Zeitungsauflagenverluste schwächen sich ab

Ist es nur eine Momentaufnahme oder der Beginn eines Trends? Die Verkaufszahlen der deutschen Regionalzeitungen haben sich im dritten Quartal etwas besser entwickelt als noch im zweiten Quartal. Zwar verloren die größten 58 Titel weiterhin allesamt gegenüber dem Vorjahr, doch bei immerhin 37 Zeitungen waren die Minuszeichen nicht so dick wie im zweiten Quartal. Besonders bitter sieht es weiter bei den meisten Boulevardzeitungen aus, am besten für die Blätter in ländlichen Regionen.

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Für unsere traditionelle Deutschlandreise durch die Regionalzeitungslandschaft haben wir wie immer die IVW-Verkaufszahlen der momentan 58 Titel mit mehr als 100.000 Käufern ausgewertet. 37 dieser Zeitungen lagen mit ihren 12-Monats-Verlusten im dritten Quartal unter denen des zweiten Quartals, bei 21 ging es deutlicher nach unten. Und: Während das kleinste Auflagenminus im zweiten Quartal noch bei 1,2% lag, büßten diesmal immerhin drei Blätter weniger als 1% der Vorjahres-Auflage ein, am wenigsten die Mittelbayerische Zeitung mit einem Mini-Minus von 0,6%. Allerdings: Gewinner sind weiterhin nicht in Sicht.

Beginnen wir unsere Reise aber im Nordosten. Auch in Berlin überwiegt die Zahl der Zeitungen, die im dritten Quartal weniger Käufer verloren haben als im zweiten. Am drastischsten nach unten geht es weiterhin für die beiden Boulevardzeitungen: Die B.Z. büßte satte 8,8% ein, der Berliner Kurier 4,0%.

In den anderen fünf östlichen Bundesländern überwiegen weiterhin die Regionalzeitungen, die überdurchschnittlich stark verlieren. Zwar ist auch hier ein leicht positiver Trend gegenüber dem Vorquartal zu erkennen, allerdings büßten nur zwei der größten neun Blätter weniger als 2% der Verkäufe ein: die Ostsee-Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern und die Volksstimme aus Sachsen-Anhalt. Am deutlichsten nach unten ging es für die Mitteldeutsche Zeitung.

Die beiden Hamburger Zeitungen Abendblatt und Morgenpost haben sich ebenfalls besser entwickelt als zuletzt, das Abendblatt verlor mit 3,8% aber weiterhin deutlich. Sogar stärker im Minus als im zweiten Quartal: der Weser-Kurier aus Bremen.

Negativ ist die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen. Die drei größten Anbieter, die WAZ-Mediengruppe, die Rheinische Post und die Abozeitungen der Zeitungsgruppe Köln entwickeln sich mit Verlusten von 2,4% bis 4,6% schlechter als der Bundes-Durchschnitt, zudem verlieren alle drei schneller als noch im zweiten Quartal 2011. Besonders heftig sind die Verluste hier beim Express und der Westdeutsche Zeitung. Die WZ verlor allerdings hauptsächlich so stark, weil sie ca. 5.000 sonstige Verkäufe abgebaut hat.

Relativ einheitlich sehen die Einbußen in den Bundesländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hessen aus: Alle großen Zeitungen verloren hier zwischen 1,3% und 2,4%.

Vorzeigeland bei der Auflagenentwicklung bleibt Bayern. Bis auf den negativen Ausreißer TZ-München verlor hier keine der großen neun Zeitungen mehr als 2%, zwei blieben mit ihren Auflagenverlisten sogar unter der 1%-Marke: die Mittelbayerische Zeitung und die Passauer Neue Presse. Bis auf die TZ sehen die Verluste aller Titel zudem positiver aus als im zweiten Quartal. Und: Mit der Abendzeitung gibt es hier auch das regionale Boulevardblatt, das sich am wenigsten schlecht entwickelt hat. Im Einzelverkauf legte die Abendzeitung sogar zu.

Uneinheitlich sieht es hingegen in Baden-Württemberg aus. Zwar gibt es auch hier mit der Freiburger Badischen Zeitung ein Blatt, das weniger als 1% verlor, mit dem Duo Stuttgarter Zeitung / Stuttgarter Nachrichten und dem Mannheimer Morgen aber auch zwei Titel, die mehr als 2,5% einbüßten. In Rheinland-Pfalz verlor die Rhein-Zeitung deutlicher als Die Rheinpfalz und die Rhein-Main-Presse, im Saarland gingen der Saarbrücker Zeitung moderate 1,3% verloren.

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