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MDR-Skandal: 15 mögliche Straftaten

Viele Vermutungen werden böse Gewissheit: Das Korruptionsgeflecht im MDR war umfassender als man anfangs angenommen hatte. Laut einem Bericht der vom Sender eingesetzten Kommission zur Aufdeckung von Betrugs- und Korruptionsdelikten, der Bild.de vorliegt, liegen 15 weitere Fälle von möglichen Straftaten vor. So sei ein Betrag von mehr als 200.000 Euro nicht auffindbar und Rechnungen seien ohne Vertrag oder Auftrag bezahlt worden. Zudem könnten hohe Risiken auf die Gebührenzahler zukommen.

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Die Untersuchungskommission unter Leitung von Ex-LKA-Chef Ingmar Weitemeier schreibt in ihrem Bericht von großen Versäumnissen der MDR-Verantwortlichen. "Das Kontrollsystem sei geeignet, weitere dolose Handlungen und Regelverstöße zu ermöglichen." Zudem hätten sogar Führungskräfte die Meinung vertreten, dass "regelkonformes Verhalten unpraktikabel" sei, zitiert Bild.de.
Aus dem Bericht gehen weitere fragwürdige Punkte hervor. So wurden Preise beim MDR offenbar willkürlich bestimmt, Mitarbeiter erledigten verschiedene Aufgaben im Ein- und Verkauf ohne Vollmacht und Rabatte seien trotz Absprache nicht genutzt worden. Allein durch zwei geprüfte Fälle sei ein Schaden von rund 15.000 Euro entstanden, so die Kommission. Außerdem habe die Stabsabteilung Markt- und Medienforschung 16 Aufträge ohne entsprechende schriftliche Verträge abgeschlossen.
Wie Bild.de weiter berichtet, hält der MDR Wertpapiere in Höhe von 390 Millionen Euro. Das seien mehr als 40 Prozent der Bilanzsumme, heißt es. Nun müsse noch geprüft werden, wie risikoreich die Aktien und Anleihen seien. Zudem zahle der Sender jährlich Leasing-Gebühren von 222 Millionen Euro, was "für die Finanzstruktur einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt eine außerordentliche Größenordnung" sei, so die Ermittler.
Die Prüfer schlagen vor, eine "Task-Force" einzurichten, um weitere Straftaten aufzuklären. Diese solle dann das Kontrollsystem und die Organisation beleuchten sowie das Finanzvermögen ausforschen. Heute will der MDR über künftige Schritte entscheiden. Schon zu ihrem Amtsantritt sagte die neue Intendantin Karola Wille, eine zentrale Aufgabe sei es, „die Unternehmenskultur zu stärken und die Kontrollinstrumente auf den Prüfstand stellen“.

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