Steinbrück-Spiegel: Cover als Spott-Objekt

Hat denn die Presse "kein anderes Thema als ein bescheuertes Schachbrett?". Diese Frage stellt sich Peer Steinbrück in diesen Tagen im Spiegel. Die Antwort lautete natürlich ja, was trotzdem einige Titel nicht davon abhält, weiter in Richtung Steinbrück und Helmut Schmidt zu sticheln. Als zu unangenehm empfanden viele Redaktionen die Medienoffensive der beiden. Nach der Schachbrett-Häme, die auch den Zeit-Titel nicht verschonte, nehmen sich FAS und Titanic jetzt den Spiegel vor.

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Denn auch das Hamburger Nachrichten-Magazin machte mit dem Alt- und dem potentiellen Neu-Kanzler auf. Die Zeile des Spiegel aus der vergangenen Woche bestand aus dem knappen Schmidt-Zitat "Er kann es" – offenbar eine Steilvorlage für die Titanic.

Das Spiegel-Cover (li.) und die Titanic-Version

Die Frankfurter Satiriker, die immer auf der Suche nach einem lustigen Hitler-Dreh sind, bauten die Titel ganz in ihrem Sinne um. Auf dem "historischen Spiegel-Titel 43/1932" sagt statt Schmidt nun Reichspräsident Paul von Hindenburg den Satz. Selbst den zweiten Story-Anriss auf dem falschen Spiegel-Cover änderte die Titanic. Im Original steht auf dem grünen Streifen "Libyen: Wie Gaddafi starb" und auf den Fake-Titel heißt es "Europa: Finanzkrise ohne Ende". Dieser Satz gilt wohl für 1932 und 2011. 

In FAS sagen Waldorf und Statler aus der Muppet Show: "er kann es"

Im Vergleich zum Hitler-Gag ging die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung subtil vor. Auf ihrer Titelseite ist auch der Spiegel zu sehen. Doch statt der Hamburger SPD-Politiker sind die beiden alten Lästermäuler Statler und Waldorf aus der Muppet-Show zu sehen. Auch sie meinen: "Er kann es."

Bei der FAS ersetzt der Satz sogar das Spiegel-Logo. Das ist insofern ein feiner grafischer Zug, weil so noch einmal zum Ausdruck gebracht wird, dass das Nachrichtenmagazin mit seiner Titelgeschaltung den Eindruck erweckte, als ob das Schmidt-Zitat die Meinung des Spiegels wiedergeben würde. Da ist es nur konsequent, wenn die Frankfurer das Logo zur Headline umfunktionieren.

Nach Meinung der FAS haben die beiden Alten allerdings eine Außenseitermeinung. Denn die Titelgeschichte dreht sich darum, dass SPD-Politiker die frühe Kandidaten-Kampagne kritisieren.

Hätte der Spiegel auf seinem Titelfoto kein Schachbrett gehabt, hätte er die Kritik wohl schon hinter sich. In der vergangen Woche konzentrierte sich die Kollegen-Häme noch auf die Zeit und das Spielbrett. Sowohl auf dem Titel der Wochenzeitung wie auch auf dem gemeinsamen Buch von Steinbrück und Schmidt sitzen die beiden Politiker vor einem Schachtisch. Wie das Hamburger Abendblatt feststellte, steht das Spielfeld um 90 Grad falsch. "Früher, als die Welt noch in Ordnung war, haben sich Agenturen bei derartigen Shootings Experten zur Seite geholt. Links außen, Schachspieler nennen diese Quadrate bei Weiß a1 und bei Schwarz h8, sind die Felder schwarz und eben nicht weiß."

Das Abendblatt spricht deshalb von einer "Foto-Blamage", die Kollegen von Stern.de gar vom "Schachbrett-Gate" und die Frankfurter Allgemeine Zeitung erklärte die vergangen Tage flugs zur "Woche eines Schachbretts".

Um der Peinlichkeit zu entgehen, auch das fehlerhafte Foto zu drucken, bediente sich die Hamburger Wochenzeitung eines einfachen Kniffs: Sie tauschte den Originaltisch aus dem Bild aus und montierte einen neuen in die Optik.

Nach den Diskussionen über die Spiegel- und Zeit-Cover wird es in dieser Woche sicherlich wieder ruhiger werden. Denn zumindest das Nachrichten-Magazin setzt auf einen weichen, statt einen politischen Titel. Diesmal geht es um "Schlaflosigkeit: Wenn die Nacht zum Alptraum wird". Das Heft wird weniger polarisieren und sich wahrscheinlich – wie oft bei weichen Medizinthemen – sogar besser verkaufen.

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