Warum das iPhone 4S für Medienleute lohnt

Übergangs-iPhone, Lückenbüßer, Update. Kurz nach der ersten Keynote von Apple-CEO Tim Cook gab sich die Fachpresse alle Mühe, die Neuauflage des iPhone 4 schlecht zu reden. Nach einer Woche des ausgiebigen Testens lässt sich festhalten: Das 4S ist weitaus mehr als ein Update, es ist eine gelungene Weiterentwicklung. Und aus Medienmachersicht das erste Smartphone, das für den journalistischen Einsatz taugt.

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Übergangs-iPhone, Lückenbüßer, Update. Kurz nach der ersten Keynote von Apple-CEO Tim Cook gab sich die Fachpresse alle Mühe, die Neuauflage des iPhone 4 schlecht zu reden. Nach einer Woche des ausgiebigen Testens lässt sich festhalten: Das 4S ist weitaus mehr als ein Update, es ist eine gelungene Weiterentwicklung. Und aus Medienmachersicht das erste Smartphone, das für den journalistischen Einsatz taugt.

Dass das 4S über mehr Rechenpower verfügt, merkt man nicht nur auf dem Datenblatt. Der Leistungssprung ist nicht so drastisch wie vom 3GS zum 4er-Modell. Doch egal, ob man vom Browser zum Mailprogramm wechselt, auf einer Karte einen Standort sucht oder die Foto-App startet: Alle Aktionen erledigt das 4S noch eine ganze Ecke fixer als sein Vorgänger, der für mich im Test als Referenz galt.

Foto-Qualitäten
Am meisten profitiert die Kamera vom neuen A5-Chip. Denn der verfügt nicht nur über zwei Prozessorkerne, sondern auch über einen aufgebohrten Grafikchip. Gerade in Verbindung mit dem neuen iOS5 mausert sich das iPhone tatsächlich zur perfekten Schnappschussknipse. Denn mit einem Doppelklick auf den Home-Button im Standby-Modus, erscheint der Shortcut auf die Kamera, die nach einem Klick auf das Symbol sofort startet.

Fotos können dann sogar über den Volume-Button ausgelöst werden. Es ist also nicht mehr nötig, das Gerät zu entriegeln, das Icon für die Kamera-App zu suchen und zu warten bis sie startet. Der HDR-Modus, der schon im früheren iOS zum Einsatz kam und das beste Bild aus zwei Aufnahmen errechnet, wird noch schneller abgearbeitet.

Einen Unterschied zum Vorgänger merkt man vor allem in schlecht beleuchteten Räumen. War das Bild beim 4er-Modell voll von Artefakten und recht grieselig, kann sich das Ergebnis durchaus sehen lassen.

Mit dem 4S lassen sich zwar keine Aufmacherfotos schießen. Doch acht Megapixel, eine verbesserte Optik und eine schneller Chip sorgen für anständige Bilder. Da viele Pressetermine allzu oft in geschlossenen Räumen mit künstlichem Licht stattfinden, bedeutet die merkliche Rauschreduzierung ein großes Plus.

Video-Qualität
Im Videobereich nutzt Apple den eingebauten Beschleunigungssensor, um das Bild zu stabilisieren. Der Vorgang ist sehr rechenintensiv und wäre ohne den neuen Chipsatz nur bedingt möglich gewesen. Außerdem nimmt das 4S Clips in 1080p, also Full-HD, auf. Wie gut sich im Vergleich zu Profi-DSLRs Videos aufnehmen lassen, hat die US-Produktionsfirma Robino Films gezeigt, die eine ausgewachsene Canon 5D Mark II gegen die 4S haben antreten lassen – mit überraschendem Ergebnis.

Mit dem neuen Bildstabilisator und der Möglichkeit, Videos in Full-HD aufzunehmen, ergänzt das iPhone 4S den Toolkit eines Journalist sinnvoll. Um vernünftige Videos zu drehen, braucht es dann aber doch noch ein wenig mehr. Neben einem Grundverständnis von Bildkomposition und Storytelling sind beispielsweise ein Stativ und ein Ansteckmikro unverzichtbar, um vorzeigbare Bewegtbilder zu drehen.

