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Anschlag auf Satiremagazin Charlie Hebdo

Unbekannte haben in der Nacht zum Mittwoch einen Anschlag gegen die Redaktion des französischen Satire-Magazins Charlie Hebdo verübt. Mit einem Molotow-Cocktail wurden die Redaktionsräume verwüstet. In einer Sonderausgabe zum Ausgang der Wahlen in Tunesien hatte das Blatt kurzerhand den Propheten Mohammed zum fiktiven Chefredakteur ernannt und eine Karikatur auf dem Cover abgebildet. Es war nicht das erste Mal, dass sich die Satiriker mit der islamischen Welt angelegt hat.

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Verletzt wurde offenbar niemand. Der Brand wurde mittlerweile gelöscht, der Schaden war verheerend. "Alles ist zerstört", zitiert die Rheinische Post Patrick Pelloux, einen Kolumnisten der Zeitschrift. Wie mehrere Nachrichtenagenturen berichten, hatte die Redaktion bereits im Vorfeld über Twitter und Facebook Drohungen erhalten.

Der Hintergrund: Die islamistische Ennahdha-Partei hatte wenige Tage zuvor mit großem Abstand die ersten freien Wahlen in Tunesien gewonnen. Die Redaktion von Charlie Hebdo produzierte daraufhin eine Sonderausgabe, auf dessen Cover eine Karikatur des Propheten Mohammed zu sehen ist. Das Problem mit der Zeichnung: Im Islam ist die Abbildung des Propheten verboten.

Damit nicht genug: Die Zeitschrift nannte sich kurzerhand in Scharia Hebdo um und ernannte einen fiktiven Mohammed zum Chefredakteur. Die Scharia ist das islamistische Rechtssystem, das unter gewissen Umständen Steinigungen und öffentliches Auspeitschen legitimiert.

Die Scharia-Ausgabe war offenbar ein Scherz, der nicht von allen mit Humor aufgenommen wurde. Dass sich das Satire-Magazin im Visier islamistischer Extremisten befindet, verwundert mit Blick auf die jüngere Vergangenheit allerdings kaum. So hatte Charlie Hebdo vor einigen Jahren in einer Sonderausgabe zwölf Karikaturen des Propheten, die zuvor in der dänischen Zeitung Jyllands-Posten erschienen waren, nachgedruckt und eigene Zeichnungen beigefügt. Die Extra-Ausgabe wurde am Kiosk mit 400.000 verkauften Exemplaren ein Hit.

Doch nach der Veröffentlichung in der dänischen Wochenzeitschrift musste der Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard um sein Leben fürchten. Die als Karikaturenstreit in die Geschichtsbücher eingegangene Kontroverse führte zu einer Welle anti-dänischer Gewalt in der muslimischen Welt.

Der Verband der islamischen Organisationen in Frankreich und die Moschee von Paris hatten das französische Satire-Magazin daraufhin verklagt. Die auf dem Höhepunkt des Karikaturenstreits veröffentlichte Sonderausgabe wäre ein „vorsätzlicher Akt der Aggression“ gewesen. Chefredakteur Philippe Val wurde im Laufe des medienwirksamen Prozesses freigesprochen.

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