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Mobile: für Verlage erstmal nur ein Mini-Markt

Bei der Jahreskonferenz des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) stellte Geschäftsführer Wolfgang Fürstner eine Reihe von Studienergebnissen zum Zustand und Ausblick der Branche vor. Die zentrale Botschaft: Zeitschriften geht es gut. Der Umsatz der im VDZ organisierten Verlage bewegt sich stabil bei rund sieben Mrd. Euro. Das stärkste Wachstum sehen Verlage wenig überraschend bei Mobile und Internet. Wobei das Hype-Thema Mobile eine kleinere Rolle spielt, als man vermuten könnte.

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Einer der interessantesten Charts, die Fürstner bei der VDZ-Jahrespressekonferenz präsentierte, war die Umsatzstruktur der Zeitschriftenverlage, die auf Daten einer gemeinsamen Studie von VDZ und der Beratungsgesellschaft KPMG beruht. Demnach sinken die Umsatzanteile von Anzeigen und Vertrieb mit den Jahren leicht – das war zu erwarten. Auch dass Internet und Mobile steigen, ist keine Überraschung – das Wie aber schon. So wird laut der Studie eine dynamischere Entwicklung bei den Internet-Erlösen als bei Mobile vorhergesagt. Der erwartete Umsatzanteil Mobiler Dienste wächst laut den Prognosen von 2012 bis 2014 gerade mal von ein auf zwei Prozent, während Internet im gleichen Zeitraum von neun auf elf Prozent zulegt. Diese doch sehr nüchterne Einschätzung des kurzfristigen Erlöspotenzials von Mobile ist bemerkenswert.

So verwundert auch kaum, wie die Zeitschriftenverlage ihre Prioritäten setzen. Absolute Top-Prioritäten für 2012 sind laut der VDZ-Herbstumfrage die Stabilisierung und der Ausbau von Vertriebs- und Anzeigenerlösen, die nach wie vor den absoluten Löwenanteil der Umsätze beisteuern. Wobei der Fokus hier ganz klar auf “Stabilisierung” liegt – zumindest branchenweit. Denn wie wir im Charts Umsatzstruktur gesehen haben, befinden sich sowohl Vertriebs- als auch Anzeigenerlöse branchenweit tendenziell im leichten Sinkflug. Diesen Sinkflug gilt es so lange wie möglich aufzuhalten oder zumindest abzubremsen. getreu der Devise: “Less down is the new up.” Gleich danach folgt auf der Prioritätenliste der Ausbau digitaler Geschäftsfelder mit redaktionellem Content, gefolgt von Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter, Rationalisierungsmaßnahmen und Kooperationen. Am Ende der Prioritätenliste steht ein Ausbau des Auslandsgeschäfts und ein Ausbau der digitalen Geschäftsfelder ohne redaktionellen Content.

Die Umfrage spiegelt damit auch wider, dass die meisten VDZ-Mitglieder eben doch keine Großverlage mit starkem internationalen Geschäft und vielfältigen Digital-Beteiligungen sind, sondern eher mittelständische Betriebe, die ganz und gar sich auf ihren inländisch produzierten Inhalte verlassen müssen. Die Branche besteht eben nicht nur aus Gruner + Jahrs und Axel Springers.

Und noch eine gute Nachricht für alle Print-Enthusiasten hatte Wolfgang Fürstner im Gepäck: Laut der Studie Kids Verbraucher Analyse würden 96 Prozent der befragten Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren angeben, in ihrer Freizeit in Zeitschriften zu schauen. Nun könnten böse Zungen meinen, solche Studien hätten vielleicht nur den Charakter einer Beruhigungspille für leidgeprüfte Print-Verleger. Also bitte merken: Bei Einnahme solcher Beruhigungs-Daten in statistischer Form gilt – zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie bitte ihre (ungeschönte) Auflagenstatistik und den aktuellen Geschäftsbericht.
Hier gibt es alle Charts der VDZ-Jahrespressekonferenz als PDF
Hier gibt es die komplette Rede von VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner als PDF

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