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Ernie und Aktionäre rüsten gegen Murdoch

Was sollen da nur die Kinder denken, wenn der Vater von Ernie beschimpft wird? Jetzt weiten sich die anhaltenden Occupy-Proteste gegen kapitalistische Gier sogar auf die Sesamstraße aus. Während einer Konferenz in San Francisco warfen Aktivisten in Graf Zahl- und Ernie-Kostümen Rupert Murdoch vor, aus dem öffentlichen Bildungswesen Kapital zu schlagen. Aber auch die Kids des Medien-Tycons sind enttäuscht: Seinen Söhnen James und Lachlan droht das Ende ihrer Karriere an der Spitze von News Corp.

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Was sollen da nur die Kinder denken, wenn der Vater von Ernie beschimpft wird? Jetzt weiten sich die anhaltenden Occupied-Proteste gegen kapitalistische Gier sogar auf die Sesamstraße aus. Während einer Konferenz in San Francisco warfen Aktivisten in Graf Zahl- und Ernie-Kostümen Rupert Murdoch vor, aus dem öffentlichen Bildungswesen Kapital zu schlagen. Aber auch die Kids des Medien-Tycons sind enttäuscht: Seinen Söhnen James und Lachlan droht das Ende ihrer Karriere an der Spitze von News Corp.

Aufgrund seiner Bevorzugung der eigenen Familie droht nun eine Aktionärsrevolte. Vor allem aber das armselige Krisenmanagement während des Abhör-Skandals erzürnt die Aktionäre.

Bei der Konferenz ‚Excellence in Action’ in San Francisco sah es zuerst so zivilisiert aus. Der 80-jährige Medienmogul hielt seine Rede vom Podium des prachtvollen Festsaals, und die Gäste schienen an jedem Wort zu hängen. Aber dann ging das Puppentheater los: Unter dem Motto ‚Occupy Sesame Street’ unterbrach eine Teilnehmerin im Ernie-Kostüm die Rede mit den Rufen „E stands for Equality in Education“(Gleichberechtigung im Bildungswesen). Dann folgten Graf Zahl und weitere unkostümierte Gäste. Rupert winkte den Protest ab mit den Worten „Das ist ok. Ein bisschen Kontroverse macht dass alles etwas interessanter.“

Wie Graf Zahl hinterher erklärte, plane Murdoch, wie man angesichts der Wirtschaftskrise Bildung weiter privatisieren kann – um den wirtschaftlichen Eigeninteressen zu dienen, schließlich besitzt News Corp den Hersteller von Bildungssoftware Wireless Generation.

Dieser Protest war allenfalls eine Trainingsrunde für den erwarteten Showdown zwischen Murdoch und News Corp Aktionären bei der Aktionsversammlung diesen Freitag. So wollen laut Independent etliche Großaktionäre gegen die Wiederwahl von fünf der 17 Vorstandsmitglieder stimmen, um der langjährigen Dominanz des Murdoch-Clans ein Ende zu bereiten. James und Lachlan Murdoch, Ruperts vertraute Arthur Sisikind und Andrew Knight, sowie Natalie Bancroft (Tochter der Familiendynastie, die Murdoch in 2007 ihr Wall Street Journal für fünf Milliarden Dollar verkauften) stehen auf der Abschussliste.

Auch wenn der Patriarch der Revolte widerstehen kann, wird sein Führungsstil an sich zu weiterem Ärger führen. Aufgrund der Aktienstruktur besitzt die Murdoch-Familie 40% der Stimmrechte, aber nur 12% der Aktien. Das Governance-System wird als undemokratisch und geschäftsschädigend kritisiert. Und Rupert Murdoch hat seine Teilhaber mit einigen strategischen Alleingängen verärgert. Die Akquisition von MySpace für 580 Millionen Dollar in 2005, das im Juni dieses Jahres für lächerliche 35 Millionen Dollar verschleudert wurde, ist nur ein Beispiel. Der Kauf des Wall Street Journals, ein langgehegter Traum von Rupert, wurde ebenfalls mehrfach kritisiert. Und dann war da noch der Rückzieher von der geplanten Übernahme des gesamten Bezahlsenders BSkyB, der aufgrund der negativen Stimmung in Großbritannien angesichts des Abhör-Skandals nicht mehr durchsetzbar war. Glücklich waren die Aktionäre damit nicht, schließlich macht BSkyB einen Milliardenprofit. Und zu guter Letzt häufen sich Anschuldigungen gegen News Corp, die auf eine fundamental unehrliche Geschäftsmoral hinweisen. Erst letzte Woche kündigte der Chef der Wall Street Journal Europe, Andrew Langhoff, aufgrund eines zweifelhafter Auflagendeals, der die Trennung von redaktionellem Inhalt und Geschäftsbeziehungen anzweifeln ließ.

Der Abhör-Skandal und die lethargische Reaktion der britischen Zeitungstochter News International könnte besonders James Murdoch zum Verhängnis werden. Sein Name steht ganz oben auf der Liste der verärgerten Aktionäre, denn er soll sich zu spät und zu wenig um den Skandal gekümmert haben. Die Kompensationszahlungen an die Opfer könnten 100 Millionen Pfund übersteigen. Auch nach seiner Aussage vor dem Medienausschuss des britischen Unterhauses im Juli ist immer noch nicht klar, seit wann James von den illegalen Praktiken bei der inzwischen eingestellten Sonntagszeitung News of the World wusste. Er bestreitet, schon jahrelang gewusst zu haben, dass illegales Abhören in der Redaktion Gang und Gäbe war. Sein ehemaliger Rechtsbeistand hat diese Darstellung angezweifelt. James wird im November aller Wahrscheinlichkeit nach erneut vor den Ausschuss treten müssen.

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