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Bitte hineinspaziert!

Der angekündigte Start der deutschen Versionen von Huffington Post und Wall Street Journal hat Fragen aufgeworfen: Was versprechen sich die Amerikaner vom deutschen Onlinemarkt? Und: Müssen sich die deutschen Verleger nun fürchten, weil die Amis alles besser können als sie? Die Antwort auf die zweite Frage lautet: Fürchten müssen sie sich nicht. Aber: Was den Umgang mit Onlinemedien angeht, können deutsche Anbieter sich sehr wohl eine Scheibe von den Neuankömmlingen abschneiden.

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Der angekündigte Start der deutschen Versionen von Huffington Post und Wall Street Journal hat Fragen aufgeworfen: Was versprechen sich die Amerikaner vom deutschen Onlinemarkt? Und: Müssen sich die deutschen Verleger nun fürchten, weil die Amis alles besser können als sie? Die Antwort auf die zweite Frage lautet: Fürchten müssen sie sich nicht. Aber: Was den Umgang mit Onlinemedien angeht, können deutsche Anbieter sich sehr wohl eine Scheibe von den Neuankömmlingen abschneiden.

DRadio Wissen Moderatorin Rebecca Link hatte mich zu dem Thema "Hilfe, die Huffington Post kommt" interviewt. Meine Aussage war im Kern: Fürchten müssen sich die deutschen Nachrichtenportale vor der HuffPo sicherlich nicht. Dazu vertrauen deutsche Onlinenutzer bisher weitgehend auf die starken Marken im Netz, von Bild.de über Spiegel Online bis zu sueddeutsche.de. Der Aufbau neuer General-Interest-Medienmarken im Netz, wie etwa Holtzbrincks Zoomer, schlug bisher fehl bzw. wurde vorzeitig abgebrochen. Blogs haben in Deutschland nicht den Stellenwert und die Relevanz, die sie beispielsweise in den USA haben. Die Frage ist nur: Ist das so, weil die bestehenden Angebote so gut und umfassend sind?

Die Antwort lautet Jein. Ja, weil der deutsche Medienmarkt den Lesern und Zuschauern im Vergleich zu anderen Medienmärkten ein gutes Angebot macht. Der Bedarf an einem Angebot der Gegenöffentlichkeit oder zumindest an einem verlagsfremden und konzernunabhängigen Angebot ist noch nicht so ausgeprägt wie etwa in Frankreich, wo etwa das kostenpflichtige Mediapart.fr etablierten Medien erfolgreich Konkurrenz macht. Natürlich werden auch von den deutschen Platzhirschen nicht alle Interessensgebiete abgedeckt, gibt es an den bestehenden Angeboten einiges zu bemängeln, finden sich nicht alle Nutzer überall wieder. Das versteht sich von selbst.

Es ist aber auch richtig, dass die führenden deutschen Nachrichtenangebote im Netz Ableger von Printmedien sind, die das Wort Innovation erst buchstabieren lernen mussten. Richtig viele richtig ernst gemeinte Alternativangebote zu den etablierten Marken hat es für den deutschsprachigen Markt bisher kaum gegeben. Was natürlich auch und vor allem finanzielle Gründe hat: Wenn sich schon die bekannten Marken im Netz mehr schlecht als recht refinanzieren lassen, so der Gedankengang, warum sollten es dann unbekannte Marken, die erst noch mit großem Aufwand beworben werden müssten? Da ist natürlich was dran. Und trotzdem könnte sich diese konzeptionelle Pasivität irgendwann rächen.

Aus Sicht des Medienbeobachters ist der geplante, aber bisher nicht konkret terminierte Start der deutschsprachigen HuffPo darum eine gute Nachricht. Dies ungeachtet der Tatsache, dass die HuffPo auf ihrer Startseite ein wildes Durcheinander von Beiträgen serviert, mit teilweise atemberaubendem Qualitätsgefälle. Gerne wird berichtet, dass die HuffPo die New York Times im Netz an Reichweite überholt hat. Das ist kein kleiner Erfolg. Das konsistentere und vom Qualitätsniveau bessere Angebot bleibt die New York Times. Und doch: Eine HuffPo könnte im Idealfall auch in Deutschland zu einem Alternativmodell für den Nachrichtenjournalismus werden. An dem könnte sich die Medienkritik dann ja immer noch abarbeiten, wenn Tatsachen geschaffen wären.

Lässt sich etwas von den Amerikanern lernen? Im Printjournalismus vermutlich nicht mehr so viel. Im Onlinejournalismus dann aber doch einiges. Zum Beispiel: Amerikanische Anbieter haben mehr Erfahrung im Aufbau von neuen Onlinemarken, siehe Slate.com, das einst von Microsoft gegründet und dann von der Washington Post übernommen wurde, Salon.com oder Politico. Sie sind findiger, wenn es um die Erschließung neuer Märkte und Nischen im Netz geht. Auch, weil der Leidensdruck durch das erodierende klassische Mediengeschäft größer als in Deutschland ist. Die Amerikaner sind auch entschlossener im Aufbau von Bezahlschranken verschiedenster Bauart. Das Wall Street Journal war der Vorreiter, mittlerweile haben eine Vielzahl von US-Zeitungen Bezahlmodelle im Netz aufgesetzt, zuletzt u.a. der Boston Globe. Konzerne wie die New York Times Co. stecken mehr Geld in Forschung und Entwicklung. Sie nehmen Technologie ernster und die Möglichkeiten, die sich für den Journalismus eröffnen. Die HuffPo hat schließlich wie kaum ein anderes Angebot auf die Einbindung von Social Media gesetzt. Die Rolle, die soziale Medien in Zukunft für den Journalismus spielen können, wird hierzulande tendenziell noch unterschätzt. Social Media Kanäle dienen in der Regel als zusätzliche Klicktreiber. Der mögliche inhärente Wert der Rückmeldungen wird gerne ignoriert.

Kommt die HuffPo also tatsächlich nach Deutschland, steht dahinter ein ernsthafter Versuch, sich etablieren zu wollen und wird ein glaubwürdiger Partner für das Vorhaben gefunden, lauteten die Kernbotschaften: Die HuffPo sieht für sich eine Lücke im digitalen Medienangebot, sie verspricht sich ein profitables Werbegeschäft und sie vertraut darauf, dass sie Online-Journalismus anders macht und vermarktet als etablierte Angebote. So viel Optimismus mag im onlineskeptischen deutschen Medienmarkt übertrieben wirken. Zu begrüßen ist er aber allemal.  
 

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