Klaus Boldts böse Medienmanagerschelte

In Berlin trafen sich diese Woche die Großkopferten der Verlags-Industrie mit den Großkopferten der Politik und tauschten sattsam Bekanntes aus. Dabei hat Klaus Boldt, New-York-Korrespondent des manager magazins und Medien-Kenner par exellence, den grauen Herren und Damen in Berlin gerade attestiert “so dämlich wie überall in der Welt” zu sein. Dass Medienmenschen auch nur ticken wie Otto Normalbürger zeigte u.a. auch das Klick-Verhalten beim Medien-Aggregator turi2.

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Aber erst nochmal zu den Verlegern und ihren Zeitschriftentagen in der Hauptstadt. Ob es Hubert Burda nicht auch langsam langweilig wird, bei solchen Gelegenheiten als Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) immer und immer wieder das gleiche zu sagen? Auch diesmal verkündete er, dass jetzt aber wirklich mal das Leistungsschutzrecht her müsse. Das Kartellrecht müsse sowieso gelockert werden (als Beleg für die Forderung muss immer und immer wieder die Schwierigkeit des Burda-Verlags beim Kauf einer Häkelzeitschrift herhalten) und Google und Facebook sollten sich doch auch mal fair verhalten. Menno! Damit meinen die Verleger offenbar, dass zum Beispiel Google doch bitte endlich, endlich Verlagsangebote bei den Suchergebnissen ganz nach oben setzen soll. Und am nächsten Tag kam dann die Kanzlerin und versprach in typischem Merkel-Sprech, dass “es unsere Absicht ist, das Leistungsschutzrecht zu verabschieden”. Und schickte gleich noch hinterher: "Ein Leistungsschutzrecht wird nicht alle Probleme lösen." Das “nicht alle” könnte man auch durch “gar keine” ersetzen.

Da redete Klaus Boldt, New-York-Korrespondent und Medien-Experte des manager magazins, in einem Interview mit Newsroom.de schon eher Klartext: “Eigenartigerweise sind deutsche Medienmanager in der Regel so dämlich wie überall, sie sind anfällig für Trends und Moden wie fünfzehnjährige Mädchen. Wie der Übergang zur digitalen Medienwelt gemanagt wurde, war und ist einfach lächerlich und hat meinen Glauben an die Fähigkeiten dauerhaft beschädigt.” Zack, das hat gesessen. Und der gerne hofierte Guardian bekam bei Boldt auch noch sein Fett weg: “Sulzberger (Arthur Sulzberger, Herausgeber der New York Times) findet, dass für Journalismus grundsätzlich bezahlt werden muss, selbst wenn man ihn verschenken könnte. Das finde ich gut. Auch Autos sollte man verkaufen, selbst wenn man sie mit Reklame vollkleben und verschenken könnte. Dafür allein hat Sulzberger schon meine Sympathie. Anders als etwa die Heinis vom Guardian, die ihren Kram verschenken, sich aber von einem Trust durchfüttern lassen und dann noch große Töne spucken.” Bitte mehr von solchen Interviews, Herr Boldt!

Nicht verschenkt, sondern verkauft hat Sat.1 seine frühere Vorzeige-Serie “Edel & Starck”. Wir erinnern uns: Bis 2005 holte die Serie um das ungleiche Anwalts-Pärchen Felix Edel und Sandra Starck bei Sat.1 Top-Quoten, Preise und heimste auch viel Kritiker-Lob ein. Es war eine wirklich witzige und ganz und gar unpeinliche deutsche Serie mit einer Lockerheit, die man sonst nur von US-Ware kannte. Jetzt hat der NDR die vierte und letzte Staffel “Edel & Starck” gekauft und zeigt sie von kommendem Montag an. Jede Wette: Auch bei Sat.1 würde eine Wiederholung (oder gar: Neuauflage) von “Edel & Starck” gute Quoten holen. “Edel & Starck” stand wie kaum eine zweite deutsche Serie für einen Qualitätsanspruch bei Sat.1. Dass die Rechte an der Serie jetzt ausgerechnet an einen ARD-Sender verscherbelt wurden, entbehrt nicht einer gewissen Symbolkraft.

Dafür, dass Medienmenschen auch nur ticken wie Otto Normalsurfer lieferte der Medien-Aggregator turi2.de diese Woche den Beweis. Am Mittwoch früh war Folgendes bei turi2.de der meistgeklickte Link vom Vortag:

– ECHO – Meistgeklickter Link gestern Morgen war das ukrainische Studentenwohnheim, in dem 60 Studentinnen rund um die Uhr Pornos produzierten. nordbayerischer-kurier.de

Immer nur Leistungsschutz und Kartellprobleme mit Häkelzeitschriften – das ist ja auch irgendwann langweilig, gell?

Schönes Wochenende!

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