Anzeige

Bravo startet Aktion gegen Cybermobbing

Die nächste politische Aktion der Bravo: Nachdem die Jugendzeitschrift kurz nach der Fukushima-Katastrophe mit ihrem „Atomkraft nein Danke“-Poster zum ersten Mal eine politische Botschaft an die Wände von Deutschlands Kinderzimmern brachte, legt Chefredakteur Philipp Jessen jetzt nach. Zusammen mit der Familienministerin Kristina Schröder startet das Magazin eine große Aktion gegen Cybermobbing. Dieses Projekt ist der nächste Schritt in Jessens Bestreben, die Bravo fit für die Zukunft zu machen und im Kampf gegen die kostenlose Echtzeit-Konkurrenz aus dem Web zu bestehen.

Anzeige

Denn wie kaum ein anderes Print-Segment haben Jugendzeitschriften mit teils kräftigen Auflageneinbrüchen zu kämpfen. So verlor die Bravo im dritten Quartal 15 Prozent ihrer Gesamtauflage. Aktuell verkauft das Bauer-Magazin noch 409.885 Exemplare pro Woche.

Damit schlagen sich die Münchner im Vergleich zur Konkurrenz noch beachtlich. Der einstige große Rivale Popcorn kommt nur noch auf einen Gesamtverkauf von 186.801 Exemplaren. Innerhalb von fünf Jahren verlor das Magazin 41 Prozent seiner Verkäufe. Bei den meisten Konkurrenten sieht es kaum besser aus.

Der Grund dafür, dass seine Zeitung bislang so vergleichsweise glimpflich durch die Krise steuerte, sieht Jessen darin, dass es frühzeitig gelang, die Bravo zu öffnen und den neuen Begebenheiten mit einer massiven Internet-Konkurrenz anzupassen. So ist die Erzählweise viel emotionaler geworden, jeder Artikel verbindet eine Geschichte mit Service-Elementen, die es beispielsweise so bei den Web-Rivalen nicht gibt. Zudem wurde die Anzahl der exklusiven Storys kräftig erhöht.

Die Logik dahinter ist klar: Nur eine exklusive Story kann nicht zuerst im Web stehen. Denn die Jugend-Magazine, genauso wie die People-Hefte, leiden darunter, dass immer mehr Stars via Twitter und Facebook selbst ihre Nachrichten verbreiten. Sie glauben, die Presse nicht mehr zu brauchen, um ihre Fans zu erreichen. „Der Preis, den sie dafür zahlen, ist allerdings, dass sie ihre Unnahbarkeit verlieren. Das halte ich für einen Fehler“, sagt Jessen gegenüber MEEDIA. „Ein wichtiger Teil des Star-Phänomens ist die Unerreichbarkeit der Sänger und Schauspieler.“

Aber auch die ernsten Themen rückte der Blattmacher stärker in der Fordergrund: So thematisierte die Bravo den Tod von Steve Jobs mit einem eigenen Poster und engagiert sich nun im Kampf gegen Cybermobbing.

Mit der Ministerin hat Jessen offenbar die richtige Ansprechpartnerin gefunden, denn in dem Interview konnte sie sehr konkret erklären, wie sich Facebook-Beleidigungen von Twitter-Beschimpfungen unterscheiden. „Bei Twitter wurde ich mehrfach unter der Gürtellinie angegriffen. Meiner Erfahrung nach fällt es bei Twitter leichter zu mobben als bei Facebook“, sage die Ministerin der Bravo. „Ich denke, es liegt daran, dass man bei FB zurückverfolgen kann, wer was geschrieben hat. Bei Twitter kann sich jeder hinter seinem Fantasienamen verstecken.“

Den eigenen Informationsvorsprung in Sachen Star-News erkämpfen sich die Münchner meistens dadurch, dass sie sich bereits frühzeitig mit Platten- und Film-Firmen exklusive Zugänge zu potentiellen Stars sichern und indem sich die Redaktion auf den eigenen Riecher verlässt. So erkannte Jessen schon früh das Potential des späteren DSDS-Siegers Pietro Lombardi und brach mit dem alten Bravo-Grundsatz, nicht über Castings-Stars zu berichten. Der Erfolg gibt Jessen Recht. Zu den Top-Sellern des Jahres gehören einige DSDS-Titel.

Allerdings bleibt die Titelwahl jede Woche die wohl wichtigste redaktionelle Entscheidung. „Mit der falschen Zeile oder dem falschen Star verliert man gleich zwei volle Fußballstadien an Lesern“, erklärt der Blattmacher. Gerade bei Bravo ist der Titel von immenser Wichtigkeit. Immerhin macht der Kaufpreis einen nicht kleinen Teil des Taschengeldes aus. „Unsere Zielgruppe ist noch immer bereit für ein Print-Produkt zehn bis 20 Prozent seines Budgets auszugeben. Das gibt es in keinem anderen Segment“.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige