Kerner-K.o.: Spiegel TV macht 2011 Minus

Bei der Vorstellung des neuen Spiegel-Hochhauses ging es auch ums laufende Business. Gesamtgeschäftsführer Ove Saffe bezifferte den zu erwartenden Jahresumsatz der Gruppe auf 325 Mio. Euro. Dies bedeutet zwar einen Anstieg gegenüber den Vorjahren, an die Spitzenwerte von über 350 Mio. Euro (zuletzt 2007) kommt das Unternehmen aber nicht heran. Besonders kritisch sieht es derzeit für Spiegel TV aus, das u.a. durch die Einstellung der Kerner-Show auf Sat.1 ins Minus rutscht.

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2011 wird wohl als Jahr des Umbruchs in die Geschichte von Spiegel TV eingehen. Nach dem Wechsel in der Geschäftsführung musste die Spiegel-Tochter mit dem Aus der von ihr produzierten Show einen "Rückschlag" (Saffe) hinnehmen. Für das Gros der Mitarbeiter von Spiegel TV Entertainment bedeutet der Auftragsverlust die Kündigung. Für Gesamtgeschäftsführer Saffe eine unausweichliche Konsequenz: "Das ist das normale Leben, das ist dann so." Frank-Thomas Sippel, erst vor wenigen Tagen vom Chef der Entwicklungsabteilung zum Geschäftsführer der Firma aufgestiegen, wird den Redakteuren wohl in absehbarer Zeit die Kündigungsschreiben aushändigen. Neben "Kerner" betreut das Produktionsteam auch die ZDF-Sendung "Lanz kocht".
Wie viele der 40 Angestellten ihren Job verlieren werden, darauf hatte allerdings auch der seit einem halben Jahr amtierende Spiegel TV-Geschäftsführer Matthias Schmolz keine Antwort, ebenso wenig auf die Frage, ob es einen Sozialplan geben werde und wie hoch etwaige Rückstellungen für Abfindungen sein werden. Derzeit liefen Gespräche mit dem Betriebsrat, so Schmolz, mehr könne er dazu nicht sagen. Die Probleme lägen vor allem im "volatilen Unterhaltungsgeschäft", wo eine Reihe von Aufträgen entfallen seien. Es sei aber bereits klar, dass die TV-Sparte bei einem Jahresumsatz von rund 45 Millionen Euro 2011 mit einem Minus abschneiden werde.
Nicht ganz klar erscheint die Zahl der insgesamt bei Spiegel TV und deren Tochtergesellschaften angestellten Mitarbeiter. Schmolz nannte auf Nachfrage die Zahl 220. Vor einem Jahr – als der Stellen-Abbau aufgrund des Wegfalls von Großaufträgen bereits Thema war – hatte der Verlag die Gesamtzahl der Beschäftigten mit 315 angeben. Darunter seien rund 20 ruhende Verträge (Elternzeit, Mutterschutz o.ä.) sowie Arbeitsverhältnisse, die rein projektbezogen seien (z.B. Komparsen). 261 sei die Zahl der derzeit Festangestellten, dies sei auch Bemessungsgrundlage für die Einsparungen. Ob der damals angekündigte Abbau von 35 Vollzeitstellen real vollzogen wurde, erscheint zweifelhaft. Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass der Wegfall von Stellen in diesen Wochen nicht nur bei Spiegel TV Entertainment Thema sein wird.
Schmolz wies allerdings auch darauf hin, dass Spiegel TV vor allem dank der Lizenzsendeplätze für das "Spiegel TV Magazin" (RTL) oder die "Spiegel TV Reportage" (Sat.1) "operativ im Plus" sei. Und er versicherte: "Wir planen keinen Strategiewechsel, sondern legen den Schwerpunkt weiter auf beschäftigungssichernde Maßnahmen."

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