Bundeswehr auf Facebook: For You, Vor Ort

Erinnerungen an Schleckers Unterschichten-Kampagne werden wach: Die Werbekampagne für den freiwilligen Wehrdienst auf Facebook stößt bei Militär und Opposition auf Kritik. Anstoss erregt dem Focus zufolge die Wortwahl: „Bei uns erhalten Sie Ihre Chance – auch unabhängig von Ihrer schulischen Qualifikation“. Der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour, sagte dem Focus: „Wir laufen Gefahr, ein Unterschichtenmilitär aufzubauen, das auch die Falschen anziehen könnte.“

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Das kritisierten auch Mitglieder der Bundeswehr. Nouripour fordert, die Bundeswehr müsse einen Querschnitt der Gesellschaft repräsentieren und auch qualifizierten Schulabgängern Perspektiven bieten. 

Genauer heißt es auf der Karriere-Fanpage der Deutschen Bundeswehr: “Bei uns erhalten Sie Ihre Chance – auch unabhängig von Ihrer schulischen Qualifikation. Wenn Sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, wenn Sie engagiert, flexibel und belastbar sind, wenn Sie bereit sind, spannende und abwechslungsreiche Aufgaben im In- und Ausland zu übernehmen – dann haben wir einen Job für Sie. Ihre Chance, Karriere bei der Bundeswehr zu machen – mit attraktivem Gehalt, viel Teamwork sowie zahlreichen Weiterbildungs- und Aufstiegschancen.”

In den Augen der Bundeswehrkritiker liest sich das wie: “Du hast keine Ahnung, was Du mit Deinem Leben anfangen willst? Kein Problem: Bei uns gibt’s warmes Essen und ‘ne Knarre in die Hand.”

Die Debatte kommt für die Bundeswehr zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Die Wehrpflicht wurde 2010 ausgesetzt. Man ist also auf gut qualifizierte Bewerber angewiesen. Deswegen gibt sich die Bundeswehr auf der eigenen Webseite als moderner Arbeitgeber. Soldaten berichten von ihrem Studium, der Besucher kann sich allerlei Porträts über Berufe informieren.

Eine Kampagne, die in erster Linie auch schlecht gebildete junge Menschen ansprechen soll, will nicht ins Bild einer Bundeswehr passen, die in Zeiten eines Freiwilligenheers vor allem qualifizierten Schulabgängern eine Chance bieten will.

Parallelen zu Schleckers "For You. Vor Ort"-Kampagne drängen sich auf. Der Werbeslogan der Drogeriemarktkette sorgte für Kopfschütteln. Mitglieder des Vereins für Sprachpflege schickten der Drogeriemarktkette eine Unterschriftensammlung und kritisierten den denglischen Claim. „Schlecker hat nach einem neuen Unternehmensmotto gesucht. Dieses Motto sollte die durchschnittlichen Schlecker-Kunden, die niederen bis mittleren Bildungsniveaus zuzuordnen sind, ansprechen“, hieß es in einem Antwortschreiben an das Magazin Deutsche Sprachwelt, das der Verein für Sprachpflege herausgibt.

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