Siri: Apples unterschätzte Wunderwaffe

Es klang zunächst wie das müdeste "One more thing" aller Zeiten: Ein persönlicher Assistent mittels Sprachsteuerung – mehr hatte Apple nicht zu bieten? Zwei Wochen nach dem Start des neuen iPhone 4S hat sich der Wind schlagartig gedreht: Siri ist mit ihren lustigen Antwortvariationen längst Kult und wird nicht nur von der Tech-Szene geschätzt – auch Investoren erkennen langsam das Potenzial von Apples AI-Wunderwaffe. Android hätte am Feature auf Jahre zu knabbern, glaubt ein Kapitalgeber.

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Es klang zunächst wie das müdeste "One more thing" aller Zeiten: Ein persönlicher Assistent mittels Sprachsteuerung – mehr hatte Apple nicht zu bieten? Zwei Wochen nach dem Start des neuen iPhones 4S hat sich der Wind schlagartig gedreht: Siri ist mit ihren lustigen Antwortvariationen längst Kult und wird nicht nur von Tech-Szene geschätzt – auch Investoren erkennen langsam das Potenzial von Apples AI-Wunderwaffe. Android hätte am Feature auf Jahre zu knabbern, glaubt ein Kapitalgeber. Die New York Times sieht Potenzial im TV-Markt.

Eines muss man Siri lassen: Sie ist durchaus schlagfertig. Auf die nicht ganz ernst gemeinte Frage, ob Apples neuer persönlicher Assistent seinen Nutzer denn auch mögen würde, kontert Siri kühl: "Ich bin nicht fähig zu lieben. " Wäre das auch mal klargestellt.

Zu anderen Dingen ist Apples persönlicher Assistent auf Sprachbefehl durchaus in der Lage: Wetter- oder Aktienabfrage in zwei Worten, Zugverbindungen oder Telefonnummern können kinderleicht erfragt, selbst einfache Mails diktiert werden. Die Tech-Szene war nach anfänglicher Skepsis ziemlich begeistert. "Nach zwei Wochen hat Siri bereits mein Leben verändert", erklärt Business Insider Redakteur Ellies Hamburger euphorisch.

Siri greift Googles Kerngeschäft an – die Suche

Ähnlich angetan reagiert nun auch die andere Seite des Silicon Valley – nämlich die Geldgeber. "Apple hat mit Siri im mobilen Plattformen-Krieg vor Google nun mindestens  zwei Jahre Vorsprung", findet etwa der Venture Capitalist-Veteran Gary Morgenthaler. Warum? "Siri zeigt den Leuten, was möglich ist", erklärt Morgenthaler. Tatsächlich erschien ein regelmäßiges Sprechen mit dem Mobiltelefon vor Wochen noch undenkbar.   

In erster Linie zielt Siri auf einen Bereich ab, der bislang automatisch mit der manuellen Tastenabfrage verbunden war – die Internet-Suche, die Domäne von Google. Zwar bietet der wertvollste Internetkonzern der Welt mit Voice Actions selbst längst eine sprachgesteuerte Suchfunktion an – doch die kann es mit Apples intelligentem persönlichen Assistenten nicht aufnehmen, glaubt Morgenthaler: "Siri versteht, was gemeint ist. Es ist mehr als bloße Spracherkennung."

Kommt Siri-TV?

Damit könnte Siri in ganz anderen Lebensbereichen interessant werden. Etwa im Wohnzimmer, wo nicht nur das lästige Umschalten auf der Fernbedienung überflüssig, sondern auch eine ganz neue Suchgenauigkeit möglich werden könnte. Statt lange in der TV-Zeitschrift zu blättern, könnten Nutzern eines möglichen Apple-Fernsehers einfach fragen: Wann läuft der nächste Robert Redford-Film? Wer spielt morgen im Free-TV in der Champions League? Oder diktieren: Nehme die Tagesschau um 20 Uhr auf.

Ein mutmaßliches TV-Gerät von Apple, das Steve Jobs bei seinem letzten Treffen mit Walter Isaacson andeutete, erscheint mit Siri nicht nur logischer, sondern auch gleich weitaus wertvoller, wie die New York Times in der vergangenen Woche erörterte: "Es ist keine Frage, ob ein Apple TV kommt, sondern wann", legt sich die New York Times fest und berichtet, dass Apple bereits seit 2007 an einem Prototypen arbeitet.  

Steve Jobs‘ bedeutungsvolle Worte in der Biografie von Walter Isaacson erscheinen so noch einmal in einem anderen Licht: "Ich will einen integrierten Fernseher herstellen, der extrem einfach zu bedienen ist", wurde Jobs zitiert. "Er wird nahtlos mit allen anderen Apple-Geräten und mit iCloud synchronisiert. Es wird die einfachste Benutzerführung haben, die man sich denken kann." Die einfachste Benutzerführung haben, die man sich denken kann? Was wäre also einfacher als die Sprachassistentin Siri, die ausführt, was man ihr sagt?

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