Siri
Die meiste Aufmerksamkeit zog fraglos Apples neuer Sprachassistent Siri auf sich. Vielleicht etwas zu viel. So nutzten Freunde und Bekannte das Testgerät, um Siri eine kuriose Frage nach der anderen zu stellen.

Um die Debatte abzukürzen: Siri ist kein Orakel, sondern eine Software, die Eingaben vereinfachen soll. Immerhin brüll ich meinen Rechner auch nicht an, frag ihn nach der Quersumme aus 83 und erwarte dann eine Antwort. Hat man das Konzept einmal verstanden und weiß mit der frechen Art von Siri umzugehen, ist die Software das fraglos stärkste Kaufargument.

Ich konnte förmlich mitereleben, wie der Sprachassistent meine Befehle immer besser versteht. Sei es ein kleines Diktat, das Setzen eines Timers, das Stellen eines Weckers, der Anruf bei einem Kollegen oder eine SMS an einen Freund. Siri versteht und arbeitet nach einiger Zeit beinahe fehlerfrei. Und zwar so komfortabel, dass man sich die Tastatur tatsächlich sparen kann.

Empfang
Natürlich ist eine Woche keine angemessene Zeitspanne, um ausführliche Empfangstests zu machen. Bislang kam es aber nicht zu einem einzigen Verbindungsabbruch – weder bei der Telefonie, noch bei Datenverbindungen. Das war bei den Vorgängermodellen nicht unbedingt der Fall.

Akku
Natürlich könnte ich jetzt weitaus ausführlichere Testberichte bemühen, um zu benennen, wie lang das 4S bei einer Displayhelligkeit von 40 Prozent und gleichbleibend gutem Emfpang unter idealen Bedingungen durchhält. Das hat meiner Meinung nach aber recht wenig mit dem Einsatz im Alltag zu tun. Nutzt man das Gerät regulär, also telefoniert, checkt regelmäßig Mails, surft im Web und nutzt weitere Apps, hält der Akku, wie schon bei den Vorgängern einen ganzen Tag lang durch, muss also einmal am Tag aufgeladen werden. Mal etwas früher, mal etwas später. Wenn man allerdings weiß, dass das 4S über siebenmal mehr Grafikpower und einen Dual-Core-Prozessor verfügt, lässt sich der Gang zur Steckdose verkraften.

Besser als die Konkurrenz?
Erst vor wenigen Tagen haben Google und Samsung das Galaxy Nexus vorgestellt. Im Vergleich zum 4S mit größerem Display, Nahfeldsensor, einem 1,2 GHz schnellen Prozessor und ausreichend Arbeitsspeicher. Die Tatsache, dass Apple sein 4er-Modell upgedatet hatte, dürfte bei einigen Nutzern den Neid gegenüber Konkurrenzmodellen wachsen lassen. Also warten auf das iPhone 5 im Sommer 2012? Oder auf Android wechseln? Zumindest zum jetztigen Zeitpunkt hängt das 4S in mehreren Benchmarks die versammelte Konkurrenz ab.

Fühlen Sie sich also in der Apple-Welt wohl und ihr Vertrag steht zur Verlängerung aus, können Sie getrost zugreifen und werden Ihre Wahl nicht bereuen. Als iPhone-Fan mit dem iPhone 4 in der Hosentasche sollten Sie vielleicht noch bis zur prognostizierten iPhone5-Keynote im Juni 2012 warten. Glaubt man den Gerüchten, war Steve Jobs in die Entwicklung stark eingebunden, und wir haben mehr als ein Update zu erwarten.

Aber auch den iPhone4S-Nutzern sei gesagt: Es ist das momentan beste Smartphone auf dem Markt. Mit besserer Kamera, besserer Videoauflösung, einem schnelleren Prozessor und Siri.

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