Reiter ignorierte Warnungen beim MDR

Der am Montag in den Ruhestand scheidende MDR-Intendant Udo Reiter übernimmt die "politische Verantwortung" für die Skandale in seinem Leipziger Sender, sieht aber keine "persönliche Schuld". Seine Nachfolgerin Karola Wille habe als stellvertretende Intendantin in der Vergangenheit "immer wieder warnend ihre Stimme erhoben, konnte sich damit aber nicht immer durchsetzen", sagte Reiter selbstkritisch dem Spiegel. "Ich war der Chef und habe die Richtlinien vorgegeben."

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Sein Fehler sei wohl gewesen, dass er die "hemdsärmelige Aufbruchstimmung" der MDR-Gründerjahre "früher hätte beenden müssen". Führende Mitarbeiter hätten ihn früh gewarnt, man müsse das Controlling des Senders verbessern, gab er gegenüber dem Spiegel zu. "Ich habe zu wenig darauf gehört – im Nachhinein betrachtet", so Reiter, der allerdings viele der vermeintlichen MDR-Affären für aufgebauscht und lange nicht so skandalträchtig hält, "dass man dafür ins Kloster gehen müsste". Nur ein Fall "quält" den 67-Jährigen: der Betrug beim Kinderkanal. "Ja, das war ein Skandal, und es ärgert mich gewaltig, dass er diesen schönen kleinen und erfolgreichen Sender so beschmutzt hat."
Seine Nachfolgerin Karola Wille sei nun "ihr eigener Chef. Und sie ist die Richtige für die Zukunft des MDR". Es gebe "sicher auch im MDR Leute, die sich freuen, dass ihr Sender künftig von einer Frau aus Ostdeutschland geführt wird statt von einem hergelaufenen Wessi. Flapsig gesagt ist die Besatzungszeit mit dieser Stabübergabe endgültig vorbei. Mit mir geht der letzte der alten ARD-Elefanten."
Kurz vor seinem Ausscheiden konnte Reiter noch Thomas Gottschalk für eine Vorabend-Show in der ARD gewinnen. Dort soll der langjährige "Wetten, dass..?"-Moderator eine Mischung aus Tagesaktualität, Comedy, Interviews und Show abliefern. "Wir müssen sehen, ob das deutsche Publikum auf so was anspringt. Und natürlich ist der Sendeplatz um 19.30 Uhr einer der schwierigsten überhaupt. Aber den bisherigen Marktanteil wird er verdoppeln, davon bin ich überzeugt. Es ist ein Experiment." Ein TV-Mann wie Dieter Bohlen hingegen käme für die ARD nie in Frage. "Derart skrupellose Formate" gebe es im Ersten nicht.

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