„Geschäft wächst trotz Sportschau weiter“

Sky-Boss Brian Sullivan ändert die Strategie bei den Sportrechten. Bislang setzte der Pay-TV-Sender - vor allem bei der Fußball Bundesliga - auf maximale Exklusivität durch möglichst späte Free-TV-Ausstrahlungen. Nun sagte er jedoch gegenüber der FTD: "Wir könnten mit einer Sportschau um 18.30 Uhr leben. Ich glaube, dass unser Geschäft auch unabhängig davon weiter wachsen wird." Zudem steht die Übertragung der Formel 1 offenbar auf dem Prüfstand. Kein Wunder: Das PS-Spektakel ist kein Quoten-Hit.

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Der Sender-Chef sagte, dass er noch "nicht wisse", ob Sky künftig auf Vettel, Hamilton und Co. verzichten will. Allerdings sagte der US-Amerikaner auch: "Die Formel 1 ist ein tolles Produkt, hat aber eine sehr starke Präsenz im Free-TV". Die Folgen der fehlenden Exklusivität sind nicht gerade begeisternde Quoten. So sahen beispielsweise nur 210.000 Fans den Japan-Grand-Prix, an dessen Ende Sebastian Vettel seine zweite Formel-1-Weltmeisterschaft feiern konnte. RTL erreichte mit seiner zeitgleichen Live-Übertragung 4,57 Millionen Zuschauer.

Wesentlich höhere Quoten holten die Fußball-Übertragungen der Bundesliga. Doch im Gegensatz zur Formel 1, wo es für Sullivan kaum möglich sein wird, selbst mit viel Geld, eine höhere Exklusivität zu erkaufen, will er das beim Fußball gar nicht mehr versuchen. Dem CEO geht es offenbar viel mehr darum, seinen Kunden ein technisch besseres Produkt anzubieten: "Die Sportschau ist für uns nicht der entscheidende Faktor. Ich glaube, man hat früher nicht genug getan, die Übertragung der Live-Spiele attraktiv genug zu machen", zitiert die FTD Sullivan.

Der Strategiewechsel zeigt zweierlei: Zum einen erkennt Sky, dass der alte, auf Exklusivität fußende Ansatz seit Bestehen des Senders nicht funktioniert hat, und zum anderen, dass der aktuelle Feind weniger die „Sportschau“, sondern vielmehr das Internet und die Telekom ist. Denn durch die Sky-Duldung der „Sportschau“ wird auch eine neue Variante bei der Vergabe der Fußball-Rechte ab 2013 unwahrscheinlicher, nach der die Spielberichte zuerst via Web und am späten Abend dann im Free-TV zu sehen sein würden. Bereits heute konkurriert die Telekom mit ihrem Internet-Fernsehen Entertain mit Sky.

Die neue Strategie könnte funktionieren. Denn gerade erst zeigte Sulivan mit den überraschend guten Quartalszahlen, dass seine eingeläuteten Maßnahmen anfangen zu greifen. Oberstes Ziel des CEO bleibt natürlich, den Dauer-Defizit-Sender mittelfristig aus den roten Zahlen zu führen.

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