo auch Geschichten erzählen, bei denen mal etwas funktioniert. So ein bisschen Zuversicht kann auch das grüne Geo gut gebrauchen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige