„Mit links kann man Auflage machen“

Der ehemalige Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Wolfgang Storz, setzt sich publizistisch gegen die Ex-SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier zur Wehr. Die Politikerin, die als Schatzmeisterin auch für die SPD-Medienholding ddvg verantwortlich war, die an der Rundschau Anteile hält, hatte Storz in einem Artikel angelastet, er habe keinen Beitrag zur Sanierung der Zeitung geleistet. Storz ist erstaunt, sich als "böser Bube" in einem "Märchen" wiederzufinden.

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Der Meinungsaustausch spielt sich auf den Seiten der Zeitschrift Neue Gesellschaft – Frankfurter Hefte ab. Die wird für die sozialdemokratische Ebert-Stiftung von SPD-Politikern wie Sigmar Gabriel und Anke Fuchs herausgegeben. Ihren Ausgang nahm die Diskussion in der Juli/August-Ausgabe der Neuen Gesellschaft. Dort berichtete der Publizist Rudolf Walther, die inhaltliche Neuausrichtung der FR inklusive Umstellung auf Tabloid-Format habe sich "katastrophal" ausgewirkt. Leser seien "in Scharen" vertrieben worden. Storz habe es zuvor vermocht, urteilte Walther, das "linke Profil zu schärfen" und das Auflagenminus zu stoppen. Der Chefredakteur verließ das Blatt 2006.

Ganz anders erinnerte sich darauf Wettig-Danielmeier in der September-Ausgabe der Zeitschrift: "Über das Wirken des Chefredakteurs Wolfgang Storz wird in verschiedenen Medien eine Legende gepflegt, die ihn als Opfer der intoleranten damaligen Mehrheitseigentümerin SPD darstellt. Tatsächlich lag der Fehler wohl darin, dass ihn die Karl-Gerold-Stiftung 2002 zum Chefredakteur gemacht hatte und von ihm den entscheidenden Beitrag zur Sanierung des Unternehmens erwartete, den er nicht leisten konnte." Die von Wettig-Danielmeier genannte Stiftung war bis zum Gesellschafterwechsel die Mehrheitsgesellschafterin der FR und hält heute noch zehn Prozent an dem Verlag.

Storz wertet seinerseits in der November-Ausgabe der Neuen Gesellschaft die "schwurbelige Formulierung" als Vorsichtsmaßnahme, "um einer Gegendarstellung, wahlweise einer Klage wegen Rufschädigung formal zu entgehen". Denn unter seiner Führung hätte die Redaktion den "ständigen Rückgang der Auflage" nicht nur gestoppt: "Seit Sommer 2005 stieg die faktische harte Abonnenten-Auflage leicht, aber kontinuierlich, die Reichweite laut AWA erheblich an. Obwohl das Monats-Abonnement in den Jahren 2003 bis 2005 von 24 auf 30 Euro drastisch verteuert worden ist. Mit links kann man also Auflage machen." Und das bei einem laut Storz "ständigen Spar-Prozess" seit 2003, bei dem der Redaktionsetat von 32 auf 22 Millionen Euro bis Ende 2005 gekürzt worden sei. Von 270 Beschäftigten in der Redaktion seien 170 geblieben. Storz´ Fazit: "Die Redaktion hat unter meiner Leitung einen entscheidenden Beitrag zur Sanierung des Blattes geleistet." Diesen Erfolg habe "sogar der Verlag unter dem neuen Mehrheitseigentümer Neven DuMont nach einem leider erbitterten einjährigen Rechtsstreit anerkennen" müssen, schreibt Storz.

Fortgesetzt wird der muntere Gedankenaustausch derweil wohl nicht. Die Redaktion der Neuen Gesellschaft schreibt in einer Einleitung zum Storz-Text: "Wir schließen damit die Debatte ab."
 

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