Kindle Fire könnte Amazon ins Minus treiben

Die dunkle Seite von Amazon kehrt zurück: Das Online-Kaufhaus könnte nach Jahren in der Gewinnzone wieder Verluste schreiben. Diesen überraschenden Ausblick präsentierte Firmengründer Jeff Bezos Aktionären nach Handelsschluss. Dabei läuft das Kerngeschäft alles andere als schlecht: Die Umsätze explodieren weiter, die Nachfrage nach dem in drei Wochen startenden Tablet Kindle Fire ist rasant. Doch Bezos aggressiver Wachstumskurs schockt die Wall Street – die Aktie verliert nachbörslich bis zu 18 Prozent.

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Die dunkle Seite von Amazon kehrt zurück: Das Online-Kaufhaus könnte nach Jahren in der Gewinnzone wieder Verluste schreiben. Diesen überraschenden Ausblick präsentierte Firmengründer Jeff Bezos Aktionären nach Handelsschluss. Dabei läuft das Kerngeschäft alles andere als schlecht: Die Umsätze explodieren weiter, die Nachfrage nach dem in drei Wochen startenden Tablet Kindle Fire ist rasant. Doch Bezos aggressiver Wachstumskurs schockt die Wall Street – die Aktie verliert nachbörslich bis zu 18 Prozent.

Wie lange geht das Spiel noch gut? Wachstum um jeden Preis – so lautet die Wette, die Firmengründer Jeff Bezos seit den späten 90ern mit seinem inzwischen weltgrößten Online-Kaufhaus eingeht. Nach dem Börsencrash 2000 hatten Investoren angesichts beständig hoher Verluste fast die Nerven verloren, Amazon näherte sich daraufhin endlich dem Breakeven an.

Seit mehr als einem halben Jahrzehnt verdient Amazon Geld, doch kaum mehr als nötig, so scheinen die beständigen Bilanz-Enttäuschungen zu suggerieren. Die Wall Street verzieh dem ehemaligen Investmentbanker Bezos seinen Sonderweg dennoch stets, weil er ein beeindruckendes Wachstumstempo vorweisen konnte. Die Gegenwart wird der Zukunft geopfert, so die Lesart vieler Analysten nach den Conference Calls.

Gewinneinbruch von 73 Prozent

Doch diesmal könnte Bezos  zu hoch gepokert haben. Die vorgelegte Bilanz für das abgelaufene Quartal brachte die fast schon erwartete Enttäuschung mit sich – nur die Dimension überraschte. Zwar konnte Amazon die Umsätze erneut massive steigern – um 44 Prozent auf 10,88 Milliarden Dollar. Die Wall Street hatte indes 10,93 Milliarden Dollar erwartet.

Komplett aus dem Ruder lief dagegen die Gewinnentwicklung. Nur noch 79 Millionen Dollar oder 14 Cent je Aktie blieben im Dreimonatszeitraum Juli bis September unterm Strich beim nach Google zweitwertvollsten Internetkonzern der Welt hängen. Das waren enorme 73 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Brutaler Absturz der Amazon-Aktie: Minus von 18 Prozent nachbörslich

So weit, so enttäuschend. Zum echten Debakel geriet indes der Ausblick auf die wichtigste Bilanz des Jahres – das Weihnachtsquartal. Zwischen – 200 Millionen und + 250 Millionen Dollar will Amazon nur verdienen. Das sind im Durchschnitt also gerade mal 25 Millionen Dollar, in Worstcase aber auch Verluste. Die Wall Street hatte stattdessen mit Gewinnen von durchschnittlich 669 Millionen Dollar gerechnet.

Wie sehr Bezos mit seiner aggressiven Wachstums-Wette die Nerven seiner Aktionäre strapaziert, zeigte sich nachbörslich: Reflexartig verlor die Amazon-Aktie 18 Prozent ihres Wertes und stürzte bis auf 185 Dollar ab, ehe Schnäppchenjäger zugriffen und die Verluste auf 13 Prozent begrenzten. Die Aktie ging bei 198 Dollar aus dem nachbörslichen Handel – ein Minus von fast 30 Dollar gegenüber dem regulären Handelverlauf, wo der Online-Pionier schon rund 4 Prozent an Wert eingebüßt hatte.

Kindle Fire: "Millionen mehr" produzieren, Millionen draufzahlen

Der brutale Ausverkauf ist nicht zuletzt Bezos‘ aggressivem Angriff auf Apples iPad geschuldet. Bezos erklärte im Conference Call, dass die Nachfrage nach dem neuen Tablet Kindle Fire enorm stark sei. Man fahre die Produktion hoch und werde "Millionen mehr" produzieren, erklärte der 47-jährige Amazon-Gründer.

Das Problem ist nur: Mit dem iPad-Konkurrenten, der in den USA am 15. November für 199 Dollar debütiert, verliert Amazon Geld. Wie Analysten errechneten, kostet Amazon die Produktion des Geräts 10 Dollar mehr als es einspielt. In anderen Worten: Je größer die Absatzzahlen, desto größer zunächst die Verluste. Das Geld wieder hereinholen will Amazon über E-Commerce-Angebote.

Draufzahlen zunächst allerdings auch Aktionäre: Die aggressive Wachstumsstrategie vernichtete mit dem nachbörslichen Kursrutsch mehr als 20 Milliarden Dollar Börsenwert.

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