US-Magazin Slate erklärt Google+ für tot

Das renommierte US-Web-Magazin Slate.com hat in einem Artikel Googles Social Network Google+ für tot erklärt. Google habe die Chance verpasst, Firmenprofile und Pseudonyme frühzeitig zuzulassen und würde nicht auf Bedürfnisse der Nutzer eingehen, der Traffic würde bereits wieder sinken. Dass Google+ innerhalb kürzester Zeit über 40 Mio. Mitglieder gewonnen hat, sei nicht verwunderlich angesichts der Verknüpfung mit anderen Google-Diensten. Slates Fazit: Google+ ist dem Tode geweiht.

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Der Haupt-Kritikpunkt von Slate ist, dass Google+ relativ lange gewartet hat, bis Firmen-Profile zugelassen wurden. In der Tat ist Google in dieser Frage sehr restriktiv vorgegangen und hat provisorische Profile von Firmen oder Medien sogar entfernt. Laut Slate.com sei dies ein entscheidender Fehler gewesen. “Warum ich so sicher bin, dass Google+ nicht gerettet werden kann?”, schreibt Slate-Autor Farhad Manjoo, “weil es keinen Weg gibt, Googles zentralen Fehler zu korrigieren (…)  das Unternehmen hätte sich den Wünschen der Nutzer annehmen müssen und diese umsetzen.” Ironischerweise hat Google+ kurz vor Erscheinen des Slate-Artikels Unternehmensprofile zugelassen – für den Slate-Autor kommt der Schritt aber schlicht zu spät.

Dass Google+ das am schnellsten wachsende Soziale Netzwerk aller Zeiten ist, lässt Slate nicht als Gegenargument gelten. Angesichts der Tatsache, dass Google+ bei praktisch allen Google-Diensten über den so genannten Toolbar eingebunden wurde, wäre es “eine Überraschung gewesen, wenn nicht so viele Nutzer angezogen hätte.” Die eigentliche Frage sei, was tun die Nutzer, nachdem sie sich bei Google+ angemeldet haben: “Soweit man das sagen kann, tun sie nicht sehr viel”, so Slate. Traffic-Analyse-Firmen würden berichten, dass die Zugriffe auf Google+ bereits kontinuierlich sinken. Als weiteren Beleg für das Sterben des Netzwerks führt Slate an, dass selbst das oberste Google-Management dort erstaunlich passiv sei.

Die Google-Gründer Larry Page und Sergej Brin hätten die Seite seit geraumer Zeit vernachlässigt. Erst als dies öffentlich kommentiert wurde, hätten sie wieder begonnen, Google+ zu nutzen. Und Googles Chairman und Ex-CEO Eric Schmidt habe seinen ersten Google+-Eintrag erst zum Tod von Apple-Gründer Steve Jobs abgesetzt – drei Monate nach dem Start von Google+. Die Features, die Google+ von Facebook abgegrenzt hätten, wie das Sortieren von Kontakten in Circles, seien von Facebook schnell kopiert worden. Nun gebe es keinen Grund mehr, Google+ Facebook vorzuziehen. Das Social Network Google+ habe es nicht verstanden, den anfängliche Rausch in nachhaltige Begeisterung zu verwandeln. Darum, so die Schlussfolgerung, sei Google+ dem Untergang geweiht. Wahrscheinlich gibt es nicht wenige unter den 40+ Mio. Google-Plussern, die das ganz anders sehen.

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