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Holtzbrinck verkauft verstärkt Journalismus

Nach dem Verkauf von Golem.de und dem Lieferhelden-Investment scheint klar: Stefan von Holtzbrinck glaubt nicht mehr sonderlich an den wirtschaftlichen Erfolg von journalistischen Inhalten. Stattdessen steckt der Verleger sein Kapital lieber in Online-Lieferservices oder in einen deutschen Demand-Media-Konkurrenten, der günstig geschriebene und Google-optimierte Inhalte anbietet. Wirtschaftlich lohnt sich der Kurs. Die Investment-Strategie erwirtschaftet Profite. Sonderlich nachhaltig scheinen jedoch die wenigsten Deals zu sein.

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Neuestes Investment des Medienhauses ist eine Finanzspritze für Lieferheld.de. Zusammen mit Tengelmann und dem Team Europe Ventures steckt der Zeit-Gesellschafter rund vier Millionen Euro in das Start-up. Christian Winter, E-Commerce-Experte bei Tengelmann, glaubt: "Online Food Delivery wird sich in Europa in den kommenden Jahren zu einem Milliardenmarkt entwickeln, und Lieferheld wird in sehr kurzer Zeit einen großen Kundenstamm gewinnen."

Damit hat der Handelsexperte sicherlich recht. Bislang interessierten sich deutsche Verleger allerdings kaum für solche Einschätzungen. Sie verdienten ihr Geld lieber mit der Produktion von möglichst exklusiven journalistischen Angeboten und den Werbeanzeigen, die um die Texte herum platziert wurden.

Ein Geschäftsmodell, auf das Stefan von Holtzbrinck nicht mehr so recht zu vertrauen scheint. Denn einen Tag von dem Investment in Lieferheld, verkaufte er das angesehene IT-Portal Golem.de. Das Technik-Angebot kam im Februar auf 7,73 Millionen Visits. Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Traffic um 14 Prozent gesteigert werden.

Der Golem-Verkauf ist Teil eines Deals bei dem Holtzbrinck den Verlag Klaß & Ihlenfeld, die Mutter des IT-Portals, an Computec Media veräußerte. Nicht der erste Redaktions-Verkauf, den das Medienhaus in den vergangenen Monaten tätigte. Ende des Jahres veräußerte er mit dem LPV Lebensmittel Praxis Verlag und der Main Post zwei profitable Print-Beteiligungen. Die beiden Verkäufe begründet der Verleger in einem Gespräch mit der Main-Post mit strategischen Überlegungen: "Wir haben entschieden, uns stärker auf die Bereiche Bildung und Wissenschaft, den Buchbereich und das Internetgeschäft zu fokussieren."

Der Stuttgarter verkündet seinen Strategiewechsel aus einer Position der Stärke. So sagte er in dem Interview: "Die neuen Medien haben viel zu unserer Stabilität beigetragen. Die Veräußerungsgewinne der Holtzbrinck Digital haben bereits einen dreistelligen Millionenbetrag deutlich überschritten. Zum anderen sind die meisten unserer Internet-Unternehmen in diesem Jahr profitabel."

Ob nun die Partnerbörse Parship, die Frage und Antwort-Community Gutefrage.net oder der frisch verkaufte Shoopping-Club Brands4Friends hat jedoch keiner der Web-Investments mehr etwas mit Journalismus zu tun.

Statt in Redaktionen steckt der Verleger sein Geld lieber in den Aufbau von Google-optimierten Content-Angeboten à la Demand Media. Der GuteFrage.net-Spin-off Helpster.de bietet Service-Artikel über Fleckenentfernen oder Heizungsentlüften, aber keine Interviews, Features oder Reportagen. Diese Art der Berichterstattung funktioniert noch bei der Zeit, bringt aber bei Regionalverlagen oder gar Web-Angeboten kaum Geld ein.

Stattdessen plant Holtzbrinck noch viel größere Netz-Investments. Zusammen mit HarbourVest Partners startet der Stuttgarter einen neuen Investmentfonds mit dem beeindruckenden Volumen von 177 Millionen Euro. Das Geld soll an Start-ups und bereits bestehende Web-Unternehmungen gehen.

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