P7S1: Werbung ist nicht mehr alles

ProSiebenSat.1 steigt mit 29 Prozent bei dem Social-Network meetOne ein - eine Mischung aus Dating- und Spieleportal. Das wurde bei der Präsentation der Zahlen für das dritte Quartal 2011 bekanntgegeben. Die Entscheidung passt zur Strategie von P7S1-Chef Chef Thomas Ebeling, der die Gruppe unabhängiger von der Werbung machen will. Bis 2015 soll fast die Hälfte des Umsatzes von außerhalb des deutschsprachigen TV-Werbegeschäftes kommen. Ebeling wittert zusätzliche Umsätze in Höhe von über 750 Mio. Euro.

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Bei all dem darf man nie vergessen, dass ProSiebenSat.1 ein börsennotierter Konzern ist, dem zwei Finanzinvestoren (Permira und KKR) im Nacken sitzen. Darum ist das Unternehmen quasi unter Dauerstress, eine glaubwürdige Wachstumsstory zu liefern, um den Aktienkurs anzuheizen und den Investoren irgendwann einen lukrativen Ausstieg zu ermöglichen. Alleine mit der hiesigen TV-Werbung lässt sich so eine Wachstumsgeschichte ganz offenbar nicht mehr erzählen.

Ein (wenn auch kleiner) Baustein für die Fantasie kann die Beteiligung bei meetOne.com sein. Das Hamburger Startup ist erst seit dem ersten Quartal 2011 aktiv. Bei meetOne sollen Nutzer chatten, flirten und online spielen können. Basisdienste werden gratis angeboten, wer mehr will, muss zahlen. Nach eigenen Angaben haben sich bisher über 200.000 Leute bei meetOne registriert. ProSiebenSat.1 hatte mal mit den Lokalisten ein einstmals heißes Eisen unter den Social Networks im Feuer, das aber in Zeiten von Facebook nur noch dahindümpelt. meetOne heißt nun die neue Digital-Hoffnung.

Die TV-Werbe-Umsätze in Deutschland stagnieren eher, teilte Ebeling bei der Quartals-Konferenz der Sendergruppe mit. Im besonders umsatzträchtigen Segment Food seien sie sogar gesunken. Ebeling macht dafür u.a. Preissteigerungen bei White-Line-Produkten (Milchprodukte) und gestiegene Rohmaterialpreise bei der Nahrungsmittelindustrie verantwortlich.

Trotzdem: Werbung im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) machte auch im dritten Quartal 2011 immer noch 413,9 Mio. von insgesamt 594,5 Mio Euro Umsatz aus. Der Löwenanteil wird also schon noch mit Werbung im deutschsprachigen Raum erwirtschaftet, aber die ach so wichtige Börsenfantasie, die muss woanders her kommen. Eine kleine Erfolgsgeschichte hat die Gruppe da mit ihrem "Media for Revenue Share"-Modell geschrieben. Das bedeutet, dass Werbung nicht mit Cash, sondern auch mit Unternehmensanteilen bezahlt werden kann. Hier meldet ProSiebenSat.1 im dritten Quartal sechs neue Deals. Insgesamt sind es nunmehr 24 Unternehmen, an denen sich der TV-Konzern auf diese Art beteiligt hat, darunter auch der populäre Online-Schuhversender Zalando.

Was hier erwirtschaftet wird, wird nicht dem Segment Werbung zugeschlagen, sondern unter dem sperrigen Begriff "Diversifikation" verbucht. Hierunter fallen auch Umsätze mit Online-Plattformen oder Videospielen. "Diversifikation" wuchs im dritten Quartal beim Umsatz immerhin um knapp 14 Prozent auf 78,3 Mio. Euro. 2012 wird der unsägliche Begriff "Diversifikation" endlich eingemottet, ab dann heißt das "Neue Medien und verwandte Bereiche".

"There will be growth", "Es wird Wachstum geben", war ein Satz, den Ebeling in seiner Zahlenpräsentation gerne und oft wiederholte. In good old Germany rechnet Thomas Ebeling mit einem Wachstum in der Größenordnung des Marktes. Insgesamt wird der Konzern beim Umsatz im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Außerhalb Deutschland soll das Wachstum immerhin zweistellig sein und für 2011 wird es mit ziemlicher Sicherheit ein Rekordergebnis beim operativen Gewinn (EBITDA) geben. Ob all das reicht, um die Fantasie der Investoren ausreichend zu beflügeln, wird erst das nächste Jahr zeigen.

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