Peer Steinbrücks Fan-Flaute bei Facebook

Der potenzielle SPD-Kanzlerkandidat macht mobil: Im Sommer brachte er sich in Stellung, im Herbst geht er nun mit Altkanzler Helmut Schmidt auf große PR-Tour - Steinbrück mit Buch, Steinbrück im Spiegel, Steinbrück bei Günther Jauch. Nur in den neuen Medien sieht der 64-Jährige ziemlich alt aus: Steinbrück hat keinen Twitter-Account und kommt bei Facebook auf ganze 5500 Fans. Noch erstaunlicher: Im Gegensatz zu Parteikollege Frank-Walter Steinmeier tritt Steinbrück bei Facebook nicht mal in der ersten Person auf.

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Die große Bühne ist für Peer Steinbrück bereitet. Schon wieder ein neues Buch. Schon wieder ein großes Spiegel-Interview. Schon wieder Talkshow-Präsenz im großen Stil – doch diesmal sogar mit Helmut Schmidt, dem Altkanzler, dem Kultkanzler. "Er kann es", sagt Schmidt: mehr Ritterschlag auf dem Weg zur eigenen Kanzlerschaft geht nicht – Peer Steinbrück wirkt wie ein Streber auf der Schulbank, als sein Hamburger Siez-Freund den ehemaligen Bundesfinanzminister endgültig für Höheres berufen sieht.

Der Zuspruch vom Volk ist dem 64-Jährigen dann tags darauf gewiss:  "Grandioser Auftritt gestern!" erklärt ein Unterstützer bei Facebook. "Interessante Sendung. Er kommt immer am glaubwürdigsten rüber von allen anderen Politikern", meint ein anderer Zuschauer im weltgrößten Social Network. Während eine weitere Nutzerin Steinbrück auf die Pinnwand postet: "Sehr geehrter Herr Steinbrück, hätte jetzt nicht gedacht, dass ich Sie bei Facebooke finden werde."

Fanpage: "Die Seite wird durch das Team von Peer Steinbrück bearbeitet"

So geht es offenbar vielen Steinbrück-Fans: Der ehemalige Bundesfinanzminister ist durchaus mit eigener Fanpage bei Facebook vertreten – es wissen bislang nur die allerwenigsten. Ganze 5.580 Fans kann Steinbrück bislang um sich scharen – für einen potenziellen Kanzlerkandidaten ist das erschreckend wenig. Frank-Walter Steinmeier, sein möglicher parteiinterner Rivale um die Kanzlerkandidatur, bringt es fast auf die dreifache Summe an Fans; Bundeskanzlerin Merkel kommt auf über 111.000 Facebook-Fans und hat zudem gerade ihren eigenen YouTube-Kanal gestartet.  

Doch nicht nur nach quantitativen Kriterien überrascht Steinbrücks Facebooks-Flaute: Der Hamburger tritt bei weltgrößten Social Network nicht mal selbst in Erscheinung: "Dies ist die Facebook Fanpage von Peer Steinbrück", werden Besucher begrüßt. "Hier finden Sie aktuelle Nachrichten, Informationen und Videos zu Peer Steinbrück. Die Seite wird durch das Team von Peer Steinbrück bearbeitet."

Reduzierte Botschaften statt kraftmeierische Selbstbeweihräucherung

So werden dann neben Steinbrücks Konterfei eher reduzierte Botschaften von dokumentarischem Charakter gespostet: kraftmeierische Selbstbeweihräucherung im Stile von Hubertus Heil ("Westerwelle will unter keinen Umständen zurücktreten. Gut für uns, schlecht für die FDP") – Fehlanzeige. "Hier noch einmal die Sendung von Günther Jauch vom gestrigen Abend", lautet der letzte Eintrag. "Peer Steinbrück im Interview mit dem Bonner General-Anzeiger: "Die Kanzlerin hat die Krise unterschätzt", ein anderer.

Das ist so nüchtern hanseatisch wie Steinbrück selbst sein kann. Und der Ansatz ist zumindest ehrlich: Dass Spitzenpolitiker ihre Facebook-Einträge im Zeitalter von hyperaktiven PR-Agenturen noch selbst schreiben, dürften ohnehin die wenigsten die User glauben.

Trotzdem: Auch einem potenziellen Kanzlerkandidaten stünde ein etwas dynamischerer Facebook-Auftritt ganz gut. Vielleicht kommt der ja spätestens im Wahljahr. An prominenten Social Media-Mitstreitern mangelt der SPD ja nicht: So haben in der Vergangenheit weder Web-Experte Sascha Lobo noch Scholz & Friends-Director Nico Lumma ein Geheimnis aus ihrer Parteizugehörigkeit gemacht.

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