Hape hat keine Lust auf „Wetten dass ..?“

Es hat über zwei Stunden am Samstagabend gedauert, bevor Hape Kerkeling in der vorletzten "Wetten dass..?"-Sendung mit Thomas Gottschalk klarstellte, dass er definitiv keine Lust hat, dessen Erbe anzutreten. Wer die Sendung bis dahin verfolgte, musste leider erkennen, dass Kerkeling gute Gründe für seine Absage hatte. Seltsame Wetten, lustlose Stars, laue Witzchen und teils grauenerregende Show-Einlagen. Diese Sendung könnte auch ein Hape Kerkeling nicht retten.

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Dabei hat alles so viel versprechend angefangen. Kerkeling kam in seiner Paraderolle als Lokalreporter Horst Schlämmer auf die "Wetten dass..?"-Bühne und hatte das Publikum von Sekunde eins an voll im Griff. "Ich moderier das heute einfach mal so weg…", schnarrte er, und man nahm es ihm ab. Die paar Minuten Schlämmer waren dann auch schon der Höhepunkt der Sendung. Mit einigen wirklich lustigen Sprüchen zum "Wetten dass..?"-Moderatoren Hickhack ("Die Katzenberger werden se nicht kriegen, die is zu teuer".) Aber Kerkeling ist klug genug um zu wissen, dass die Nummer mit ihm und "Wetten dass..?" für ein, zwei Sendungen vielleicht funktionieren würde – aber nicht langfristig. Dafür ist das Konzept einfach zu ausgelutscht.

Das wurde allzu offensichtlich als Schlämmer abtrat und Thomas Gottschalk kam. Mit Otto und seinen 30 Jahre alten Witzen (die interessanterweise immer noch besser waren, als das meiste sonstige "Geplauder"), Wladimir Klitschko, Füllsel-Gäste wie Andrea Sawatzki, ein Mann, der durch Sitzen und Herumrutschen auf Klobrillen die Klosettmarke erkennen konnte ("Pressalit Raja Weiss"), eine Diplom-Hundepsychologin, die an Hundeatem roch, ein Kleinbus, der gezogen wurde, ein kleiner Italiener in schrillen Hosen, der mit einer Hand eine Sprossenwand erklomm, ein Mann, der unter Wasser einen Zauberwürfel blind zurechtdrehte (der wurde Wettkönig, falls das jemanden interessiert). Schön-Geiger David Garett fidelte diesmal zum Glück nicht (!) "Rockin all over the World" auf seiner Stradivari, sondern spielte artig was Klassisches, während Gottschalk dirigierte.

Zwischendurch trat Udo Lindenberg mit dem Jungmusiker Clueso auf, und es gab mit Ausschnitten aus einer obskuren "Batman"-Liveshow ungefähr tausend Gründe, sich KEINE Tickets für diesen hundserbärmlichen Mummenschanz zu kaufen. Dann durfte Hape Kerkeling ganz viel Werbung für sein "Kein Pardon"-Musical machen und schließlich kam er endlich, endlich aufs Sofa und der Moment der Wahrheit war gekommen – und ganz schnell wieder vorbei.

"Würden Sie die Nachfolge von Thomas Gottschalk antreten?", fragte der gestelzt. Die Antwort: "Nein". Es sei sehr schmeichelnd, dass "gefühlte 198 Prozent der Fernsehzuschauer" sich das vorstellen könnten, aber er wolle die Freiheit behalten, weiter Filme und Dokumentationen zu machen sowie Bücher zu schreiben. Gottschalk müde: "Ich sehe es ein." Klar, er macht sich ja auch vom Acker.

Kerkelings Begründung für seine Absage ist natürlich eine Ausrede. Gerade so, als ob er als "Wetten dass..?"-Moderator nicht noch andere Jobs hätte übernehmen können. Vielleicht hat er auch nur hinter Bühne das Trauerspiel dieser Sendung verfolgt und sich seinen Teil dazu gedacht. Man kann ja von RTLs "Supertalent" weiß Gott halten, was man will – der Dieter-Bohlen-Wanderzirkus, der parallel lief, ist ohne Zweifel die bessere, modernere Unterhaltungssendung.

"Wir reichen hier ’ne Sendung rum und keiner will se", sagte Gottschalk kurz vor Schluss. Ganz unrecht hat er da nicht. Die, die’s könnten, wollen nicht (Kerkeling) und die die wollen, können’s nicht (Pilawa, Kerner usw.). Vielleicht hätte er Dirk Bach als Wetteinsatz aufschwatzen soll, dass der, wenn er verliert, "Wetten dass..?" moderieren muss. Ganz am Ende gab es dann noch ein nettes Ständchen für den scheidenden Thomas Gottschalk von Udo Lindenberg und den Gästen der Show (außer dem einzigen richtigen Sänger Justin Timberlake, der musste zum Flieger).
Vielleicht hat Gottschalk ja eine Zukunft in der ARD. Für "Wetten dass..?" aber ist die Zeit abgelaufen. Die Show braucht gar keinen neuen Moderator. Die Luft ist raus. 

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