Kerners angekündigter Abschied

Johannes B. Kerner wird zum Jahresende die Sendung verlassen, die seinen Namen trägt. Das schreibt die Bild-Zeitung, und man kann davon ausgehen, dass die Information korrekt ist, im Zweifel von Kerner selbst kommt. “Kerner” bei Sat.1 - das hat als Sendung von Beginn an nicht funktioniert. Dass “Kerner” dort nie heimisch wurde, hat viele Gründe. Nicht zuletzt lag es an der Sendung selbst. Bei Sat.1 wird sich die Trauer in Grenzen halten. Anders bei Spiegel TV, die mit ihrer Tochterfirma a + i "Kerner" produzieren.

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Für Spiegel TV wäre das Aus für die "Kerner"-Show schon der zweite herbe Verlust bei Sat.1. a + i hat auch die erfolglose und mittlerweile eingestellte Late-Night-Show mit Oliver Pocher für Sat.1 mit einigem Aufwand in Szene gesetzt. Wir erinnern uns: Pocher war fast zeitgleich mit Kerner zu Sat.1 gewechselt. Der eine sollte für Seriosität stehen, der andere das junge Publikum begeistern. Beides hat nicht geklappt. Zwei wöchentliche Sendungen weniger – für Spiegel TV ist das kein Pappenstiel.

Nach dem Aus für Pocher folgt nun also zum Jahresende die Klappe für “Kerner”. Die Sendung war bei Sat.1 von Beginn an ein Missverständnis. Kerner und sein Team glaubten offenbar, es reiche aus, eine zweitklassige Kopie von “Stern TV” hinzulegen und schon würden die Zuschauer von seinem alten Sender ZDF in Scharen zu Sat.1 überlaufen. Doch der Zuschauer, er ist ein träges Vieh. Das ZDF ersetzte Kerner mit Markus Lanz. Falls es die älteren Damen, die gerne “Johannes B. Kerner” im ZDF eingeschaltet hatten, überhaupt merkten, dann fiel ihnen vielleicht auf, dass der Typ da spätabends jetzt besser aussah und besser reden konnte. Statt “den Kerner” guckte man jetzt halt “den Lanz”. Hauptsache freitags wird gekocht.

“Kerner” wurde dafür bei Sat.1 auf einen Killer-Sendeplatz am Montagabend gegen den RTL-Quotenhit “Bauer sucht Frau” gehievt. Das war mindestens sportlich. Selbstmörderisch könnte man auch sagen. Dazu war die Sendung von Beginn an uninspiriert und viel zu nah am altbackenen Konzept von “Stern TV”. Während Günther Jauch, schlau wie er ist, das ausgelutschte “Stern TV” verließ, um neuer Talk-Superstar bei der ARD zu werden, versuchte Kerner bei Sat.1 noch täppisch, Jauchs ablegte Konzepte zu kopieren. Selbst das gelang eher schlecht als recht.

Beim Sender wurde man panisch und verschob “Kerner” auf den späten Donnerstagabend. Dort sendet er nun so vor sich hin. Die Quote lag zuletzt im Schnitt so bei 1,5 Millionen. Nicht schlecht aber auch nicht spitze. Und Sat.1 braucht ihn auch gar nicht mehr. Als Frontschwein bei Präsentationen steht jetzt Harald Schmidt zur Verfügung. Der fährt mit seinem Sat.1-Comeback zwar gnadenlos miese Quoten ein, richtig übel scheint ihm das aber (noch) keiner zu nehmen.

Die Champions League, für deren Moderation Kerner auch angeheuert wurde, ging ans ZDF verloren. Jetzt zieht er wohl zum Jahreswechsel den Schlussstrich unter seine Sendung, weil er “inhaltlich nicht zufrieden” sei, wie Bild schreibt. Die Trauer bei Sat.1 dürfte sich in engen Grenzen halten. Aber nicht zu früh freuen: Kerner bleibt natürlich auf dem Schirm. Für seinen Sat.1-Jahresrückblick düst er um die Welt, soll zum Beispiel das havarierte Atomkraftwerk in Fukushima besuchen und mit Dirk Nowitzki in Dallas Basketball spielen. Kerner beim Pannen-AKW in Japan? Schlimmes ist zu befürchten.

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