Anzeige

Bambi: zwei Weltstars in der Gaga-Gala

Burdas Bambi-Verleihung in der ARD hatte am Donnerstagabend die beste Einschaltquote seit Jahren. Dies dürfte vor allem an zwei Dingen liegen: Erstens waren mit Justin Bieber und Lady Gaga zwei Weltstars zu Gast. Und zweitens sorgte der Rummel um die Auszeichnung des Pöbel-Rappers Bushido mit einem Bambi für Integration für einigen Zunder im Vorfeld. Die restliche Verleihung war dann im Prinzip Bambi-Business as usual. Ein bisschen glamourös, ein bisschen peinlich, ein bisschen langatmig.

Anzeige

Die Veranstalter dürften jedenfalls aufgeatmet haben, dass die vorab im Internet angekündigten Proteste wegen des Bushido-Bambis vor Ort ausblieben. Der Shitstorm beschränkte sich aufs Netz und einige Beschwerde-Mails an Burda. Das war’s dann auch. Peter Plate, der Sänger der Kombo Rosenstolz sorgte dann noch für so etwas wie einen Mikro-Eklat als er auf der Bühne die Bambi-Verleihung an Bushido kritisierte, sich aber noch nicht einmal traute, dessen Namen in den Mund zu nehmen. Es gab einen kurzen Moment der Irritation und dann trat auch schon Bunte-Chefin Patricia Riekel auf die Bühne und moderierte die "stillen Helden" an – freilich ohne auf das zuvor Gesagte einzugehen. Spontanität auf der Bühne ist nicht das Metier der Bunte-Chefin.

Bushido selbst führte die Auszeichnung an ihn dann mit einer verworrenen, langen Rede ohne Punkt, Komma, Sinn und Verstand endgültig ad absurdum. Am Ende waren aber wohl alle froh, dass er endlich aufhörte zu schwafeln und auch nicht auftrat. Also wurde brav geklatscht und weiter ging’s. Immerhin hatte man diesmal mit Justin Bieber und Lady Gaga sogar zwei echte, angesagte Stars im Programm. Wobei die Gaga mit ihrem stilvoll exaltierten Auftritt ihrem Ruf als Weltstar weit mehr gerecht wurde, als der Jüngling Bieber mit seinem lauen Weihnachtsliedchen.

Kai Pflaume glänzte vor dem Bieber-Song als Außen-Reporter und befragte weibliche Fans vor der Halle. Ja, er schleppte dann sogar zwei Mädels rein, die von Justin Bieber den Backstage-Bereich gezeigt bekamen. Der Pflaume machte das so locker und souverän, dass man sich fragte, warum er nicht gleich die ganze Veranstaltung moderierte. Denn die Idee, die Bambi-Awards von einem internationalen Star teilmoderieren zu lassen (letztes Jahr, Sarah Jessica Parker, dieses Jahr Gwyneth Paltrow), diese Idee ist keine gute. Warum? Weil die Stars übersetzt werden müssen, was tödlich ist für eine gute Moderation. Weil sie nur Plattitüden vom Teleprompter ablesen, wie Frau Paltrow an einer Stelle sogar zu Protokoll gab. Und weil die unvermeidliche Bambi-Übergabe an die Star-Moderatorin dann für einen besonders intensiven Fremdschäm-Moment sorgt. Das könnte man sich sparen. Nehmt’s halt beim nächsten Mal den Pflaume oder die Schöneberger! Aber bitte nicht so eine Knalltüte wie Cindy aus Marzahn. Die hat ihre Laudatio auf Thomas Gottschalk (unsinnigerweise für das "TV Ereignis des Jahres ausgezeichnet – gab es da nicht noch den Eurovision Song Contest?) derart spektakulär vergeigt, dass sie erst einmal ein Jahr TV-Verbot bekommen sollte.

Ganz am Ende gab es dann den Millenniums-Bambi für Helmut Schmidt. Der Altkanzler musste gnädigerweise nicht die ganze Show über im Saal sitzen. Man fürchtete vielleicht den Marcel Reich-Ranicki-Effekt (der war nach stundenlanger Fernsehpreis-Gala so weichgekocht, dass er den Preis ablehnte und für einen echten Eklat sorgte). Das hatte dann den surrealen Effekt, dass die Bildregie kurzerhand Hans-Dietrich Genscher einblendete, wenn von Schmidt die Rede war. Der war ja schließlich auch mal Politiker und ist irgendwie alt, mag man sich bei der Bildregie gedacht haben. Aber auch das versendete sich in der großen Gaga-Gala.

Schmidt war dann freundlich und staatstragend. Für den Abschluss der Show war sein Auftritt sogar ein bisschen zu unspektakulär. Schmidt ist halt am stärksten, wenn er zur Weltpolitik befragt wird. Aber dafür wäre eine Bambi-Verleihung nun wirklich der ganz falsche Rahmen.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige