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Medientage: die regulierten Elefanten

Der Mediengipfel der Medientage München wurde seinem Spitznamen "Elefantenrunde" gerecht. Es ging behäbig zu unter den Dickhäutern der Medien-Industrie. Viel wurde über Regulierung geredet. Oder Deregulierung. So einig war man sich da nicht. Einig war man sich vor allem in einem: Jedes Jahr wird das Gleiche gesagt und hinterher wenig getan. Eine echte Neuerung gab es dann aber doch: Wirtschaftswoche-Chefredakteur Roland Tichy löste Helmut Markwort als Elefanten-Dompteur ab.

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Und er machte seine Sache gut. Focus-Gründer Markwort hat über viele Jahre als gewitzter Moderator der stets übergroßen Runde (zwölf Teilnehmer ohne den Moderator) immer bella figura gemacht. Roland Tichy knüpfte nahtlos an die Markwort’sche Tradition der mit ironischen Seitenhieben gespickten Moderation dieses "Frühschoppens der Medientage" (Tichy) an. Er begrüßte auf dem Podium: den Leiter der bayerischen Staatskanzlei Marcel Huber (er vertrat Ministerpräsident Horst Seehofer, der mit der Euro-Rettung zu beschäftigt war), den neuen Chef der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM), Siegfried Schneider, VPRT-Präsident Jürgen Doetz (VPRT ist der Lobby-Verband der privaten Rundfunkanbieter), ZDF-Intendant Markus Schächter, Ulrich Wilhelm, den Intendanten des Bayerischen Rundfunks, RTL-Deutschland-Chefin Anke Schäferkordt, ProSiebenSat.1-Vorstand Andreas Bartl, Burda-Vorstandschef Paul-Bernhard Kallen, Sky-Deutschland-Chef Brian Sullivan, Google-Deutschland-Statthalter Stefan Tweraser, Tele-München-Chef Herbert Kloiber und Florian Haller, den Chef der Werbeagentur Service-Plan der auch die Keynote gehalten hatte.

Die Zusammensetzung der Elefanten-Truppe zeigt schon das Problem: Sie ist zu groß,um wirklich diskutieren zu können. Und so wurden in der ersten Hälfte des Mediengipfels sattsam bekannte Gegnerschaften zwischen öffentlich-rechtlichen Sendern und Privatfunkern gepflegt. Anke Schäferkordt rief dazu auf, ARD und ZDF könnten doch auch mal sparen, Jürgen Doetz klagte, dass ARD und ZDF eine viel zu große Gebührenerhöhung gefordert hätten. ZDF-Mann Schächter fühlte sich da als alter Mainzer an eine "Fastnachtsveranstaltung" erinnert, usw.

Zwischendurch rief immer wieder jemand "Regulierung" bzw. "Deregulierung". Was der ehemalige Regierungssprecher Ulrich Wilhelm auf den Nenner brachte: "Wir brauchen zusätzliche Regulierung in nichtregulierten Bereichen." Aha. Ab und zu nahm Sky-Boss Sullivan seine Übersetzungs-Kopfhörer ab und sprach davon, man müsse die neue Entwicklung (Internet usw.) umarmen und der Content, der müsse prosperieren. Alle nickten. Und redeten weiter über Regulierung.

Um den unzulänglichen Versuch einer Zusammenfassung der Regulierungs-Forderungen zu wagen: Die privaten TV-Anbieter (Anke Schäferkordt, Andreas Bartl) wünschen sich mehr Regulierung für die Internet-Anbieter und/oder weniger Regulierung für sich. Paul-Bernhard Kallen von Burda wünschte sich ein bisschen weniger Regulierung (O-Ton: "Weniger Kieselsteine im Gepäck.") für sich, damit er zum Beispiel leichter Häkelzeitschriften loswerden kann, und mehr Regulierung für Google und Co. ARD und ZDF wünschen sich mindestens genau soviel Regulierung wie eh und je. Aber bloß nicht was ihre Werbe-Einnahmen betrifft. Sonst droht laut Ulrich Wilhelm so etwas ähnliches wie der Untergang des Abendlandes, weil die ARD ihren vielen Auslandskorrespondenten und Nachrichtensendungen nicht mehr bezahlen kann. Und Google-Vertreter Tweraser hält – ganz forscher Internet-Typ – gar nix von Regulierung. Jedenfalls ganz bestimmt nicht für Internetfirmen, denn sonst wäre es ja mal Essig mit der ganzen Innovation. Also: Regulierung – ja bitte. Aber bitte nur bei den anderen. Selbstverständlich würde jeder der Teilnehmer widersprechen. Wir lernen: Medien-Elefanten sind auch nur Menschen.

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