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Kreditkartenfirmen planen Kunden-Targeting

Sieht so die Zukunft der Online-Werbung aus? Wenn es nach Kreditkartenanbietern geht, könnten Internet-Shopper schon bald ganz individuelle Werbeangebote erhalten, die auf ihrem Kaufverhalten basieren. Das Wall Street Journal berichtet von Plänen bei den Platzhirschen Visa und MasterCard, die über die größten Datenbanken von Handelsumsätzen bei Online-Käufen verfügen. Der gläserne Kunde würde mit dem personalisierten Werbeverfahren näher rücken. Bleibt nur noch die Frage nach dem Sinn von "sensiblen Daten".

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Wie verhängnisvoll kann ein Kauf via Kreditkarte sein? Diese Frage könnte Internet-Nutzer in der Zukunft bald in einer neuen Qualität beschäftigten. Glaubt man dem Wall Street Journal, so könnten die Branchenriesen Visa und MasterCard auf Basis der getätigten Kreditkartenkäufe bald auf neue Werbeformen abzielen.

Das Vorschlags-Prinzip ist ein Klassiker des E-Commerce: "Kunden, die dieses Produkt gekauft, könnten sich auf für dieses interessieren", unterbreitete der inzwischen weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon seinen Kunden schon Ende der 90er Jahre basierend auf einem Algorithmus neue Kaufvorschläge. Coldplay-Fans hätten demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit auch an Feist oder Adele Interesse, Leser von Günther Grass würden sich wohl für den neuen Martin Walser interessieren.

"Du bist, was Du kaufst – nicht was Du suchst"
Demnächst könnten die Vorschläge nicht nur auf dem Verkaufsverhalten der Menge basieren – sondern sogar auf dem eigenen. Wie das Wall Street Journal berichtet, streben die beiden marktbeherrschenden Player mit Macht in ein neues Geschäftsfeld: der personalisierten Online-Werbung auf Basis der getätigten Transaktionen.

Damit wäre die nächste Stufe der Online-Werbung erreicht, die immer mehr Nutzer-Daten aufzusaugen versucht: nach dem User-Verhalten – wie bei der Google-Suche oder beim Klick auf den Like-Button bei Facebook– wäre vor dem Käufer-Verhalten, das via Kreditkarte ja auch offline stattfindet, und das sind schließlich immer noch die meisten Käufe. Bereits diesen Sommer kursierte gegenüber Werbetreibenden  ein Mastercard-Konzept mit kleinem Google-Seitenhieb. Arbeitstitel: "Du bist, was Du kaufst – nicht, was Du suchst".

Datenschutzkonflikte erscheinen vorprogrammiert
Allerdings habe der börsengelistete Konzern das Vorhaben inzwischen wieder verworfen, hieß es im Wall Street Journal. MasterCard wolle die Personendaten vielmehr anonymisiert zu Werbezwecken weiterverkaufen. Datenmaterial ist schließlich genug vorhanden: 23 Millionen Transaktionen werden jedes Jahr bei Mastercard abgewickelt, 45 Millionen sind es sogar bei Visa.

Der an der Börse fast doppelt so hoch bewertete Konkurrent hat dann auch noch mehr vor: Visa hat sogar ein Patent entwickelt, das Käuferdaten aus den getätigten Transaktionen mit Angaben aus sozialen Netzwerken und der Internet-Suche kombiniert. Spätestens dieses BigBrother-esque Vorhaben dürfte Datenschützer, zumal diesseits des Atlantiks, auf den Plan rufen.  

Und am Ende der möglichen neuen Werbeoffensive bleiben noch ganz individuelle Fragen: Was ist mit einem Nutzer, der Sex-Spielzeug gekauft hat  – möchte er wirklich künftig in seinem Browser am Arbeitsplatz mit Dildos, Handschellen und Sexpuppen beworben werden?  Was ist bei Mehrfach-Nutzung eines Computers? Und schließlich: Ist der Nutzer wirklich die Summe seiner Käufe? Fragen über Fragen, die datenbesessenene Marketer wohl bestenfalls am Rande interessieren dürften.

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