Papst rüffelt Erotik-Inhalte im Internet

Die Aufregung um Sex-Literatur bei Weltbild.de geht weiter. Jetzt hat sich Papst Benedikt XVI. eingeschaltet und sich gegen die Verbreitung “von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet” ausgesprochen. Damit zielt er auch auf die Verlagsgruppe Weltbild, die mehrheitlich den deutschen Diözesen gehört. Hintergrund: Medien hatten darüber berichtet, dass es bei Weltbild.de auch Bücher mit erotisch expliziten Inhalten zu kaufen gibt.

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So titelte die katholische Zeitschrift Pur unlängst “Bischöfe als Porno-Produzenten?” Welt Online veröffentliche den Artikel des Pur-Chefredakteurs Bernhard Müller im Netz unter der Überschrift “Katholische Kirche macht mit Pornos ein Vermögen”. Auch andere Zeitungen und Fachmedien wie der Buchreport berichteten ausführlich. Im Kern geht es darum, dass man über den Online-Shop bei Weltbild.de auch Bücher mit expliziten erotischen Inhalten, u.a. von dem Hamburger Verlag Blue Panther Books (“Schlampen-Internat”, “Vögelbar”, “Anwaltshure”) erwerben konnte.

Solche Bücher zu verkaufen, während das Oberhaupt der katholischen Kirche auf seinem jüngsten Deutschland-Besuch forderte, die Kirche müsse sich “entweltlichen”, will nicht recht zueinander passen. Ende Oktober reagierte Weltbild auf die Vorwürfe und erklärte, man biete keine Pornografie an, da Pornografie ein “rechtlich eindeutig definierter Begriff sei”. Das erinnert freilich ein ganz kleines bisschen an die Aussage von Ex-US-Präsident Bill Clinton, der erklärte, er habe keinen Sex mit Monica Lewinsky gehabt, weil er Oral-Verkehr nicht als Sex definierte.

Im Übrigen drohte man bei Weltbild “Verleumdern” mit rechtlichen Schritten und verschärfte den Suchfilter im Onlineshop, so dass Suchanfragen nach Begriffen wie “Sex” oder “Porno” ins Leere führten. Auch die Bücher von Blue Panther Books wurden aus dem Sortiment genommen.

Die Weltbild-Geschäftsführung versuchte außerdem dem Eindruck entgegenzuwirken, man verdiene “mit Pornos Millionen”. Erotische Bücher hätten 2011 einen Umsatzanteil von weniger als 0,017 Prozent bei Weltbild.de gemacht. Allerdings gibt es nachvollziehbare Zweifel, ob Weltbild da die erotisch ebenfalls expliziten Bestseller von Charlotte Roche, die weiter im Sortiment sind, eingerechnet hat.

Die Augsburger Verlagsgruppe ist in der berühmten Glaubwürdigkeitsfalle aus der es im Prinzip nur zwei Möglichkeiten raus gibt: Entweder man trennt sich komplett von erotisch expliziter Literatur und nimmt entsprechende Umsatz-Einbußen in Kauf. Oder Weltbild wird doch noch verkauft und darf in Ruhe weiter schmuddeln. Um im Duktus von Papst Benedik XVI. zu bleiben: Enweder Weltbild wird entweltlicht. Oder die katholische Kirche wird entweltbildlicht. Das aktuelle Papst-Wort in der Sache und das Rumoren an der erzkatholischen Basis könnte darauf hindeuten, dass die Zeichen bald auf Verkauf stehen.

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