E-Verlage – das neue Schreckgespenst

Am Horizont taucht gerade ein neues Schreckgespenst für traditionelle Buchverlage auf: die E-Verlage. Online-Riese Amazon und Newcomer Kobo machen es vor. Online-Händler und Betreiber von E-Book-Plattformen beschränken sich nicht länger auf die Rolle als Verkäufer, sondern drängen ins Stammgeschäft der Verlage. Dabei werden aktiv Autoren angeworben und Bücher nicht nur als E-Book, sondern auch ganz klassisch gedruckt verlegt.

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Am Horizont taucht gerade ein neues Schreckgespenst für traditionelle Buchverlage auf: die E-Verlage. Online-Riese Amazon und Newcomer Kobo machen es vor. Online-Händler und Betreiber von E-Book-Plattformen beschränken sich nicht länger auf die Rolle als Verkäufer, sondern drängen ins Stammgeschäft der Verlage. Dabei werden aktiv Autoren angeworben und Bücher nicht nur als E-Book, sondern auch ganz klassisch gedruckt verlegt.

Laut der New York Times wird allein Amazon in den USA in diesem Herbst 122 Bücher selbst verlegen. Amazon hat inzwischen sechs eigene Labels, unter denen Bücher verschiedener Genres herausgebracht werden, und zwar sowohl als E-Book als auch als Print-Ausgaben. Die New York Times zitierte den stellvertretenden Buchchef von Amazon mit den Worten: "Die Einzigen, die im Verlagswesen noch nötig sind, sind der Autor und der Leser." Und Amazon, hätte er hinzufügen können, um die Kriegserklärung an die traditionelle Verlagswelt komplett zu machen.

Als ein Paradebeispiel für den Paradigmenwechsel in der Buchbranche gilt Penny Marshall. Schauspielerin und Regisseurin (u.a. “Eine Klasse für sich” mit Geena Davis und Madonna) hat ihre Autobiografie “My Mother is nuts” bei Amazon veröffentlicht, als E-Book und Hardcover. Angeblich soll sie dafür 800.000 Dollar an Vorschuss kassiert haben. Der Deal gilt als Beleg dafür, dass es Amazon ernst meint.

Und der Riese aus Seattle ist nicht länger allein. Während in Deutschland die Buchhandelskette Weltbild vor allem mit billiger Hardware Amazon Konkurrenz machen will, betritt ein zweiter ernsthafter Verlagskonkurrent die Bühne: Kobo. Die kanadische Firma ist mit einem guten E-Reader am Markt und hat eine respektable E-Book-Plattform aufgebaut. Jetzt hat Kobo-Chef Michael Serbinis angekündigt, dass auch Kobo im kommenden Jahr ins Verlagsgeschäft einsteigen wird und Autoren eine Art Rundum-Betreuung anbietet.

Firmen wie Amazon und Kobo arbeiten hart daran, die alten Verlage ein bisschen überflüssiger zu machen. Nach Lesart von Amazon behindern klassische Verlage mit ihrem Beharren auf der Buchpreisbindung und einer eher zögerlichen Digitalisierung das neue Geschäft mit dem elektronischen Lesestoff. Nicht umsonst setzt Amazon oft die Bemerkung “Der Verkaufspreis wurde vom Verlag festgesetzte” an die Bestellmöglichkeiten für E-Books. Der Kunde soll sehen, wem er den vergleichsweise hohen Preis für die Digitalversion verdankt.

Noch sind E-Books in Deutschland ein Nischenmarkt. Auf der Frankfurter Buchmesse war Amazon lediglich mit einem winzigen Stand vertreten. Die Botschaft, die von all dem ausgeht ist klar und deutlich: Die Verlage brauchen Firmen wie Amazon und Kobo dringender als umgekehrt. Die Frage ist nur, ob die Verlage diese Botschaft verstehen.

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