Dapd: French Kissin´ in the USA?

Die Nachrichtenagentur dapd steht nach Informationen französischer Medien in Verhandlungen über den Kauf des französischen Dienstes der Associated Press (AP). Ein Sprecher der Agentur wollte einen Bericht der Zeitung Le Nouvel Observateur nicht gegenüber MEEDIA kommentieren. Demnach könnte die US-Agentur AP tatsächlich mit Interessenten sprechen und damit einen erneuten Anlauf nehmen, ihren defizitären Ableger in Frankreich abzustoßen. Dapd hatte bereits AP Deutschland gekauft.

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Der Bericht im Nouvel Observateur beruft sich auf Gewerkschaftskreise, die von den Verhandlungen erfahren haben wollen. Die Gewerkschaften stehen einem möglichen Verkauf offenbar kritisch bis ablehnend gegenüber. Sie seien weder um ihre Meinung gefragt worden, noch hätten sie eine Wahl, verlautbarten mehrere Gewerkschaften. Laut dem Zeitungsbericht beschäftigt AP 57 fest angestellte Mitarbeiter in Frankreich, darunter 25 Journalisten, sowie 69 freie Mitarbeiter.

Die Gesellschafter der dapd, die Unternehmer Peter Löw und Martin Vorderwülbecke, haben aus den Agenturen ddp und AP Deutschland die dapd-Gruppe aufgebaut. Aus zwei Agenturen, die bisher komplementär zum Marktführer dpa funktionierten, haben sie eine Vollagentur gemacht, die dpa nun seit einiger Zeit im Wettbewerb angreift, u.a. mit einer aggressiven Preisstrategie.

Bereits Mitte dieses Jahres stieg die dapd-Gruppe mit dem Kauf der Fotoagentur Sipa Press in den französischen Markt ein. Bereits da hieß es, die deutsche Mediengruppe betrachte die Übernahme als "strategische Investition", um ein europäisches Netzwerk aufzubauen. Martin Vorderwülbecke hatte gleichzeitig weitere Zukäufe angekündigt. Marktführer in Frankreich ist die Agentur Agence France Press (AFP) – die u.a. von deutschen Mitbewerbern regelmäßig dafür kritisiert wird, dass sie vom französischen Staat subventioniert wird und damit den Wettbewerb verzerre.     

Die Associated Press hat auf ihrem Heimatmarkt in den USA alle Hände voll zu tun und stößt unprofitable Länderagenturen nun peu à peu ab. Ein erster Anlauf, in dem die französische AP an zwei Unternehmer veräußert werden sollte, schlug fehl. Ob die beiden deutschen Unternehmer Löw und Vorderwülbecke, die dapd erklärtermaßen nicht in erster Linie zum Geldverdienen aufbauen, nun ein besseres Deal-Händchen haben, ist noch offen.

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