Burda rehabilitiert Ex-Bunte-Politikchef Lobe

Interessante Wende im Fall Bunte gegen Lobe: Nachdem das People-Magazin seinen Politikchef Ende Juli unter dem Vorwurf der "unlauteren Recherche" fristlos vor die Tür gesetzt hatte, rudert der Verlag nun zurück. Am Morgen verbreitete Burda eine Pressemitteilung, die sich wie eine Ehrenerklärung für den vorher schwer belasteten Journalisten liest. Von den Vorwürfen ist praktisch nichts übrig geblieben. Vorausgegangen war eine gerichtliche Auseinandersetzung mit zwei Verhandlungsterminen.

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Offenbar war es dem Verlag nicht gelungen, stichhaltige  und gerichtsverwertbare Indizien für ein Fehlverhalten von Lobe, 43, beizubringen. Bei dem Vorgang handelte es sich um eine über Monate laufende Recherche im privaten Umfeld eines Bundespolitikers, bei der es um Drogen und Sexpartys ging. Diese Recherche, so die Lesart der früheren Stellungnahmen der Bunte-Chefredaktion, seien von Lobe eigenmächtig und an der Chefredaktion vorbei beauftragt worden. Dies ist aus heutiger Sicht so nicht haltbar.
Wörtlich erklärt das Medienhaus nun:
„Der Verlag Hubert Burda Media hat die Vorwürfe gegenüber dem ehemaligen Ressortleiter Politik, Tobias Lobe, wegen möglicher fragwürdiger Recherchemethoden bei Bunte eingehend geprüft. Er ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Herr Lobe die von einem außenstehenden Informanten vorgeschlagenen unlauteren Recherchemethoden weder initiiert noch befürwortet hat. Gemeinsam mit der Chefredaktion hat Herr Lobe eine schwierige Recherche in einem frühen Stadium gestoppt, bevor jemand zu Schaden kommen konnte.
 
Der Verlag und die Chefredaktion bedanken sich ausdrücklich bei Herrn Lobe für seine Verdienste. Die Chefredakteurin von Bunte, Patricia Riekel, bedauert den Verlauf der Entwicklung ausdrücklich, vor allem vor dem Hintergrund von über fünf Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit. Der Verlag hat sich mit Herrn Lobe im besten Einvernehmen verständigt und wünscht ihm für seine berufliche Zukunft weiterhin viel Erfolg und privat alles Gute.“

Mit dieser Stellungnahme, deren Wording im Zuge einer außergerichtlichen Einigung zwischen beiden Parteien ausgehandelt worden sein dürfte, ist die "Einzeltäter-Theorie" vom Tisch, wonach Lobe und eine Redakteurin im Alleingang gehandelt hätten. Die Bunte-Führungsspitze um Chefredakteurin Patricia Riekel muss sich nun fragen lassen, warum ein äußerst dubioser Informant, der seine (tatsächlichen oder geplanten) "Nachforschungen" im Privatleben eines Politikers in rund 20 Mails beschrieb, nicht nur über Monate nicht abserviert wurde, sondern dafür auch noch Geld erhielt. Schon früher waren Zweifel aufgetaucht, ob es sich die Chefredakteurin bei ihrer Darstellung nicht zu einfach mache.
Die Bunte hatte zudem eine interne Ermittlungskommission mit der Klärung der Vorgänge beauftragt. Warum diese zu einem ganz anderen Ergebnis kam als die aktuellen "eingehenden Prüfungen", ist ebenfalls eine spannende Frage.
Wie der Mediendienst W&V in seiner aktuellen Printausgabe berichtet, habe der Anwalt von Lobe in der ersten Gerichtsverhandlung geäußert, dass Lobe "Wert auf die Feststellung", lege, "von Bassewitz (Stellvertretender Bunte-Chefredakteur, Anm. d. Red.) habe an der umstrittenen Geschichte "Interesse bekundet". Und: von Bassewitz sei durch Lobe über die Rechercheergebnisse auf dem Laufenden gehalten, die Chefredaktion "über alle Schritte informiert" gewesen. Der Anwalt der Bunte habe dem allerdings heftig widersprochen. Von der zweiten Verhandlung vor dem Münchner Arbeitsgericht, die schließlich zur Einigung führte, ist wenig bekannt – sie fand hinter verschlossenen Türen statt.

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